Hallo miteinander,
ich war ein halbes Jahr lang nicht hier. Ich hatte mich nämlich aus dem Angestelltendasein verabschiedet, selbständig gemacht und war auf ein Mal total gefragt. *freu* Kein Chef mehr, keine Kollegen mehr, also kein Mobbing...
Inzwischen habe ich bemerkt, dass das Mobbing aber mehr ist als nur ein gestörtes Verhältnis zu meinen tollen Kollegen und Chefs. U.a. konnte ich mich daran erinnern, dass ich das erste Mal mit drei Jahren gemobbt wurde. An den Grund kann ich mich nicht mehr erinnern, den habe ich offensichtlich verdrängt. Aber ich erinnere mich noch genau, dass Philip mir sagte: "Du darfst nicht mitspielen. Wir wollen dich nicht mehr hier haben." So hatte Philip beschlossen (den ich für meinen Freund hielt) und die anderen Kinder widersprachen zumindest nicht. Und die Kindergärtnerin ließ das gelten und riet meiner Mutter dazu, mich rauszunehmen. Hä??? Da haben also die anderen Kinder gelernt, dass sie selbst aussuchen dürfen, wer zur Gruppe dazu gehören darf, und ich habe gelernt, dass sie mich einfach verstoßen dürfen. Super Kindergärtnerin, die hat uns da was Tolles beigebracht. Ich bin ja auch irgendwie Lehrerin und wenn bei mir so etwas in der Gruppe passieren würde... Genau genommen hatte ich neulich in einer Gruppe, die ich betreue. Und ich hatte ein scharfes Auge auf den Typen, den ich für einen Mobber hielt. Eigentlich wollte ich mal ausdrücklich über das Thema sprechen, wollte aber auch nichts aufbauschen, was ich nicht sicher weiß. Ich glaube aber, dass allein meine Einstellung und nonverbale Kommunikation schon genügend für sich gesprochen hat.
Aber zurück zum Kindergarten. Hat man mich damals schon zum Mobbingopfer erzogen? Die anderen dürfen das einfach tun. Und meine Eltern hatten kein Verständnis für meine Tränen. Ich war mit diesem Schmerz ganz allein.
Als ich mich vorigen Sommer selbständig machte, haben sich einige meiner Bekannten sehr seltsam verhalten. Wirklich, sehr seltsam. Da habe ich bemerkt, dass sie nie auf meiner Seite standen. Sie hatten sich der Sicht meines Ex-Chefs wohl angepasst, nach dem Motto "Chef hat immer Recht". Wenn der Chef sich über meine Dummheit lustig macht, dann bin ich natürlich dumm. Schließlich kann ein Chef so etwas beurteilen und der würde das ja auch nicht sagen, wenn es nicht stimmen würde. Ich war so verunsichert, dass ich einen Intelligenztest gemacht habe. Ich gehöre zum intelligentesten Prozent der Bevölkerung. Ich habe es nun also amtlich, dass ich nicht dumm bin. Habe mich aber tatsächlich verunsichern lassen, und zwar eben nicht nur vom Chef, sondern auch von den Leuten, die ich für meine Freunde hielt. Die waren ganz sicher, dass wenn ich schon als Angestellte so erfolglos bin, dass ich dann als Selbständige völlig untergehen müsse. Man riet mir zu allen möglichen bescheuerten Alternativen, z.B. Lehrerin zu werden oder Nachhilfe zu geben, wofür ich nun wirklich überqualifiziert bin. Fand ich ganz toll, dass die so gar nicht an mich glauben. Sie haben dann von sich aus den Kontakt zu mir abgebrochen, wohl weil sie mir beim Versagen nicht zusehen wollten. Ist aber nicht schade drum. Ich war damals in so einem verletzlichen Zustand, dass es besser war, diese Leute nicht mehr um mich zu haben.
Ich habe auch ansonsten im meinem Leben aufgeräumt. Ein paar Leute, die zwar nett zu mir sind, aber mich ansonsten ziemlich ausbeuten, habe ich in ihre Schranken verwiesen. Hat ein wenig gerumpelt, aber nicht so stark wie ich befürchtet hatte. Ich kenne ja vom Mobbing her nur explosionsartige Eskalation. Ich bin auch aus einer Gruppe ausgestiegen, in der man mich - wohl auch, weil ich beruflich so "erfolglos" war - ziemlich respektlos behandelt hat.
Kurz und gut: Bin gerade dabei, mein Leben aufzuräumen. Während ich damit beschäftigt war, um mein berufliches Überleben zu kämpfen, ist auch privat einiges seltsam geworden, insbesondere die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich habe noch einiges zu tun, bis nicht nur meine emotionalen Verletzungen ausgeheilt sind, sondern ich auch wieder gut funktionierende Freundschaften haben werde. Zurzeit habe ich wieder jede Nacht so üble Albträume, dass ich aufwache. Ich bin immer noch nicht darüber hinweg, mit welcher Brutalität Mobber mein Leben zerstören und das ohne schlechtes Gewissen. Ich habe ehrlich gesagt vollständig das Vertrauen in die Menschen verloren. Das tut gar nicht gut.
Zum Glück bin ich durch meinen Beruf viel unter Leuten. Das sind nur oberflächliche Kontakte, aber alle freundlich. Naja, fast. Ich war ein paar Monate lang fast Vollzeit bei einem einzigen Kunden und dort ging´s mit dem Mobbing gleich wieder los. Ein "Kollege" schneidet mich völlig, wenn ich den Raum betrete, geht er einfach weg. Die Kollegen, die das mitbekommen haben, waren auch ein wenig irritiert, ich eigentlich weniger, weil ich das schon kenne, ohne zu wissen, was jetzt schon wieder los ist. Es ist der Mensch, der mir gleich in meiner ersten Woche dort sagte, dass er das Geld, mit dem ich finanziert werde, lieber in seiner Abteilung gehabt hätte. Ich sagte ihm, dass ich damit nichts zu tun habe, ich habe mich bloß auf eine ausgeschriebene Stelle beworben. Keine Ahnung, was die richtige Antwort auf so einen Scheiß gewesen wäre, aber das war wohl die falsche. Ein paar andere Leute verhalten sich auch seltsam, z.B. die Marketingtussi, die fast einen Anfall bekam, als ich erzählte, dass ich demnächst einen Zeitschriftenartikel schreibe. Ich habe in meinem Leben schon mehr als 100 Artikel geschrieben, ich kann das! Und zuletzt hat man mir noch so richtig nett eins reingewürgt, aber da ich sowieso in zwei Wochen dort weg bin, können die mich mal. Ich hänge nicht von denen ab und das ist supercool! Ich mache einfach brav meine Arbeit fertig, bin zu allen freundlich, die auch freundlich zu mir sind, und wir scheiden als Freunde.
Es ist wirklich besser für die Nerven, wenn man nicht von den Mobbern abhängt, wirklich toll!
Trotzdem fehlt mir irgendwie das euphorische Gefühl, das ich mir erhofft hatte. Ich werde wohl noch eine Weile an den Verletzungen knabbern und noch viel emotionale Arbeit vor mir haben. :-(
Audrey
ich war ein halbes Jahr lang nicht hier. Ich hatte mich nämlich aus dem Angestelltendasein verabschiedet, selbständig gemacht und war auf ein Mal total gefragt. *freu* Kein Chef mehr, keine Kollegen mehr, also kein Mobbing...
Inzwischen habe ich bemerkt, dass das Mobbing aber mehr ist als nur ein gestörtes Verhältnis zu meinen tollen Kollegen und Chefs. U.a. konnte ich mich daran erinnern, dass ich das erste Mal mit drei Jahren gemobbt wurde. An den Grund kann ich mich nicht mehr erinnern, den habe ich offensichtlich verdrängt. Aber ich erinnere mich noch genau, dass Philip mir sagte: "Du darfst nicht mitspielen. Wir wollen dich nicht mehr hier haben." So hatte Philip beschlossen (den ich für meinen Freund hielt) und die anderen Kinder widersprachen zumindest nicht. Und die Kindergärtnerin ließ das gelten und riet meiner Mutter dazu, mich rauszunehmen. Hä??? Da haben also die anderen Kinder gelernt, dass sie selbst aussuchen dürfen, wer zur Gruppe dazu gehören darf, und ich habe gelernt, dass sie mich einfach verstoßen dürfen. Super Kindergärtnerin, die hat uns da was Tolles beigebracht. Ich bin ja auch irgendwie Lehrerin und wenn bei mir so etwas in der Gruppe passieren würde... Genau genommen hatte ich neulich in einer Gruppe, die ich betreue. Und ich hatte ein scharfes Auge auf den Typen, den ich für einen Mobber hielt. Eigentlich wollte ich mal ausdrücklich über das Thema sprechen, wollte aber auch nichts aufbauschen, was ich nicht sicher weiß. Ich glaube aber, dass allein meine Einstellung und nonverbale Kommunikation schon genügend für sich gesprochen hat.
Aber zurück zum Kindergarten. Hat man mich damals schon zum Mobbingopfer erzogen? Die anderen dürfen das einfach tun. Und meine Eltern hatten kein Verständnis für meine Tränen. Ich war mit diesem Schmerz ganz allein.
Als ich mich vorigen Sommer selbständig machte, haben sich einige meiner Bekannten sehr seltsam verhalten. Wirklich, sehr seltsam. Da habe ich bemerkt, dass sie nie auf meiner Seite standen. Sie hatten sich der Sicht meines Ex-Chefs wohl angepasst, nach dem Motto "Chef hat immer Recht". Wenn der Chef sich über meine Dummheit lustig macht, dann bin ich natürlich dumm. Schließlich kann ein Chef so etwas beurteilen und der würde das ja auch nicht sagen, wenn es nicht stimmen würde. Ich war so verunsichert, dass ich einen Intelligenztest gemacht habe. Ich gehöre zum intelligentesten Prozent der Bevölkerung. Ich habe es nun also amtlich, dass ich nicht dumm bin. Habe mich aber tatsächlich verunsichern lassen, und zwar eben nicht nur vom Chef, sondern auch von den Leuten, die ich für meine Freunde hielt. Die waren ganz sicher, dass wenn ich schon als Angestellte so erfolglos bin, dass ich dann als Selbständige völlig untergehen müsse. Man riet mir zu allen möglichen bescheuerten Alternativen, z.B. Lehrerin zu werden oder Nachhilfe zu geben, wofür ich nun wirklich überqualifiziert bin. Fand ich ganz toll, dass die so gar nicht an mich glauben. Sie haben dann von sich aus den Kontakt zu mir abgebrochen, wohl weil sie mir beim Versagen nicht zusehen wollten. Ist aber nicht schade drum. Ich war damals in so einem verletzlichen Zustand, dass es besser war, diese Leute nicht mehr um mich zu haben.
Ich habe auch ansonsten im meinem Leben aufgeräumt. Ein paar Leute, die zwar nett zu mir sind, aber mich ansonsten ziemlich ausbeuten, habe ich in ihre Schranken verwiesen. Hat ein wenig gerumpelt, aber nicht so stark wie ich befürchtet hatte. Ich kenne ja vom Mobbing her nur explosionsartige Eskalation. Ich bin auch aus einer Gruppe ausgestiegen, in der man mich - wohl auch, weil ich beruflich so "erfolglos" war - ziemlich respektlos behandelt hat.
Kurz und gut: Bin gerade dabei, mein Leben aufzuräumen. Während ich damit beschäftigt war, um mein berufliches Überleben zu kämpfen, ist auch privat einiges seltsam geworden, insbesondere die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich habe noch einiges zu tun, bis nicht nur meine emotionalen Verletzungen ausgeheilt sind, sondern ich auch wieder gut funktionierende Freundschaften haben werde. Zurzeit habe ich wieder jede Nacht so üble Albträume, dass ich aufwache. Ich bin immer noch nicht darüber hinweg, mit welcher Brutalität Mobber mein Leben zerstören und das ohne schlechtes Gewissen. Ich habe ehrlich gesagt vollständig das Vertrauen in die Menschen verloren. Das tut gar nicht gut.
Zum Glück bin ich durch meinen Beruf viel unter Leuten. Das sind nur oberflächliche Kontakte, aber alle freundlich. Naja, fast. Ich war ein paar Monate lang fast Vollzeit bei einem einzigen Kunden und dort ging´s mit dem Mobbing gleich wieder los. Ein "Kollege" schneidet mich völlig, wenn ich den Raum betrete, geht er einfach weg. Die Kollegen, die das mitbekommen haben, waren auch ein wenig irritiert, ich eigentlich weniger, weil ich das schon kenne, ohne zu wissen, was jetzt schon wieder los ist. Es ist der Mensch, der mir gleich in meiner ersten Woche dort sagte, dass er das Geld, mit dem ich finanziert werde, lieber in seiner Abteilung gehabt hätte. Ich sagte ihm, dass ich damit nichts zu tun habe, ich habe mich bloß auf eine ausgeschriebene Stelle beworben. Keine Ahnung, was die richtige Antwort auf so einen Scheiß gewesen wäre, aber das war wohl die falsche. Ein paar andere Leute verhalten sich auch seltsam, z.B. die Marketingtussi, die fast einen Anfall bekam, als ich erzählte, dass ich demnächst einen Zeitschriftenartikel schreibe. Ich habe in meinem Leben schon mehr als 100 Artikel geschrieben, ich kann das! Und zuletzt hat man mir noch so richtig nett eins reingewürgt, aber da ich sowieso in zwei Wochen dort weg bin, können die mich mal. Ich hänge nicht von denen ab und das ist supercool! Ich mache einfach brav meine Arbeit fertig, bin zu allen freundlich, die auch freundlich zu mir sind, und wir scheiden als Freunde.
Es ist wirklich besser für die Nerven, wenn man nicht von den Mobbern abhängt, wirklich toll!
Trotzdem fehlt mir irgendwie das euphorische Gefühl, das ich mir erhofft hatte. Ich werde wohl noch eine Weile an den Verletzungen knabbern und noch viel emotionale Arbeit vor mir haben. :-(
Audrey
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