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Schutz gegen Mobbing durch Überforderung

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  • Schutz gegen Mobbing durch Überforderung

    Hallo zusammen,

    wie kann sich ein Arbeitnehmer gegen Überforderung schützen?

    Soweit ich weiß, kann ein Vorgesetzter im Rahmen seines Direktionsrechtes den ihm unterstellten Mitarbeiter Arbeiten zuweisen. Wenn nun das Arbeitsvolumen so hoch ist, dass der Mitarbeiter dieses objektiv gesehen kaum noch bewältigen kann, könnte der Vorgesetzte dann dem Mitarbeiter für zwangsläufig entstehende kleine Fehler immer wieder Abmahnungen erteilen.

    Genau das ist mir bei meinem vorletzten Arbeitgeber passiert und ehrlich gesagt: ich weiß bis heute nicht, wie ich mich dagegen schützen soll. Es war eine einmalige, dafür aber umso schmerzhaftere Erfahrung....

    Vielen Dank im voraus für Ihre (Eure) Tipps!

    Gruss
    Silent Wolf

  • #2
    AW: Schutz gegen Mobbing durch Überforderung

    Hallo Silent Wolf

    Durch NEIN sagen kann sich jedermann vor einem "overflow" an Arbeit schützen. Es liegt ja in deiner Verantwortung einen guten Job abzuliefern. Wenn du erkennst, dass du in der zur Verfügung stehenden Zeit diese Aufgaben nicht fachgerecht erledigen kannst, dann ist es ja geradezu deine Pflicht dankend abzulehnen.

    Wichtig ist dabei nicht zu sagen: "Nein das mache ich nicht" Das würde ja zum Ausdruck bringen: "Ich will nicht!" sondern taktisch viel besser und die Verantwortung zurückgebend

    "Es tut mir leid. Diese Arbeit kann ich nicht ausführen weil ich keine freien Ressourcen mehr habe." Damit bringt man zum Ausdruck "So nicht!"

    Dann kann es sein, dass dann der Einwand kommt: "Dann müssen sie eben schneller arbeiten!" Darauf kann man erwidern: "Tut mir leid. Es geht nicht schneller ohne dass die Qualität der Arbeit massiv darunter leidet. Wollen sie die Qualität wirklich zu Gunsten der Quantität und damit Nachbearbeitungen generieren die den Zeitdruck noch weiter erhöhen?" "Wenn es eine Möglichkeit gäbe die Abläufe generell zu verbessern, was die Durchlaufzeit der Aufträge schon im ersten Gang verkürzt, könnten wir alle entspannter arbeiten und viel mehr bewältigen! Was halten sie beispielsweise von der Idee dass wir......?"

    Es kann aber auch sein, dass einer gleich so richtig persönlich wird und postuliert: "Sie sind wohl nicht belastbar!" Dann erwidert man ganz entspannt: "Ja da haben sie recht. Ich kenne niemanden der von Natur aus überlastbar ist!"
    "Wenn sie möchten, dass ich mehr arbeite, dann können wir uns gerne über mein Lohngefüge oder einen anderen Ausgleich unterhalten für die ab sofort zu leistenden Überstunden. Bedenken sie aber, dass ich ohne Mehrarbeit dieser und jener Schnittstellen auf verlorenem Posten stehe weil dort der eigentliche Flaschenhals im Prozess sitzt!" "Was sagen sie dazu?"

    Die Kunst besteht darin sich solch ein Szenario schon im Vorfeld vor Augen zu führen. Es sich "selbst bewusst" zu machen was von wem in solche einer Situation kommen könnte. Dann erwischt mich so etwas nicht kalt und ich bin nicht paralysiert in der Situation sondern kann voller "Selbst Vertrauen", weil ich die Antwort weiss, mein Statement abgeben ohne verletzend zu wirken oder gar destruktiv mich in Fallstricken zu verheddern.
    Dazu ist es im Vorfeld wichtig sich darüber klar zu werden was ich kann und was nicht. Das ist mein "Selbst-Bewusstsein". Zu handeln mit dem was ich sicher weiss und mit den Erfahrungen die mir keiner nehmen kann gibt mir das Vertrauen in meine Fähigkeiten die ich auch gegen Widerstände behaupten kann. Mit meinem Selbst-Vertrauen gebe ich meiner Umwelt bekannt, dass ich von dem was ich tue und sage überzeugt bin. Und jeder der etwas anderes behauptet ist gefordert gute Argumente in die Diskussion einzubringen.

    "Ich will überzeugt werden! Alles andere ist dummes Gewäsch!" Das ist das Standing das dahinter stehen muss.

    Aus diesem Grund halte ich mich bei Dingen von denen ich wenig oder keine Ahnung habe eher im Hintergrund. Höre aufmerksam und sehr konzentriert zu und stelle Verständnisfragen statt einfach einen "Schmarrn" in die Landschaft hinaus zu posaunen. Ich stell auch Zwischenrufern die Luft ab indem ich die Teilnehmer daran erinnere, dass ich durchaus das Gefühl habe Herr/Frau XY hat da sehr wohl Ahnung von und bitte ihn ausreden zu lassen bevor andere sich dazu äussern.

    Mein Job ist es, oft fern der fachlichen Kompetenz, verschiedene Meinungen und Ansichten von Fachleuten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen damit das Projekt/Unternehmen erfolgreich bearbeitet werden kann. Um diesen Auftrag zu erfüllen, was übrigens ein sehr spannender und schöner ist, musste ich mir viele kommunikative Fähigkeiten aneignen. Weil ich mir "selbst bewusst" gemacht habe was ich kann und was nicht. Durch die Erprobung meines Erlernten in der Praxis schuf ich mir durch das Prinzip "Versuch und Irrtum" mein Wissen, welches die unverzichtbare Basis meines "Selbst Vertrauens" bildet in meine Fähigkeiten und damit die Standfestigkeit, auch im Sturm nicht gleich umzuknicken wie ein morscher Baum.

    Damit solltest auch du beginnen. Heute oder besser gestern!

    Ein paar Werke die dir dabei sehr hilfreich sein werden findest du in meiner Profilseite.

    Gruss Martin
    Psychobabbel
    besonders erfahrenes Mitglied
    Zuletzt geändert von Psychobabbel; 20.04.2011, 17:32.

    Kommentar


    • #3
      AW: Schutz gegen Mobbing durch Überforderung

      Hallo Martin,

      vielen Dank für Deine ausführliche und hilfreiche Antwort!
      Ich werde mit Sicherheit in Zukunft den einen oder anderen
      Deiner Sätze verwenden. :-)

      Dennoch fürchte ich, dass ich als Arbeitnehmer in letzter
      Konsequenz weisungsgebunden bin und zusätzliche
      Arbeiten nicht ablehnen darf ohne mit arbeitsrechtlichen
      Konsequenzen rechnen zu müssen.

      Oder liege ich da falsch?

      Gruss + frohe Ostern
      Jürgen

      Kommentar


      • #4
        AW: Schutz gegen Mobbing durch Überforderung

        Hallo Jürgen!

        "arbeitsrechtliche Konsequenzen", auch wir als Arbeitnehmer haben Rechte, der AG muss ebenfalls mit (negativen) arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.
        Habt ihr einen Betriebsrat? Im Zweifelsfall geht auch Betriebsarzt oder FASI (Fachkraft für Arbeitsicherheit) oder BG (Berufsgenossenschaft).
        Ein Fehler ist es sicherlich auch nicht, Mitglied in irgendeiner Gewerkschaft zu sein.

        Gruß,

        Josef

        Kommentar


        • #5
          AW: Schutz gegen Mobbing durch Überforderung

          Hallole Jürgen alias Silent Wolf

          Arbeitsrechtliche Konsequenzen wird eine "Verweigerung" nur dann haben wenn du signalisierst: "Ich will nicht!"

          Deshalb muss jede Kommunikation in einer Fragestellung der Maxime folgen: "SO NICHT!"

          Damit verknüpft man möglichst neutrale und Sachbezogene Bedingungen welche der Auftragserfüllung dienen. Damit wird der VG oder Chef gezwungen sich über Sinn und Unsinn seiner Forderung Gedanken zu machen. Er wird gezwungen Transparenz zu schafen wie die Aufgabe erledigt werden muss, wenn es denn eine wichtige ist.

          Ausserdem: Jeder ist sein eigener Unternehmer! Wenn jemand in ein Geschäft oder zu einem Handwerker geht, dann muss er, wenn er einen Auftrag erledigt haben will, den entsprechenden verhandelten Preis dafür bezahlen. Auch wenn der Auftrag erteilt wird stellt das keinen Freibrief dar alle möglichen Sonderleistungen nachträglich und zusätzlich einzufordern ohne dafür separat bzw. gesondert aufkommen zu wollen. Das gilt insbesondere für Leistungen die nicht im Vertrag aufgeführt sind. Erfordern Zusatzwünsche erneuten und erhöhten Aufwand muss sich der Auftraggeber entweder Gedanken darüber machen was er von der Liste streichen will oder bereit sein für den zusätzlichen Aufwand aufzukommen.

          Ein solcher Vertrag besteht zwischen dir und deinem Arbeitgeber. In diesem sollte geregelt sein was deine Pflichten sind und welche Vergütungen hierfür der AG bereit ist zu bezahlen. Was an Mehrarbeit erwartet werden darf und welchen Ausgleich man hierfür erwarten darf. Über all diesen Klauseln steht unverrückbar das Gesetz. Ein Vertrag ist zwingend nach den gesetzlichen Normen und Regeln aufzusetzen was beide Vertragsparteien vor gegenseitiger Übervorteilung schützt. Verletzt ein Vertrag diese Gesetze ist er von vorne herein unwirksam und als Ganzes anfechtbar.
          Setzt sich eine Seite über einen sauberen und damit rechtswirksamen Vertagsinhalt hinweg, sei es durch Einforderung von Leistungen durch den AG die nicht im Vertrag aufgeführt sind oder verweigert der Arbeitnehmer Leistungen die er normalerweise laut Vertrag zu erbringen hat, dann ist das Vertragsbruch. Schlicht und ergreifend!

          Wenn also der AG oder der VG auf einmal Dinge einfordert die nicht zum Vertragswerk gehören, dann hat er sich anzugewöhnen "BITTE" zu sagen. Schafft er das nicht, dann kommen wir auch nicht ins Geschäft. So einfach ist das. Beginnt dann für den Mitarbeiter ein Spiesrutenlauf und wird er deshalb geschnitten, dann muss er sich"selbst bewusst" machen, dass er in einer Firma arbeitet die ihn aussaugen will. Führung nach dem ARIEL Prinzip praktiziert wird: Mehr Leistung weniger Pulver. Meist aber weiss das Unternehmen selbst sehr gut was es von seinen Kunden für die erbrachten Leistungen verlangt.
          Dann hat man die Wahl: Entweder ich lass mir das Rückgrat herausreissen und spiel das schmutzige Spiel mit oder aber ich ziehe schnell und gezielt die Konsequenzen bevor ich Opfer von Übergriffen werde.

          Ich spüre ja selbst wenn ich Augen und Ohren offen habe ob es einer Firma gut geht oder eher schlecht.

          Fall 1: Der Firma geht es finanziell wirklich gut aber der Chef ist gierig und kann nicht genug bekommen und verheizt die Mitarbeiter im Akkord. Einzig sein Profit steht im Fokus. Er nutzt die natürlichen Existenzängste der meisten Mitarbeiter schamlos aus und geht über Leichen.
          Er gibt jedem Mitarbeiter das Gefühl minderwertig und jederzeit ersetzbar zu sein. Gesetze und Verordnungen interessieren ihn in seinem "Reich" nicht. Er lebt nach seinen eigenen Gesetzen.
          Diese Taktik geht statistisch voll auf. Selbst wenn sich mal einer von Hundert zur Wehr setzt... die restlichen 99 haben die Hosen voll bis obenhin wenn sie sehen wie der mit Leuten umgeht die nicht nach seiner Pfeife tanzen. Er wird dafür sorgen, dass jeder das schmutzige Spiel bis ins letzte Detail mitbekommt und die Hosen bis über den Rand voll hat sich mit ihm anzulegen.
          So jemandem oder auch Leuten die in Nuancen dieser Spezies nahe kommen sind weder mit Vernunft noch frommen Appellen zu erreichen. Hier gilt der Spruch: Auf groben Klotz gehört grober Keil

          Fall 2: Der Firma geht es im Moment sehr schlecht. Der sonst so smarte Chef hat eine von Sorgen zerfurchte Stirn. Er fällt auf einmal, von der Krise geschüttelt in seinen "Ersatzstil". Er wird auf einmal sehr autoritär und fordernd. Etwas, das man gar nicht kennt von ihm. Der Chef in der Krise!
          Statt seine Mitarbeiter in die Krisenbewältigung mit einzubeziehen ist er versucht die Leistung die er erbringen muss auch von seinen Mitarbeitern zu verlangen. Sie sollen wie er Tag und Nacht arbeiten, um der Krise zu entkommen. Wenn dann einer Nein sagt und das nicht mitgehen will ist er sauer und zieht sich ins Schneckenhaus zurück oder attackiert selbst einstmals seine besten MA.
          Hier hat der Mitarbeiter die Chance, und ich ganz persönlich würde es als meine Pflicht sehen meinem Chef zu helfen, aktiv am Prozess in der Firma zu arbeiten. Der Chef weiss sich keinen Rat und nichts liegt näher als meine eigenen Eindrücke dem Chef zu kommen zu lassen was ich meine was schief läuft. Schliesslich hängt mein Arbeitsplatz und meine vielleicht gute Existenz ja ebenfalls am Erfolg des Unternehmens. So lässt sich eine Partnerschaft zum Chef aufbauen der das in der Regel sehr zu schätzen weiss. Genau das erwartet man von seinen Mitarbeitern. Aber nur wenige sehen das auch so.
          Zusammen mit dem Chef das Unternehmen aus der Krise zu führen knüpft ein enges Band zwischen den Parteien und hat nicht selten einen deutlichen Karrieresprung zur Folge weil man damit Managementqualitäten bewiesen hat und Durchhaltevermögen. Man findet sich plötzlich in einer Partnerschaft wieder die oft ein Leben lang hält.

          Sehr oft habe ich Chefs erlebt, die genauso wie Fall 2 geartet waren und hilflos um sich schlugen, unfähig die eigene Krise zu bewältigen. Mit genau oben beschriebener Strategie habe ich so manchem Chef einen Bärendienst erwiesen indem ich die "Flaschenhälse" in den Prozessen und Areitsabläufen transparent gemacht habe wo es nicht funktioniert und warum. Das machte mich mit der Zeit in der Firma zur "grauen Eminenz". Ich hatte und habe mit dieser Haltung und Einstellung weder Gehaltssorgen noch je das Gefühl, dass hinter meinem Namen jemals ein Fragezeichen stehen würde.

          Ich betrachte meinen Chef und das Unternehmen für das ich arbeite als meinen Kunden der mir für meine Dienstleistungen ein sehr angemessenes Gehalt offeriert. Das deshalb weil ich ständig darüber nachdenke wie ich meine Dienstleistung zum Nutzen meines Kunden maximieren kann. Das honoriert mein "Kunde" indem er mir, seit ich dort beschäftigt bin, jeweils überdurchschnittliche Gehaltserhöhungen gewährt. Immer deutlich mehr als der Tarifabschluss eigentlich vorsieht. Ohne überhaupt danach zu fragen oder darüber sprechen zu müssen. Ist das nicht GEIL???

          Wenn du also dich davor schützen willst ausgenutzt zu werden, dann mach dir "selbst bewusst" mit was für einem Typus von Chef oder AG du es zu tun hast. Dann fällt dir es mit diesem "Selbst-bewusst-sein" sehr leicht die richtigen Schlüsse zu ziehen und schnell die richtigen Aktionen einzuleiten.
          Oder siehst du das anders?

          Und nicht zu vergessen: Meinen herzlichen Glückwunsch zu deiner Einsicht sich selbst Fragen zu stellen die der Zukunftsbewältigung dienen. Damit hast du etwas getan worüber die Wenigsten überhaupt nachdenken! Damit hast du den Grundstein gelegt

          1. zu klarem Selbstbewusstsein,
          2. gesteigertem Selbstvertrauen und
          3. einem deutlich höheren Selbstwert

          Viel Grüsse und frohe Ostern

          Martin
          Psychobabbel
          besonders erfahrenes Mitglied
          Zuletzt geändert von Psychobabbel; 21.04.2011, 15:29.

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