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Mobbingvorwurf durch Mitarbeiter gegen Vorgesetzten

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  • Mobbingvorwurf durch Mitarbeiter gegen Vorgesetzten

    Hallo,

    bin neu in diesem Forum und bitte um Eure Mithilfe.

    Ein Mitarbeiter hat mich vor meiner versammelten Mannschaft bezichtigt ihn zu mobben.
    Dieser Angriff kam für mich wie aus heiterem Himmel.

    Der Mitarbeiter möchte schon seit 2 Jahren die Abteilung wechseln und hat mich daher auch gebeten ihn dabei zu unterstützen, was ich auch gerne tue.
    Der Mitarbeiter hat vor ca. 7 Jahren von der Produktion ins Lager gewechselt und will jetzt wieder dorthin zurück.

    Ich habe ihm bei unserem Mitarbeitergespräch zum Jahresanfang ( Februar ) versprochen, dass er dieses Jahr in der Produktion Probearbeiten darf und dies auch mit meinem Kollegen dem Abteilungsleiter Produktion so abgesprochen.
    Nun sind mir aber dieses Jahr 3 Mitarbeiter langfristig zwecks Krankheit ( Knie-OP & Bandscheibenvorfall + Arbeitsbeendigung ) ausgefallen, so dass ich ihm dies auch erklärt habe, dass das Probearbeiten somit eigentlich nicht möglich ist da unser Auftragseingang die komplette Mannstärke + Überstunden notwendig macht. Er hat dann auch gesagt dies zu verstehen.

    Ich habe nun einen neuen Mitarbeiter ( als Ersatz für die Arbeitsbeendigung ) bekommen der seinen jetzigen Experten-Arbeitsplatz im Lager übernimmt und ihn somit von diesem Arbeitsplatz frei stellt. Dies hätte er als ein gutes Signal meinerseits werten können. Er muß nun aber aufgrund mehrerer Projekte wie Inventur & SAP weiterhin im Lager arbeiten, auch dies habe ich ihm erklärt.

    Daraufhin hat er den Betriebsrat eingeschalten und diese haben mit mir gesprochen. Ich habe daraufhin erklärt dass er erst zum April 2014 voraussichtlich in die Produktion kann da jetzt mit der Inventur & SAP-Vorbereitung dieses Jahr komplett geblockt ist. Im Januar fängt dann SAP im Echtbetrieb an was sicherlich nicht gleich läuft und ich bis März den hohen Resturlaub abbauen muß.

    Den jetzigen Arbeitsplatz nimmt er meines Erachtens mit zu wenig Engagement auf, so dass ich ihn auf seine Minderleistung mehrmals hingewiesen habe.
    Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung meinerseits habe ich einen anderen Kollegen der dessen jetzigen Arbeitsplatz perfekt beherrscht gebeten ihn zu unterstützen und ihn ggf. auf seine " möglichen Fehler" hinzuweisen.
    Dieser Mitarbeiter kam nach kurzer Zeit entnerft zurück, da der Kollege seine Hilfe & Hinweise zwecks besserer Koordination nicht annehmen wollte.

    Somit habe ich andere 4 Mitarbeiter an unterschiedlichen Tagen nach seiner Anforderung zur Unterstützung dazugestellt. Alle 4 Mitarbeiter haben mich daraufhin angesprochen und mitgeteilt, dass der zu unterstützende Kollege noch langsamer gearbeitet hat als sowieso schon und sie sich "verarscht" fühlen.

    Meine Ansicht ist diese: wenn ein Mitarbeiter sein Bestes gibt und durch eine Unterstützung langsamer arbeitet, so habe ich damit kein Problem. Bei einem reduzierten Arbeitseinsatz in den letzten 6 Wochen nehme ich mir das recht heraus den Mitarbeiter zu kritisieren.

    Ich habe in der Zwischenzeit auch 2 Mitarbeiter diesen Job an einem Tag trotz anderweitiger Projekte machen lassen - einer hat dies ohne Probleme beherrscht, der andere kam gerade so durch.

    Nun hat mich dieser Mitarbeiter aus heiterem Himmel durch den Einsatz des Wortes "Mobbing" angeschossen.

    Ich bin sofort zu meinem Vorgesetzten und dieser hat mich gebeten sofort den Betriebsrat einzuschalten.
    Dort mussten mein Mitarbeiter und ich einen "Bewertungsbogen zum Thema Mobbing" ausfüllen.
    Der Mitarbeiter hat diesen Bewertungsbogen mit den Worten "dann habe ich gewonnen" bewertet indem er für fast alle Punkte die volle Punktzahl reingehauen hat. Nun steht Aussage/Bewertung gegen Aussage/Bewertung.

    Gott sei Dank steht mein Vorgesetzter zu mir und hilft mit Rat & Tat. Für meine restlichen Mitarbeiter kam dieser Vorwurf ebenfalls aus heiterem Himmel.

    Wie kann ich mich als Vorgesetzter nun dagegen wehren?
    Zu welchen Schritten würdet Ihr mir raten?
    Ich bin mir sicher, dass dieser Vorwurf haltlos ist, kann ich danach überhaupt noch mit diesem Mitarbeiter weiterarbeiten ?

    Bitte um Eure Unterstützung.

  • #2
    AW: Mobbingvorwurf durch Mitarbeiter gegen Vorgesetzten

    Hallo Enrico

    Klar trifft Dich der Vorwurf hart. Aber bleib erst mal entspannt.
    So wie ich das sehe bist Du deiner Verantwortung in vollem Umang und sowohl im Sinne des Mitarbeiters wie auch des Unternehmens gerecht geworden. Sogar deutlich mehr zu Gunsten des Mitarbeiters wie es mir aus Deinen Ausführungen erscheint. Das bisherige Vorgehen zeugt von professionellem Umgang mit dem Thema wie Problem.

    Das was er Dir als Mobbing vorwirft könnte in seiner Gedankenwelt darin bestehen, dass der durch die äusseren Begleitumstände wie Krankheitsausfälle und Produktionsdruck an den AP zurück gezwungen wurde an dem er ja nicht mehr arbeiten will.
    Vielleicht hat er sich dort mit den Kollegen auch schon überworfen. Die Gründe hierfür liegen jedoch (noch) im Dunkeln. Können auch ganz private Gründe, die den Mitarbeiter veränderten, aber auch Geldknappheit sein. Das kannst Du oder sein früherer Chef weitaus besser einschätzen und bewerten.
    Fakt ist, dass er wieder da hin zurück muss. In das ungeliebte Umfeld wo man ihm ggf. sogar zusetzt oder er sozial isoliert ist. Vielleicht weil er ihnen zum Abschied noch eine "lange Nase" gemacht hat? Das setzt natürlich äusserst unangenehme Gefühle frei. Dafür und für das in ihm dadurch ausgelöste Leiden macht er nicht sich mit sondern Dich alleine verantwortlich.
    Er braucht einen Schuldigen für seine Probleme. In Dir hat er diesen Schuldigen schnell gefunden weil er glaubt, dass Du nicht genug für ihn tust oder getan hast. That's it.

    Der MA hat jedoch aus der Faktenlage keinerlei Grund sich zu beklagen. Eher Du wie Du für mich richtig festhältst, bleibt er doch trotz vieler Anlern- und Eingliederungsmassnahmen mit unterschiedlichen Mitarbeitern weit hinter den Leistungsvorgaben zurück
    Ja eher eine Verschlechterung ist festzustellen. Das Du trotz der schlechten Leistung an ihm festgehalten hast und alles unternommen hast um ihm eine reelle Chance zu geben spricht sehr für Dich.
    Du bist in meinen Augen ein guter Chef. Fast schon zu gut für diese Situation. Dies ist auch der Grund warum Dein Chef auch voll hinter Dir steht.

    Kommen wir nun zu den Schwierigkeiten die auf Dich zukommen könnten

    1. Alle Worte sind Schall und Rauch wenn es keine entsprechenden Dokumente oder Zeugen gibt die Deine Anstrengungen belegen. Daher wäre es sinnvoll alles Material wie Besprechungsprotokolle, Chargendokumentationen die das Arbeitstempo des MA belegen können etc. zu sammeln, um nur für den Fall der Fälle einer ungebremsten Eskalation gerüstet zu sein.

    2. Ggf. wird er Dir vorwerfen schlecht über ihn und seine Leistung im Kollegenkreis gesprochen zu haben. Also eine Integritätsverletzung vorwirft. Das wäre weniger schön wenn das jemand bezeugen würde. Lässt sich nicht mehr ungeschehen machen.
    Dazu zu stehen und sich in aller Form beim MA dafür persönlich zu entschuldigen falls geschehen ist die einzige und beste Lösung. Dann ist das vom Tisch und der MA rehabilitiert. Schnell rutscht einem mal so was im Stress raus, ohne zu bedenken was dies für Folgen haben könnte. Fehler machen wir alle. Wir alle sind nur Menschen. Doch die wenigsten stehen dazu. Tu es und der Lohn des Repekts wird Dir gewiss sein.

    3. Wie soll es nun weitergehen. Ich denke durch diesen Angriff hat die eh schon belastete Beziehung zum MA noch weiter gelitten. Du musst Dich fragen ob Du unter diesen Umständen bereit wärst weiter mit ihm zusammen zu arbeiten.
    Generell stellt sich die Frage ob dies Deinem Team auch in Anbetracht des Leistungsdrucks sowie Dir überhaupt zuzumuten ist. Insbesondere im Hinblick auf die Leistungsdefizite des Mitarbeiters die wenig Hoffnung zur Besserung geben.
    Da er schon in der Produktion gearbeitet hat und nicht mehr an diese Leistung anknüpfen kann stellt sich die Frage ob die Probleme nicht Ursache seiner inneren Einstellung, verursacht durch ausserhalb der Firma angesiedelten Problemen zuzuschreiben ist.
    Einem nicht Wollen statt dem nicht Können?

    Lösungsstrategie:

    1. An Deiner Stelle würde ich eine unabhängige Befragung zu deinem Führungsverhalten in der ges. Gruppe verlangen. Keine toten Fragebogen sondern Interviews durch einen unabhängigen Vertreter der HR und/oder eines Psychologen.
    Das ist ein Standing. Sich, wenn schon, dem Urteil der Mitarbeiter auf der 360° Ebene zu stellen. Ich denke dies musst Du in keinster Weise fürchten. Je mehr Kollegen und auch Leistungsträger zu Wort kommen, desto beser für Dich weil es ein 360° Bild ergibt.
    und nicht nur den engen Ausschnitt des sich unfair behandelt fühlenden Mitarbeiters wiedergibt. Damit neutralen Wertmaßstäben genügen muss, die der MA in seiner Situation wahrscheinlich durch was auch immer weitgehend ausgeblendet hat.

    2. Die Befragung der Mitarbeiter verlangen, welche mit dem Kollegen zusammengearbeitet haben bzgl. des Lern- und Leistungsverhaltens des neuen MA. Durch die gleichen Instanzen wie vorgehend beschrieben.

    3. Die Beurteilung seines Verhaltens bzgl. seines Sozial- wie Leistungsorientierung am vorhergehenden AP. Es wäre wichtig zu wissen warum der Mitarbeiter wechseln will bzw. wollte.
    Das geht in der Diskussion wahrscheinlich vollkommen unter. Ist aber ggf. essentiell. Zu erfahren ob Du u.U. für etwas büssen sollst was andere ggf. in höherem Maße zu verantworten haben.

    4. Nach Sammlung dieser Erkenntnisse und der daraufolgenden Gespräche würde ich dem MA trotzdem nochmals eine Chance geben. Insbesondere wenn er gerade eine Lebenskrise durchlebt die uns alle irgendwann treffen kann. Dann hoffen wir alle auf gnädige Richter. Ob wir es nun verdient haben oder nicht. Jedoch mit klaren Ansagen was auch er zu einer geglückten Zusammenarbeit beizutragen hat. Mit klaren Messkriterien.
    Eventuel begleitet durch einen ggf. vorhandenen Sozialdienst. Intern oder extern. Wer weiss vielleicht hat er Schulden die ihm über den Kopf gewachsen sind oder wer weiss was. Doch Du bist nicht sein Therapeut sondern sein Chef und damit primär Repräsentant der Firmen- wie Kundeninteressen in deren Sinne Du entscheiden sowie handeln musst und auch angewiesen bzw. vertraglich verpflichtet bist. Es darf bei all dem Rummel nicht vergessen werden, um was es im Unternehmen schlussendlich geht.

    Das "Wie hätten Sie's denn gern" hatte er bereits durch Dich zur Genüge genossen und für meine Begriffe mehr als ausgeschöpft. Jetzt ist er am Zug.

    Vergiss bei all dem jedoch nicht, dass da ein Mensch vor Dir sitzt. Alles immer mit Anstand und Achtung vor der Würde des Mitarbeiters.
    Dann hat er auch die Chance Dir und den anderen wieder angemessen zu begegnen.

    Mach den Vergleich auf einem Papier von "Soll und Haben". Suche auch und im Besonderen nach den Dingen die Dir positiv an ihm aufgefallen sind. Auch wenn Du lange suchen musst.
    Erwähne dies in den Gesprächen statt Dich in Rechtfertigungen und Kritik zu verlieren. Es fällt deutlich schwerer jemanden zu kritisieren der Lob für mich übrig hat.
    Stelle lieber Verständnis und klärende Fragen auf der Ebene des Erwachsenen, statt auf emotional geladene, haltlose Vorwürfe einzugehen und Dich auch noch versucht fühlst Dich rechtfertigen zu müssen.
    Lasst ihm die Chance, wenn er nicht runter kommt, seine Gefühle zu beschreiben. Dann sieht man oft klarer was wirklich los ist.

    Wer Fragen stellt führt!
    Wer sich ständig versucht zu rechtfertigen gerät von aussen betrachtet in den Verdacht nicht autark, schwach zu sein und an den Fäden zu hängen an denen der Andere zieht!

    Lass das nicht zu. Das hast Du, aus meiner Sicht auf Deine Darstellung der Situation, weder nötig noch verdient!

    Gruss Martin
    Psychobabbel
    besonders erfahrenes Mitglied
    Zuletzt geändert von Psychobabbel; 23.11.2013, 16:19. Grund: Ergänzungen

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