Bisher gab es bei mir nur zwei Fälle, in denen ich unter "Bossing" zu leiden hatte. Das eine war bei einem 4-wöchigen Praktikum und das andere beim Probearbeiten wegen einer möglichen Ausbildungsstelle, die ich beide von Seiten des Arbeitsamtes innerhalb einer BVB-Maßnahme machen sollte. Das Probearbeiten fing an einem Mittwoch in einem Handwerksbetrieb an und sollte bis einschließlich Freitag gehen und das Praktikum in einer saarländischen Buch- und Papeteriehandlung lief über die Osterzeit ab.
Beim Probearbeiten bin ich direkt am ersten Tag psychisch total eingeknickt und habe über 1 1/2 Stunden weinend am Arbeitsplatz gesessen, weil ich meine zugewiesene Aufgabe nicht machen konnte und der Chef mich bei Nachfragen nur niedergemacht bzw. mich ignoriert hat. Es war mein erster Tag dort und ich sollte mich mit Hilfe eines integrierten Tutorials in das Programm einarbeiten, was an sich ja auch gar kein Problem gewesen wäre. Jedoch gab der Chef mir die Aufgabe, ein Angebot damit zu erstellen, was leider nicht im Tutorial erklärt wurde. Zudem hatte ich nichts zu schreiben neben mir, als er anfing, mir zu erklären, was er erstellt haben wollte und somit hatte ich den Kundennamen nicht behalten (war auch wirklich sehr nervös) und bei Nachfrage hieß es nur, ich hätte eben besser aufpassen sollen. Den Namen hat er mir dann natürlich nicht mehr genannt und auch auf weitere Nachfrage nicht mehr reagiert.
Folglich habe ich mich nochmals durch das ganze Tutorial gearbeitet und auch versucht, durch die Hilfe-Funktion dahinter zu kommen, wie ich ein Angebot schreiben kann, ohne eine Rechnung zu erstellen, die direkt mit dem integrierten Mahnwesen verknüpft wird. Mein Chef sah mir von seinem Arbeitsplatz schräg hinter mir zu, wie ich mich dort durchgekämpft habe, ohne Antworten finden zu können und sagte gar nichts dazu. Leider konnte ich auch dort nichts Hilfreiches finden und so dachte ich mir, dass ich in den gespeicherten Kundenunterlagen im Programm vielleicht ein Angebot finden würde, damit ich die dortigen Einstellungen für ein Angebot erfahren und somit diese für mich selbst übernehmen und dies unter einem fiktiv ausgedachten Kunden anlege könnte. Angelegte Kunden hätten sich sehr leicht wieder entfernen lassen bzw. ich hätte die eingegebenen Daten auf den gewünschten Kunden ändern können.
Hierbei ging mein Chef jedoch direkt dazwischen, fragte mich, was ich machen würde und auf meine Erklärung hin verbot er mir, etwas im Programm zu ändern oder die Kundenunterlagen einzusehen, da ich ihm sonst alle Unterlagen durcheinander bringen würde und er hinterher den Ärger hätte, weil nichts mehr richtig wäre. Da war ich erst mal wirklich baff und konnte natürlich nichts darauf erwidern, weil ich leider nicht schlagfertig genug war. Schließlich war es ja nicht meine Absicht, irgendetwas an den bestehenden Kundenunterlagen/-daten zu ändern, sondern einfach nur mehr Informationen für die Erstellung eines Angebots zu erhalten, weil ich bisher noch nie mit dem Programm gearbeitet hatte und sich das Tutorial und die Hilfe-Funktion nicht als wirklich hilfreich für mich erwiesen.
Anschließend habe ich lange nichts gemacht, da ich absolut keine Ahnung hatte, wie ich es machen sollte und auch nicht wusste für welchen Kunden das Angebot erstellt werden sollte. Schließlich habe ich mich dann dazu durchgerungen, meinen Chef erneut danach zu fragen, worauf er nur patzig und genervt meinte, dass ich es selbst herausfinden soll. Dies brachte mich dann auf die Idee, im Internet zu recherchieren, da ich dies immer tue, wenn ich etwas wissen muss/will und diese Informationen augenscheinlich für mich nicht anders auffindbar sind. Dagegen hatte mein Chef allerdings auch wiederum etwas, obwohl ich ihn um Erlaubnis bat (wollte ja nicht noch mehr falsch machen), da das Internet nicht zu meinem persönlichen Vergnügen sei, wie er meinte. Alle meine Versuche, mich zu rechtfertigen und ihm zu erklären, warum ich ins Internet gehen wollte, stießen auf taube Ohren und er ist aufgestanden und hat das Netzwerkkabel vom PC entfernt.
Danach war für mich endgültig Schluss, der Morgen ohnehin mittlerweile um, und ich bin weinend an meinem Arbeitsplatz sitzen geblieben. Die ständige Beobachtung durch den Chef machte mich nur noch nervöser als ich ohnehin schon war und die Reaktionen auf meine Nachfragen gaben mir sozusagen den Rest, sodass ich mich überhaupt nicht mehr beruhigen konnte. Erst nach über einer Stunde fragte er nach, wie weit ich denn nun wäre, weil ich ja genug Zeit dafür gehabt hätte, worauf ich ihm aber überhaupt nicht antworten konnte, und er mein Weinen auch vollkommen ignorierte. Kurz danach ist er mit seiner schwangeren Frau, die ihn abgeholt hat, in die Mittagspause gegangen, während ich weiter dort gesessen hab und total fertig war.
Geendet hat es dann damit, dass es anscheinend einen Streit mit seiner Ehefrau wegen mir gegeben hatte, weil sie mich weinend und total fertig am Arbeitsplatz angetroffen hatte. Dementsprechend war auch die Laune meines Chefs noch weiter unten als ohnehin schon und er schrie mich an, dass ich vollkommen unfähig für einfache Büroarbeit wäre, ich bloß verschwinden und ihm auch heute nicht mehr unter die Augen treten solle. In dieser Situation war ich total erschrocken über seine heftige Reaktion, packte aber sofort alle meine Sachen und verließ fluchtartig die Firma. Die Nacht verlief nicht gerade erholsam für mich wegen meiner vielen Gedanken über den Tag und am nächsten Morgen stellte sich auch leider sofort Übelkeit ein, wenn ich nur daran dachte, erneut zur Firma zu fahren, und ich musste mich mehrmals übergeben.
Ich bin dann am Morgen direkt zum Arzt und ließ mich bis Ende der Woche krank schreiben, um mich wenigstens wieder etwas zu fassen. Natürlich rief ich schweren Herzens in der Firma an und meldete mich krank, was ich aber nur auf den AB sprechen konnte und mein Chef hörte diesen nicht ab. Stattdessen rief er am Vormittag in meiner Maßnahme an und beschwerte sich darüber, dass ich nicht gekommen bin und ich wurde später von meiner Sozialpädagogin daheim angerufen. Diese wollte sich über mein Befinden erkundigen, weil es absolut nicht meine Art ist, einfach ohne Grund von der Arbeit fernzubleiben und mich dort nicht abzumelden. Ich schilderte ihr also die ganze Situation aus meiner Sicht und warum ich nicht am Morgen dort erschienen bin und sie meinte, dass er am Telefon auch ihr gegenüber nicht gerade höflich gewesen sei und ich fürs Erste diese Woche daheim bleiben und dann aber am Montag wieder in die Maßnahme kommen solle.
Damit war für mich die Sache erledigt, da ich nie wieder in den Betrieb musste, es jedoch noch ein ausführliches Gespräch mit dem Chef, meiner Sozialpädagogin und mir gab. In dem Gespräch machte er deutlich, dass ich einfach nicht der Typ Frau war, den er dort gern sehen wollte, nachdem seine wirklich sehr hübsche Frau aufgrund der Schwangerschaft aufhören musste. Ich muss dazu sagen, dass ich sehr klein (nur 1,49 m) bin und mich auch nicht immer unbedingt so perfekt modisch kleide, da ich einfach kein "Modepüppchen" bin, wie er wohl eigentlich gern haben wollte. Meine Sozialpädagogin hat mich in diesem Gespräch auch sehr verteidigt, dass ich durchaus über fachliches Wissen am Computer mit Programmen wie Word und Excel verfüge, auch sehr wissbegierig in Bezug auf neue Programme und Abläufe sei und mich ebenfalls schnell einarbeiten könne, wenn man es mir eben nur in einem normalen und vernünftigen Ton erklären und es mir vielleicht auch direkt zeigen würde.
Einvernehmlich wurde entschieden, dass dies einfach nur unglückliche Umstände gewesen seien und ich auch meine Probearbeit nicht mehr dort fortsetzen sollte. Die restliche Zeit in der BVB-Maßnahme lief auch völlig problemlos ab und ich machte anschließend mein Fachabitur in Wirtschaftsinformatik, was zwar auch mit anfänglichem Mobbing verbunden war, jedoch eine andere Geschichte ist, die ich vielleicht später in einem Blog veröffentlichen werde.
Über die Probleme in der Buch-/Papeteriehandlung werde ich demnächst schildern.