Hallo,
jetzt muss ich doch mal ein wenig linke Theorien los werden. °° °°
Nachdem ich jetzt eine Menge Arbeitgeber und Chefs und Kollegen ausprobiert habe und überall über Mobbing gestolpert bin, denke ich, dass Mobbing Teil des Systems ist. Wenn ich jetzt sage, dass es Teil des kapitalistischen Prinzips ist, klingt das fälschlicherweise als sei ich Kommunistin. Im Kommunismus wird auch gemobbt, denn auch dort gibt es im real existierenden Kommunismus natürlich auch Konkurrenz, u.a. weil die verfügbaren Ressourcen sehr knapp sind und Leistung nicht belohnt wird, worauf Menschen aber Wert legen. (Also belohnen sie ihre eigene Leistung selbst.) Im Kapitalismus ist allerdings die Konkurrenz zum steuernden Prinzip erhoben.
Grundsätzlich finde ich auch, dass Konkurrenz (faire Konkurrenz!) auf dem Markt außer schädlichen auch positive Auswirkungen hat. Ein Monopolist kann schlechte Ware liefern, aber wenn es Konkurrenz gibt, dann steht jeder unter Druck, zumindest gute Ware herzustellen. Der Beste muss man nicht immer sein, wenn der Markt groß oder unübersichtlich genug ist. Letztlich wird Qualität durch die Konkurrenten geschärft und erzwungen. Technischer Fortschritt und niedriger Preis eben leider auch, beide sind ja nicht nur positiv.
Was ich aber für ganz schädlich finde ist, dass man auch innerhalb von Firmen die Konkurrenz zum steuernden Prinzip erhebt. Die Rede von Teamwork etc. sind doch bloß Sonntagsreden. Bei der nächstbesten Gelegenheit erweist sich gerade der von Teamwork faselnde Chef als eben ganz und gar nicht teamunterstützend, sondern hetzt doch wieder die Leute gegeneinander auf. Er denkt nur manchmal, es wäre ökonomisch sinnvoll, wenn die Leute ihre Energie lieber in produktive Arbeist statt in ihre Konkurrenz untereinander investieren würden. Aber am Ende will der dank seinem Ellenbogen nach oben gekommene Chef doch lieber, dass seine Mitarbeiter sich gegenseitig durch Konkurrenz zerfleischen. Dann sind sie nämlich zu beschäftigt, um mit dem Chef zu konkurrieren und dadurch dass er ihre Konkurrenz anfeuert, werden sie zu Höchstleistungen angefeuert. Leider eben nicht zu Höchstleistungen im Sinne von guter Arbeit, sondern im Sinne von Selbstdarstellung, Intrigen und Effizienz (=Schlamperei). Außerdem liefern konkurrierende Mitarbeiter jederzeit dem Chef Informationen über die Fehler der anderen, er freut sich darüber zu wissen, was da abgeht, und die Mitarbeiter sehen, dass sie duch Schlechtmachen der Kollegen dem Chef eine Freude bereiten. Gerade ein Chef, der mehr mit seiner eigenen Karriere und eigenen Konkurrenz beschäftigt ist als mit produktiver Zusammenarbeit mit seinen Leuten, kann deren Arbeitsqualität ja gar nicht beurteilen. Also urteilt er aufgrund deren Selbstdarstellung und der "vertraulichen Informationen" (also Rufmord).
Durch diese massive Konkurrenz, die man in Firmen findet, und die dort auch durch viele Maßnahmen (z.B. erfolgsabhängige Bezahlung) gefördert wird, sind alle nur damit beschäftigt, sich selbst als perfekt und die anderen als Deppen darzustellen. Wenn jemand seine Arbeit zu schwierig findet, wagt er nicht, Fragen zu stellen oder sich Hilfe zu holen, sondern vertuscht seine Fehler und sucht jemanden, dem er die Schuld daran zuschieben kann. Schließlich muss er befürchten, wegen seiner Fehler entlassen zu werden. Dadurch herrscht dann oft eine hohe Aggression, denn der Lebensunterhalt hängt davon ab, dass man seine Arbeit gut macht und behalten kann.
Ich mag deshalb die Idee des "fehlertoleranten Arbeitens". Das Prinzip ist allerdings nicht wirklich verbreitet. Bei diesem Führungsstil sieht man Fehler als Hinweis auf Verbesserungspotenzial und nutzt sie konstruktiv. Daher dürfen Mitarbeiter Fehler frühzeitig zugeben und man kann sie leichter beheben als wenn sie erstmal verschleppt und durchgeschleppt werden. Beim fehlertoleranten Arbeiten geht man davon aus, dass jeder alles lernen kann. Fehler müssen sich also nicht zwangsläufig wiederholen, insbesondere wenn man die Ursache behoben hat.
In den meisten Firmen wird aber überhaupt nicht fehlertolerant gearbeitet, sondern agonal. Die Arbeit ist ein ständiger Konkurrenzkampf und das ist auch so gewollt. Ich persönlich glaube nicht, dass der kampf- und konkurrenzorientierte Führungsstil tatsächlich am Ende zu einer höheren Produktivität führt, sondern Konkurrenz frisst einen großen Teil der vorhandenen Ressourcen und wie gesagt werden Fehler verschleppt und richten mehr Schaden an als hätte man sie frühzeitig gebeichtet und behoben.
Ich bin so froh, dass ich mich aus diesem System verabschiede! Konkurrenz wird mir auf dem Markt begegnen, aber das finde ich nicht so schlimm. Mein Markt ist groß genug. Und prinzipiell ist da draußen faire Konkurrenz wirklich ein Antreiber, der zu guter Arbeit zwingt. Was mich an der Konkurrenz innerhalb der Firma so stört ist einerseits weil ich gerne mit meinen Kollegen und dem Chef im Team gearbeitet hätte, und zweitens diese Konkurrenten mir so dicht auf der Pelle sitzen, dass sie mir wirklich böse schaden können. Meinen Rechner ausspionieren, Unterlagen vernichten, mir nötige Informationen vorenthalten, die ich als Teil dieser Firma eigentlich haben sollte, etc. Sie können sogar mein Privatleben ausspionieren und manipulieren, meine Freundschaften zerstören, meinen Briefkasten fleddern (alles schon vorgekommen!). Letzteres können Konkurrenten auch, aber erstens sitzen die nicht hier in derselben Stadt und zweitens haben die ja noch mehr Konkurrenten, nicht nur mich!
Audrey
jetzt muss ich doch mal ein wenig linke Theorien los werden. °° °°
Nachdem ich jetzt eine Menge Arbeitgeber und Chefs und Kollegen ausprobiert habe und überall über Mobbing gestolpert bin, denke ich, dass Mobbing Teil des Systems ist. Wenn ich jetzt sage, dass es Teil des kapitalistischen Prinzips ist, klingt das fälschlicherweise als sei ich Kommunistin. Im Kommunismus wird auch gemobbt, denn auch dort gibt es im real existierenden Kommunismus natürlich auch Konkurrenz, u.a. weil die verfügbaren Ressourcen sehr knapp sind und Leistung nicht belohnt wird, worauf Menschen aber Wert legen. (Also belohnen sie ihre eigene Leistung selbst.) Im Kapitalismus ist allerdings die Konkurrenz zum steuernden Prinzip erhoben.
Grundsätzlich finde ich auch, dass Konkurrenz (faire Konkurrenz!) auf dem Markt außer schädlichen auch positive Auswirkungen hat. Ein Monopolist kann schlechte Ware liefern, aber wenn es Konkurrenz gibt, dann steht jeder unter Druck, zumindest gute Ware herzustellen. Der Beste muss man nicht immer sein, wenn der Markt groß oder unübersichtlich genug ist. Letztlich wird Qualität durch die Konkurrenten geschärft und erzwungen. Technischer Fortschritt und niedriger Preis eben leider auch, beide sind ja nicht nur positiv.
Was ich aber für ganz schädlich finde ist, dass man auch innerhalb von Firmen die Konkurrenz zum steuernden Prinzip erhebt. Die Rede von Teamwork etc. sind doch bloß Sonntagsreden. Bei der nächstbesten Gelegenheit erweist sich gerade der von Teamwork faselnde Chef als eben ganz und gar nicht teamunterstützend, sondern hetzt doch wieder die Leute gegeneinander auf. Er denkt nur manchmal, es wäre ökonomisch sinnvoll, wenn die Leute ihre Energie lieber in produktive Arbeist statt in ihre Konkurrenz untereinander investieren würden. Aber am Ende will der dank seinem Ellenbogen nach oben gekommene Chef doch lieber, dass seine Mitarbeiter sich gegenseitig durch Konkurrenz zerfleischen. Dann sind sie nämlich zu beschäftigt, um mit dem Chef zu konkurrieren und dadurch dass er ihre Konkurrenz anfeuert, werden sie zu Höchstleistungen angefeuert. Leider eben nicht zu Höchstleistungen im Sinne von guter Arbeit, sondern im Sinne von Selbstdarstellung, Intrigen und Effizienz (=Schlamperei). Außerdem liefern konkurrierende Mitarbeiter jederzeit dem Chef Informationen über die Fehler der anderen, er freut sich darüber zu wissen, was da abgeht, und die Mitarbeiter sehen, dass sie duch Schlechtmachen der Kollegen dem Chef eine Freude bereiten. Gerade ein Chef, der mehr mit seiner eigenen Karriere und eigenen Konkurrenz beschäftigt ist als mit produktiver Zusammenarbeit mit seinen Leuten, kann deren Arbeitsqualität ja gar nicht beurteilen. Also urteilt er aufgrund deren Selbstdarstellung und der "vertraulichen Informationen" (also Rufmord).
Durch diese massive Konkurrenz, die man in Firmen findet, und die dort auch durch viele Maßnahmen (z.B. erfolgsabhängige Bezahlung) gefördert wird, sind alle nur damit beschäftigt, sich selbst als perfekt und die anderen als Deppen darzustellen. Wenn jemand seine Arbeit zu schwierig findet, wagt er nicht, Fragen zu stellen oder sich Hilfe zu holen, sondern vertuscht seine Fehler und sucht jemanden, dem er die Schuld daran zuschieben kann. Schließlich muss er befürchten, wegen seiner Fehler entlassen zu werden. Dadurch herrscht dann oft eine hohe Aggression, denn der Lebensunterhalt hängt davon ab, dass man seine Arbeit gut macht und behalten kann.
Ich mag deshalb die Idee des "fehlertoleranten Arbeitens". Das Prinzip ist allerdings nicht wirklich verbreitet. Bei diesem Führungsstil sieht man Fehler als Hinweis auf Verbesserungspotenzial und nutzt sie konstruktiv. Daher dürfen Mitarbeiter Fehler frühzeitig zugeben und man kann sie leichter beheben als wenn sie erstmal verschleppt und durchgeschleppt werden. Beim fehlertoleranten Arbeiten geht man davon aus, dass jeder alles lernen kann. Fehler müssen sich also nicht zwangsläufig wiederholen, insbesondere wenn man die Ursache behoben hat.
In den meisten Firmen wird aber überhaupt nicht fehlertolerant gearbeitet, sondern agonal. Die Arbeit ist ein ständiger Konkurrenzkampf und das ist auch so gewollt. Ich persönlich glaube nicht, dass der kampf- und konkurrenzorientierte Führungsstil tatsächlich am Ende zu einer höheren Produktivität führt, sondern Konkurrenz frisst einen großen Teil der vorhandenen Ressourcen und wie gesagt werden Fehler verschleppt und richten mehr Schaden an als hätte man sie frühzeitig gebeichtet und behoben.
Ich bin so froh, dass ich mich aus diesem System verabschiede! Konkurrenz wird mir auf dem Markt begegnen, aber das finde ich nicht so schlimm. Mein Markt ist groß genug. Und prinzipiell ist da draußen faire Konkurrenz wirklich ein Antreiber, der zu guter Arbeit zwingt. Was mich an der Konkurrenz innerhalb der Firma so stört ist einerseits weil ich gerne mit meinen Kollegen und dem Chef im Team gearbeitet hätte, und zweitens diese Konkurrenten mir so dicht auf der Pelle sitzen, dass sie mir wirklich böse schaden können. Meinen Rechner ausspionieren, Unterlagen vernichten, mir nötige Informationen vorenthalten, die ich als Teil dieser Firma eigentlich haben sollte, etc. Sie können sogar mein Privatleben ausspionieren und manipulieren, meine Freundschaften zerstören, meinen Briefkasten fleddern (alles schon vorgekommen!). Letzteres können Konkurrenten auch, aber erstens sitzen die nicht hier in derselben Stadt und zweitens haben die ja noch mehr Konkurrenten, nicht nur mich!
Audrey
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