Hallo,
aktuell entdecke ich die Bücher von Alice Miller, einer Therapeutin. Manches was sie schreibt, finde ich übertrieben, aber vom Prinzip her hat sie natürlich Recht. In ihren Arbeiten geht es um Kindererziehung. Wenn Kinder misshandelt und missbraucht oder zumindest brutal erzogen werden, lernen sie, ihre eigenen Gefühle zu missachten. Und dadurch werden sie insgesamt gefühllos und können auch die Gefühle anderer nicht mal wahrnehmen. Sie können sie natürlich auch nicht mehr achten als ihre eigenen, aber leider handelt es sich außerdem noch um eine Wahrnehmungsstörung. Gefühle existieren für sie gar nicht. Auf dieselbe Art behandeln sie dann andere Menschen und insbesondere ihre eigenen Kinder. Und so schließt sich ein Teufelskreis...
Was mich daran so fasziniert ist, dass diese Gedankengänge auch ausgezeichnet aufs Mobbing passen. Alice Miller tut so als würden diese Leute nur ihre eigenen Kinder kaputt machen und sich Erwachsenen gegenüber normal benehmen. Das glaube ich wiederum nicht! Wieso sollten sie das können, wenn sie Gefühle nicht wahrnehmen? Zumal ich das als ganz typisches Verhalten von Mobbern kenne. Die nehmen nicht mal wahr, wenn sie mich verletzen. Beispiel: Chef macht sich vor versammelter Runde über mich lustig, mir fällt entsetzt das Kinn runter. Die Kollegen sind teilweise auch schockiert, dass er sowas tut. Wenn ich hinterher mit dem Chef darüber spreche, dann erklärt er mir, dass ich doch meinen Fehler eingesehen hätte, das hätte er an meinem Gesicht gesehen. Und die Kollegen hätten ihm Recht gegeben, das hätte er auch an ihren Gesichtern gesehen.
In anderen Fällen, wo ich nicht die Aussprache gesucht habe, zumindest erst später, sagte mir der Mobber, ich sei selbst schuld, dass er mich so behandelt, schließlich würde ich mich seltsam verhalten. Wenn ich darauf verweise, dass ich mich eben deshalb von ihm zurück gezogen habe, weil er mich dauernd verletzt, reagiert er verwirrt und behauptet, ich hätte mich von Anfang an so distanziert verhalten. Teilweise darf ich mir dann noch anhören, ich dürfe gar nicht verletzt sein, Gefühle hätten bei der Arbeit nichts zu suchen. Das kommt natürlich immer von Leuten, die sofort total aggressiv werden, sobald ich auch nur etwas äußere, das man als Kritik auffassen könnte. Aber dass sie selbst extrem emotional und verletzlich sind, bemerken diese Leute leider selbst nicht.
Mobber sind nämlich tatsächlich extrem verletzlich, dauernd nehmen sie anderen etwas krumm, das eigentlich gar nicht böse gemeint war. Aber da sie blind für Gefühle sind, ist ihnen das nicht klar. Sie glauben, sie hätten objektive Gründe und würden aufgrund von Tatsachen agieren. Das ist eine Täuschung, die ihnen aber das Recht zu ihrem Mobbing gibt.
Daraus ziehe ich für mich zwei Schlussfolgerungen:
1.) Leider kann man da als Gemobbter kaum etwas ändern, solange der Mobber nicht therapeutisch betreut wird und lernt, Gefühle wahr zu nehmen. Dazu muss er in seine Kindheit zurück kehren und zugeben können, dass er sich verletzt gefühlt hat, auch wenn seine Eltern ihm das damals ausdrücklich verboten haben. Das dauert allerdings. Insbesondere weil er selbst ja keinen Leidensdruck hat. Er fühlt sich als Mobber ja total im Recht, Schuld an dem Konflikt ist seiner Meinung nach der Gemobbte. Der Gemobbte hat sich schließlich seltsam und unvorhersehbar verhalten. Die Mobber verstehen auch das Argument "Du hast mich verletzt" überhaupt gar nicht. Sie haben sich doch nur verteidigt, was könnte daran verletzend und ungerecht sein?
2.) Man muss als Gemobbter aufpassen, dass man nicht in einen Teufelskreis gerät. Ich schätze aus meiner Erfahrung, dass mindestens 80%/ 90% der arbeitenden Bevölkerung Mobbing als normalen Umgangston bei der Arbeit akzeptiert haben. Ganz unabhängig von Beruf, Bildung und Geschlecht. Das ist doch unter Putzfrauen nicht anders als unter Top Managern. Wenn man als Gemobbter zu lange seine Gefühle des Verletztseins unterdrückt, weil man nirgends Mitgefühl, Hilfe etc findet, dann wird man gefühllos und nimmt nicht nur seine eigenen Gefühle, sondern auch die der anderen nicht mehr wahr. Und ist auf dem besten Wege, zu einem genauso zynischen Mobber zu werden als die Leute, die einen so fertig gemacht haben. Ich finde es schwierig, in dieser brutalen Welt meine Sensibilität zu bewahren, habe mir jetzt aber angewöhnt, die Leute genau danach zu beurteilen. Ich teste neue Bekannte geradezu, indem ich ihnen eine mehr oder weniger harmlose Mobbinggeschichte erzähle. Oder auch nur ein Fall, wo jemand gemein zu mir war oder mich übers Ohr gehauen hat. Und wenn mir dann jemand lang und breit erzählt, ich sei selbst schuld, er selbst hätte in dieser Situation brutal zugeschlagen, oder wenn mir jemand erzählt, ich habe kein Recht darauf, verletzt zu sein, weil das nämlich ganz normal ist, dann gehe ich zu dieser Person lieber auf Abstand. Von der kann ich im besten Fall kein Mitgefühl erwarten, wenn bei mir etwas schief geht. Und im schlimmsten Fall tut sie mir selbst eines Tages etwas Schlimmes an. Solche Leute muss ich mir nicht antun!
Hm, ist ein bisschen lang geworden. Für Details siehe die Bücher von Alice Miller. Ich habe nur eines gelesen ("Das verbannte Wissen") und lese gerade "Revolte des Körpers". Im Wesentlichen scheint es aber in allen Büchern um verschiedene Aspekte desselben Problems zu gehen. Wie gesagt behandelt sie eigentlich nur Kindheit und Erziehung, aber ich denke, das alles passt ganz ausgezeichnet auch zum Berufsleben und Mobbing!
Audrey
aktuell entdecke ich die Bücher von Alice Miller, einer Therapeutin. Manches was sie schreibt, finde ich übertrieben, aber vom Prinzip her hat sie natürlich Recht. In ihren Arbeiten geht es um Kindererziehung. Wenn Kinder misshandelt und missbraucht oder zumindest brutal erzogen werden, lernen sie, ihre eigenen Gefühle zu missachten. Und dadurch werden sie insgesamt gefühllos und können auch die Gefühle anderer nicht mal wahrnehmen. Sie können sie natürlich auch nicht mehr achten als ihre eigenen, aber leider handelt es sich außerdem noch um eine Wahrnehmungsstörung. Gefühle existieren für sie gar nicht. Auf dieselbe Art behandeln sie dann andere Menschen und insbesondere ihre eigenen Kinder. Und so schließt sich ein Teufelskreis...
Was mich daran so fasziniert ist, dass diese Gedankengänge auch ausgezeichnet aufs Mobbing passen. Alice Miller tut so als würden diese Leute nur ihre eigenen Kinder kaputt machen und sich Erwachsenen gegenüber normal benehmen. Das glaube ich wiederum nicht! Wieso sollten sie das können, wenn sie Gefühle nicht wahrnehmen? Zumal ich das als ganz typisches Verhalten von Mobbern kenne. Die nehmen nicht mal wahr, wenn sie mich verletzen. Beispiel: Chef macht sich vor versammelter Runde über mich lustig, mir fällt entsetzt das Kinn runter. Die Kollegen sind teilweise auch schockiert, dass er sowas tut. Wenn ich hinterher mit dem Chef darüber spreche, dann erklärt er mir, dass ich doch meinen Fehler eingesehen hätte, das hätte er an meinem Gesicht gesehen. Und die Kollegen hätten ihm Recht gegeben, das hätte er auch an ihren Gesichtern gesehen.
In anderen Fällen, wo ich nicht die Aussprache gesucht habe, zumindest erst später, sagte mir der Mobber, ich sei selbst schuld, dass er mich so behandelt, schließlich würde ich mich seltsam verhalten. Wenn ich darauf verweise, dass ich mich eben deshalb von ihm zurück gezogen habe, weil er mich dauernd verletzt, reagiert er verwirrt und behauptet, ich hätte mich von Anfang an so distanziert verhalten. Teilweise darf ich mir dann noch anhören, ich dürfe gar nicht verletzt sein, Gefühle hätten bei der Arbeit nichts zu suchen. Das kommt natürlich immer von Leuten, die sofort total aggressiv werden, sobald ich auch nur etwas äußere, das man als Kritik auffassen könnte. Aber dass sie selbst extrem emotional und verletzlich sind, bemerken diese Leute leider selbst nicht.
Mobber sind nämlich tatsächlich extrem verletzlich, dauernd nehmen sie anderen etwas krumm, das eigentlich gar nicht böse gemeint war. Aber da sie blind für Gefühle sind, ist ihnen das nicht klar. Sie glauben, sie hätten objektive Gründe und würden aufgrund von Tatsachen agieren. Das ist eine Täuschung, die ihnen aber das Recht zu ihrem Mobbing gibt.
Daraus ziehe ich für mich zwei Schlussfolgerungen:
1.) Leider kann man da als Gemobbter kaum etwas ändern, solange der Mobber nicht therapeutisch betreut wird und lernt, Gefühle wahr zu nehmen. Dazu muss er in seine Kindheit zurück kehren und zugeben können, dass er sich verletzt gefühlt hat, auch wenn seine Eltern ihm das damals ausdrücklich verboten haben. Das dauert allerdings. Insbesondere weil er selbst ja keinen Leidensdruck hat. Er fühlt sich als Mobber ja total im Recht, Schuld an dem Konflikt ist seiner Meinung nach der Gemobbte. Der Gemobbte hat sich schließlich seltsam und unvorhersehbar verhalten. Die Mobber verstehen auch das Argument "Du hast mich verletzt" überhaupt gar nicht. Sie haben sich doch nur verteidigt, was könnte daran verletzend und ungerecht sein?
2.) Man muss als Gemobbter aufpassen, dass man nicht in einen Teufelskreis gerät. Ich schätze aus meiner Erfahrung, dass mindestens 80%/ 90% der arbeitenden Bevölkerung Mobbing als normalen Umgangston bei der Arbeit akzeptiert haben. Ganz unabhängig von Beruf, Bildung und Geschlecht. Das ist doch unter Putzfrauen nicht anders als unter Top Managern. Wenn man als Gemobbter zu lange seine Gefühle des Verletztseins unterdrückt, weil man nirgends Mitgefühl, Hilfe etc findet, dann wird man gefühllos und nimmt nicht nur seine eigenen Gefühle, sondern auch die der anderen nicht mehr wahr. Und ist auf dem besten Wege, zu einem genauso zynischen Mobber zu werden als die Leute, die einen so fertig gemacht haben. Ich finde es schwierig, in dieser brutalen Welt meine Sensibilität zu bewahren, habe mir jetzt aber angewöhnt, die Leute genau danach zu beurteilen. Ich teste neue Bekannte geradezu, indem ich ihnen eine mehr oder weniger harmlose Mobbinggeschichte erzähle. Oder auch nur ein Fall, wo jemand gemein zu mir war oder mich übers Ohr gehauen hat. Und wenn mir dann jemand lang und breit erzählt, ich sei selbst schuld, er selbst hätte in dieser Situation brutal zugeschlagen, oder wenn mir jemand erzählt, ich habe kein Recht darauf, verletzt zu sein, weil das nämlich ganz normal ist, dann gehe ich zu dieser Person lieber auf Abstand. Von der kann ich im besten Fall kein Mitgefühl erwarten, wenn bei mir etwas schief geht. Und im schlimmsten Fall tut sie mir selbst eines Tages etwas Schlimmes an. Solche Leute muss ich mir nicht antun!
Hm, ist ein bisschen lang geworden. Für Details siehe die Bücher von Alice Miller. Ich habe nur eines gelesen ("Das verbannte Wissen") und lese gerade "Revolte des Körpers". Im Wesentlichen scheint es aber in allen Büchern um verschiedene Aspekte desselben Problems zu gehen. Wie gesagt behandelt sie eigentlich nur Kindheit und Erziehung, aber ich denke, das alles passt ganz ausgezeichnet auch zum Berufsleben und Mobbing!
Audrey
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