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Depression/Burnout in Folge von Mobbing - brauche Rat

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  • Depression/Burnout in Folge von Mobbing - brauche Rat

    Hallo,

    ich versuche erstmal meinen Fall kurz zusammenzufassen, ich befürchte es wird aber doch sehr viel Text.

    Seit 2007 arbeite ich in einer Behörde(öffentlicher Dienst), habe hier als Berufsanfänger angefangen. Die Stelle war eigentlich für Leute mit mehrjähriger Berufserfahrung ausgeschrieben, ich denke das ich sie aufgrund von Praktika und anderen Zusatzqualifikationen während meines Studiums erhalten habe.

    Ich betreue Ehrenamtliche Kräfte und hatte zu Beginn der Arbeit eine Kollegin, ich nenne sie mal Y und eine Mitarbeiterin der ich vorgesetzt war(welche zeitgleich mit mir anfing) mit denen ich zusammenarbeitete.
    Die Kollegin war zu unserer Mitarbeiterin und mir von Anfang an aggressiv und abweisend, was die Mitarbeiterin mit der ich mich sehr gut verstand dazu bewog, sich sehr schnell woanders zu bewerben. Bevor sie ging, warnte sie mich noch einmal und sagte mir, das die Kollegin mit einem anderen Kollegen X aus unserem Büro sehr oft schlecht über mich reden würde, wobei er vordergründig immer freundlich und hilfsbereit war.
    Auch andere Kollegen und Kolleginnen waren und sind oft aggressiv und unfreundlich, da sie in der Arbeit der Ehrenamtlichen eine Verdrängung der hauptamtlichen Kräfte sehen. Von Ehrenamtlichen gemachte Fehler werden mir und meinem Team stehts vorgehalten.
    Klagen meinerseits wegen dieses Verhaltens gegenüber einem höheren Vorgesetzten wurden immer damit abgetan, das dies eine normale Reaktion sei.
    Die Arbeit mit Ehrenamtlichen wird vom gesamten System als notwendiges Übel wahrgenommen, hat aber in den letzten Jahren stark zugenommen.

    Im Laufe der Jahre hat besagte Kollegin Y die Stelle gewechselt, so das ich nun alleine zuständig bin, mittlerweile mit 6 Mitarbeiter/innen. Diese decken den absoluten Großteil unserer Arbeit ab und klagen zudem selbst oft über einen Mangel an Arbeit, so das ich an vielen Tagen kaum weiß was ich tun soll. Ich habe mich in den vergangenen Jahren mehrfach bemüht, Aufgaben zu erhalten, dies wurde jedoch in den meisten Fällen abgeblockt durch Kollege X, der mittlerweile mein Vorgesetzter ist.
    Obwohl ich ihm mehrfach mitgeteilt habe, das ich mehr Arbeit wünsche, ist diesbezüglich nie etwas passiert.
    Von mir gemachte Vorschläge zu Prozessoptimierungen wurden von ihm abgelehnt, einmal auf einer Sitzung mit den Worten "absoluter Schwachsinn".
    Als ich diese Vorschläge mit einer Kollegin erörterte und sie diese ohne mein Wissen noch einmal machte, wurden sie akzeptiert und die Ausarbeitung der anderen Kollegin übertragen.

    Ich habe keinerlei Erfahrung was Personalführung angeht, wurde in diesem Bereich auch nicht geschult und sehe dies auch nicht als meine Stärke, bei meiner Einstellung war nie die Rede von so vielen Mitarbeiter/innen. So habe ich ständig das Gefühl, meinen Mitarbeiter/innen nicht gerecht werden zu können. Auch was die direkte Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen Kräften angeht sind wir oft unsicher, weil wir von unserer Leitung keine klaren Vorgaben erhalten.
    Ich durfte auch nur einmal an einem Personalauswahlgespräch für eine Mitarbeiterin teilnehmen, welches damit endete das ich mich positiv über eine Bewerberin äußerte, welche danach von einer Vorgesetzten sehr barsch abgelehnt wurde. Danach war meine Meinung offensichtlich nicht mehr gewünscht.

    Arbeit in Bereichen welche meinen Stärken und meinem Studium entsprechen(EDV/Datenbanken etc.) und welche zu vergeben wären werden mir nicht gegeben, stattdessen wurde mehrfach versucht mich in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zu drängen. Meine Einwände das mir Präsentationen und Vorträge sehr schwer fallen und ich meine Stärken in anderen Gebieten sehe wurden weggewischt.
    Ich habe in den letzten Jahren an einigen Tagen stundenlang nur im Internet gesurft weil nichts zu tun ist.
    Ich habe trotzdem versucht mich durchzukämpfen, in der Hoffnung das sich etwas bessert und weil ich eine sichere Stelle in der heutigen Zeit nicht einfach riskieren wollte.

    Meine Stimmung hatte sich jedoch zunehmend verschlechtert, auch durch einige private Schicksalsschläge und im letzten Jahr bin ich aufgrund von Depression und Panikattacken für mehrere Wochen ausgefallen.
    Ich war daraufhin erstmals bei unserer Personalabteilung und habe die Probleme angesprochen. Diese gaben mir in vielen Dingen Recht, waren sehr verständnisvoll und suchten das Gespräch mit unserem übergeordneten Vorgesetzten, den ich immer als korrekt und freundlich wahrgenommen habe. Er war erstaunt und erschrocken und wollte für Abhilfe sorgen. Er sprach nach einem ersten Gespräch auch davon, das wir dies in weiteren Gesprächen klären würden.
    Leider habe ich meine Äußerungen über den Kollegen X in diesem Gespräch zurückgenommen und relativiert, da ich weiß, das ich in einem Konflikt mit diesem keine Chance hätte.

    Jetzt ist über ein Jahr vergangen und passiert ist nicht besonders viel. Es gab keine Folgegespräche wegen meiner Erkrankung, obwohl dies so vereinbart war.
    Es wurden zwei weitere Mitarbeiterinnen für meinen Arbeitsbereich kurz nach meiner Erkrankung eingestellt, ohne das ich erfahren hätte wozu und für welche Aufgaben, so das ich oft Angst hatte das meine Stelle jetzt endgültig überflüssig gemacht werden sollte.
    Die mir zugeteilten zusätzlichen Aufgaben beschränkten sich zunächst auf sehr simple Tätigkeiten, welche wir normalerweise Praktikanten oder Auszubildenden übertragen würden und die ich an jeweils 1 Nachmittag erledigte.
    Ein weiteres Aufgabengebiet welches ich erhielt, sollte mir zunächst gar nicht gegeben werden wie ich im Nachhinein erfahren habe, ich habe es nur erhalten, weil die gewünschte Kollegin kurz vorher kündigte und die Stelle wechselte.
    Als mich ein befreundeter Kollege vor Kurzem für ein neues Aufgabengebiet vorschlagen wollte, wurde dies von Kollegen X damit abgelehnt, das wir ja wohl jemand kompetentes damit betreuen wollen.
    Es handelte sich um eine Tätigkeit, welche meinen Qualifikationen absolut entspricht, die Kollegin welche diese vorher ausübte hatte mit Sicherheit weniger Kompetenz auf diesem Gebiet.

    Ich bin jetzt bereits seit mehreren Wochen wieder erkrankt, da ich es nicht mehr ertrage in diesem Umfeld zu arbeiten. Mir ging es wochenlang sehr schlecht und Depressionen und Angst machten es mir fast unmöglich meine Wohnung zu verlassen.
    Ich denke das ich diesmal wirklich versuchen sollte die Stelle zu wechseln. Ich weiß nicht wie offen ich unserer Personalabteilung gegenüber auftreten kann und wie einfach eine Versetzung im öffentlichen Dienst ist. Ich weiß aber, das ich die Personalabteilung beim letzten Mal auf meiner Seite hatte.
    Hat jemand möglicherweise Erfahrung damit, oder kann mir noch andere Tipps geben?

  • #2
    AW: Depression/Burnout in Folge von Mobbing - brauche Rat

    Hallo Mogwai,

    ich nehme an, dass du mittlerweile im Öffentlichen Dienst verbeamtet bist. Eine Versetzung ist dann oft ohne weiteres möglich. Allerdings musst du damit rechnen, dass es dich an einen anderen Ort/Stadt verschlägt. Ich entnehme deinem Text, dass es in eurer Behörde selten genug um fachliche Dinge geht und oft genug um persönliche.
    Auf deiner Habenseite steht der übergeordnete Chef, der zumindest vordergründig den Zustand ebenfalls als diskussionswürdig erachtet und die Personalabteilung, die kein Interesse daran hat, dass du monatelang ausfällst, um irgendwann die Frühverrentung zu beantragen. Insofern befindest du dich in einer nicht so schlechten Position wie du vielleicht denkst. Auf der Negativseite steht dein aktueller Gesundheitszustand. Depression ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die von einem Arzt/Psychologen behandelt werden muss. Für dich ist es daher jetzt wichtig zu erkennen, ob sich an deinem Gesundheitszustand etwas ändern würde, wenn der Grund für deine depressive Lage wegfällt. Ist die Depression nämlich weit fortgeschritten, nährt sie sich von selbst. Auf der sicheren Seite befindest du dich, wenn du den Rat eines Arztes dazu suchst.

    Parallel dazu muss der Brandherd gelöscht werden und dies ist keine medizinische Frage. Hier ist abzuwägen, ob dir die formale Sicherheit deines Arbeitsplatzes wichtiger ist oder die Aussicht auf ein befriedigenderes Arbeitsumfeld. Eine sehr schwierige Frage.
    Zu allererst würde ich versuchen, an den kleinen "Defiziten" zu arbeiten, die mit dazu beigetragen haben, dich in deine jetzige Position zu bringen, denn diese können auch in einem anderen Job zu ähnlich negativen Situationen führen. Hast du diese kleinen Schwächen überwunden, wird es unter Umständen auch an deinem jetzigen Arbeitsplatz besser laufen. Wenn nicht, wirst du es zumindest an einem zukünftig anderen Arbeitsplatz einfacher haben. Konkret sehe ich zwei Punkte:

    1. Falls notwendig, bereit zur Selbstverteidigung sein. Und dies in einem möglichst frühen Stadium.
    2. Klare Kommunikation und überzeugende Außendarstellung

    Beides kann man lernen und ist nicht angeboren. Für viele Menschen ist es jedoch eine große Überwindung, Konflikte bis zum Ende auszutragen und nach außen darzustellen, was sie im Innersten vermitteln wollen. Diese Prägung macht es vielen Erwachsenen sehr schwer, gleiches mit gleichem zu vergelten. Suche Verbündete in deiner Behörde und verbringe mit ihnen möglichst viel (Arbeits-)Zeit. Gewinne Stärke aus der Zusammenarbeit mit verbündeten Kollegen, auf die du dich verlassen kannst. Investiere Zeit und Mühe, um ein solches Netzwerk aufzubauen und am Leben zu erhalten. Wenn deine Widersacher merken, dass sie ab sofort gegen eine gut organisierte Mannschaft antreten, statt gegen Mogwai, ändert sich die Lage fundmental und die Lage ist entschärft.

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