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Aufzeichnungen über die Arbeit von Kollegen rechtsmäßig ?

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  • Aufzeichnungen über die Arbeit von Kollegen rechtsmäßig ?

    Liebe Forumsmitglieder,

    ich habe da mit einem Problem zu kämpfen, bei dem ich
    noch nicht einmal weiss, ob es in die Katergorie Mobbing fällt oder nicht.

    Zur Situation:

    Ich bin Erzieherin in einer städt. Kindertagestätte im Münsterland
    und seit etlichen Jahren im Beruf.
    Seit geraumer Zeit ist uns eine Kollegin zugeteilt worden, die, wenn sie nicht
    als sogenannte Springerin eingesetzt ist, unserer Gruppe zugeteilt ist.

    Diese Kollegin besitzt die Uneigenart, nach Situationen, mit denen sie nicht
    so richtig zurechtkommt, sich kommentarlos aus der Gruppe zu entfernen um im
    dunklen Kämmerlein Aufzeichnungen über die Situation und der beteiligten Kollegen
    vorzunehmen.
    Diese Aufzeichnungen dienen ihr, mitunter auch nach sehr langer Zeit, dazu, in
    Gesprächen als Grundlage für Beschuldigungen und Rechtfertigungen zu dienen.

    Mir wurde vor nicht allzu langer Zeit aufgrund dieser Aufzeichnung ein "angebliches"
    Fehlverhalten vorgeworfen, welches vor einem Jahr stattgefunden haben soll.
    Es fiel mir selbstverständlich schwer, nach so einer langen Zeit diesen Sachverhalt
    entkräften zu können.

    Ich fühle mich durch diese Aufzeichnungen kontrolliert bzw. beaufsichtigt, zumal diese
    Aufzeichnungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als subjektiv einzuordnen
    sind.
    Sind Aufzeichnungen dieser Art überhaupt rechtmäßig und, wenn nicht, zur Not juristisch
    anfechtbar ?

    Für eine fundierte AUskunft wäre ich sehr dankbar.

  • #2
    AW: Aufzeichnungen über die Arbeit von Kollegen rechtsmäßig ?

    Hallo Malo

    Grundsätzlich kann jeder seine Erlebnisse und Wahrnehmungen aufzeichnen wenn er will. Das ist aus Sicht des Betroffenen immer subjektiv und unterliegt, wenn vorgenommen, seiner Wertung.
    Da spielen die persönlichen Gefühle und Wertvorstellungen eine große Rolle. Die Objektivität der Betrachtung der tatsächlichen Fakten und übrigen Einflussfaktoren auf die Situation bleiben da zuweilen auf der Strecke.

    Die viel interessantere Frage ist: Warum tut die Kollegin das?

    Ich könnte mir vorstellen, dass sie aus einem Umfeld zu euch gestossen ist welches in ihr großes Misstrauen in ihre Umwelt und Mitmenschen erweckt hat.
    In Grenzsituationen, so vermute ich, zieht sie sich wie Du beschrieben hast zurück, versucht sich zu sammeln und ihre Eindrücke auf Papier zu bringen.
    Das lässt vermuten, dass sie ggf. ein Mobbing-Tagebuch führt, um bei Vorwürfen oder aufkommender Kritik Munition zu haben dagegen zu halten.

    Dann werden diese gesammelten sog. "Rabattmarken" eingelöst.

    Da ich kein Jurist bin kann ich nur meine persönliche Einschätzung wiedergeben was derlei Datensammlung ggf. für Folgen haben könnte.
    Eine rechtssichere Auskunft kann und darf ich nicht geben bzw. darf deinerseits nicht erwartet werden.
    Hierfür müsstest Du dich an einen Rechtsanwalt wenden.

    Ich persönlich glaube jedoch nicht, dass diese Aufzeichnungen besonderes juristisches Gewicht haben dürften, zumal eine entsprechende Bestätigung durch Zeugen erforderlich sein dürfte.
    Kann das niemand bezeugen bzw. bestätigen steht in einem handfesten Konflikt vor Gericht schlussendlich Aussage gegen Aussage. Und im Zweifelsfalle gilt "in dubio reo". Im Zweifelsfalle für den Angeklagten.
    Doch immer bleibt ein übler Nachgeschmack bei solchen Auseinandersetzungen am Beschuldigten hängen, weil er sich in der Position wieder findet sich für etwas rechtfertigen zu müssen.
    Ob diese Behauptungen nun wahr oder unwahr sind steht auf einem ganz anderen Blatt. Das ist eine allgemein übliche Methode der Mobber Gerüchte, Mutmassungen und Behauptungen aufzustellen die den anderen beschädigen.

    Dass das ihre grundsätzliche Absicht ist kann ich fast nicht glauben, es sei denn, dass sie dies ohne Anlass offensiv und nicht aus der Defensive heraus aus dem Ärmel zückt. Beispielsweise wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlt.
    Ist das eine wiederkehrende Reaktion die in alltäglichen Konflikten an den Tag gelegt wird, sieht mir das eher aus wie ein Schutzschild den sie schützend vor sich hält, um einen, als solchen von ihr wahrgenommenen, Angriff abzuwehren.
    Wer weiss, was sie vorher alles erlebt hat. Sie scheint voller Misstrauen und Angst zu sein. Durch ihr Verhalten kann ich mir nicht vorstellen, dass die Beziehungen zu den übrigen Kollegen unbelastet sind.

    Ich hatte auch einmal einen solchen "Neuen" in mein Team bekommen. Der war dermassen konditioniert, dass selbst der geringste Versuch ihn auf etwas anzusprechen, was einmal nicht so gut lief, sofort in einer ähnlichen Eskalation mündete.
    Ich brauchte einige Gespräche und Anläufe, um herauszufinden was da nicht stimmte. Was der eigentliche Grund war für diese Erbsenzählerei und als Verteidigung gebräuchliche Vorwurfshaltung längst vergangener Dinge, die ausser ihm keiner mehr
    zuordnen konnte. Damit isolierte er sich mehr und mehr von der Gruppe was mich zum unverzüglichen Handeln aufforderte. Das war zudem ein guter Mann der saubere Arbeit ablieferte. Aber wie jedem Menschen passierten auch ihm kleinere Fehler.
    Für ein wohlwollendes Gespräch war er anfangs überhaupt nicht empfänglich. Aber aufgrund seiner Leistung und weil er stets defensiv agierte wollte ich ihm eine reelle Chance geben.
    Ein Stänkerer war er nicht. Eher übertrieben zurückhaltend und hatte ein grundsätzlich freundliches und zuvorkommendes Wesen.

    Mit Lob und Anerkennung seiner an den Tag gelegten Leistung gewann ich recht schnell sein Vertrauen und konnte so diese harte Nuss knacken. Weil er offenbar spürte, dass ich es aufrichtig, ernst und gut mit ihm meinte.
    Es stellte sich heraus, dass er bei früheren AG immer unten durch gereicht wurde. Mit ständiger Kritik überhäuft wurde, egal wie sehr er sich auch anstrengte. Lob und Anerkennung wie jetzt hier blieben ihm immer versagt.

    Nach einigen Gesprächen auch zusammen mit den Teamkollegen war das dann gegessen. Von da an gab es nie wieder derlei Probleme. Ab und zu drang es mal wieder durch, doch durch die Kenntnis seiner Vorgeschichte wusste jeder wie er damit umgehen musste und Kollegen konnten so ausgleichend eingreifen. Er hatte damit wahrhaft Kollegen gefunden zu denen er eine stabile Beziehung und Vertrauen aufbauen konnte.

    So wie ich deine Zeilen lese steht Dein Barometer eher auf Sturm und Regen als auf Schönwetterlage.

    Ich würde mich an dieser Stelle fragen was an der Beziehung und diesem Menschen auch gut ist und ob es nicht doch möglich wäre einen gemeinsamen Sende- und Empfangskanal zu finden, auf dessen Wellenlänge die wahren Gründe und Ursachen dieses Verhaltens ans Tageslicht gefördert werden könnten.

    Vertrauen ist der Anfang von allem. Was wären ggf. die geeigneten vertrauensbildende Massnahmen welche das Gute in dieser Kollegin freisetzen könnten?
    Vielleicht ist sie ein wunderbarer Mensch der jedoch hart und lange genug schon getreten wurde, um so zu werden wie sie ist?
    Du bist Erzieherin.
    Meine Frage also an Dich: Wie integrierst Du ein Kind wieder zurück in eine Gruppe, welches genau diese Verhaltensweisen an den Tag legt und sich damit sozial isoliert hat?

    Das wäre der Blick von der anderen Seite. Aus diesem Grund habe ich Dir die wahre Geschichte aus meinem Leben weiter oben erzählt.

    Was hältst du davon?

    Viele Grüsse
    Martin
    Psychobabbel
    besonders erfahrenes Mitglied
    Zuletzt geändert von Psychobabbel; 07.07.2013, 23:41. Grund: Korrektur Formulierung

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