(Erstmal: Ich habe mich eben durchs Forum gewühlt und hoffe, dass das Thema hier reinpasst.)
Hallo,
ich wohne in einem Stadtteil, der gerade massiv aufgewertet wird, weil hier in naher Zeit einige langfristige Großveranstaltungen geplant sind und der Ort von der Stadt, in der ich lebe, als idealer Platz für diese Veranstaltungen auserkoren hat. Deswegen wird hier viel gebaut, die Mieten werden durch Verkäufe von Altbauten erhöht, sogenannte Klima-Häuser (mit eigener Strom- und Warmwasser-Versorgung) werden gebaut und noch vieles mehr.
In diesem Stadtteil lebten und leben vorwiegend Leute aus den unteren Schichten, zu denen ich rein statistisch auch zähle, weil ich eine Geringverdienerin bin und deshalb mit ALG II aufstocken muss. Mein Wohnort an sich ist sehr schön- viel Grün, viele Altbauten und nur sehr wenige Hochhäuser. Doch seit zwei Jahren wandelt sich eben das Bild und mit der Ansicht des Stadtteils verändert sich das Bild von den Bewohnern. Es ziehen immer mehr sog. Schicki-Micki-Leute und alternativ lebende Studenten hierher.
Das wäre an sich nicht das Problem. Ich beneide sie auch nicht, weil ich keinen Grund dazu habe, auch nicht wegen ihrem Platz in der Gesellschaft. Es geht nur um das Benehmen von einigen vielen hier. Ich habe kaum eine Ahnung, warum einige das machen, aber ich habe schon des Öfteren mitbekommen, dass einige sich über die asozialen Arbeitslosen, Flodder-Familien, kopftuchtragenden Türkinnen (nicht mein Wortlaut, ehrlich!) aufgeregt bzw. über diese Leute lustig gemacht haben. Auch mir ist es schonmal passiert, dass ich als asozial und ungebildet betitelt wurde, obwohl ich nur an einem Straßencafé entlang gegangen bin. Auch im Bus wurde ich von Studenten als "Erdbeerkäse" bezeichnet. Da ich nicht wusste, was das sein soll, habe ich es später bei Google eingegeben und habe herausgefunden, dass das ein Begriff aus der Sendung Frauentausch ist und zwar von einer jungen, recht langsam wirkenden Frau. Irgendwie habe ich keine Ahnung, warum man die Leute so schneidet, nur weil sie gerade dort sind, wo sie sind!
Was noch hinzu kommt, dass ich aufgrund der Gentrifizierung selten in mein ehemaliges Stammcafé gehen kann. Die Preise haben sich dort innerhalb von anderthalb Jahren aufgrund der steigende Miete (das Café ist in einem Kulturzentrum untervermietet) so dermaßen erhöht, dass ein Becher Kaffee und ein Stück Kuchen nicht mehr drei Euro sondern sechs Euro kostet. Früher waren wir mit dem Inhaber per du und haben uns sehr gut mit ihm verstanden und konnten auch mal einen Plausch mit ihm halten. Aber seit diese Gentrifizierung stattfindet, wurde ich im eigenen Stamm-Café bei jedem Besuch mehr und mehr von den Kunden von oben bis unten schräg angeschaut, der Inhaber hatte immer weniger Zeit zum Plaudern und die Angestellten, die er vorher eingestellt hatte, waren viel netter und auch nicht so arrogant. Klar, es war abzusehen. Aber nach mehreren Besuchen mit immer mehr Nebeneffekten dieser Art hatte ich einfach keine Lust mehr. Die Atmosphäre, die vorher da war, wurde m. E. durch diesen Wandel völlig kaputt gemacht.
Ich bin eher auf den Umstand wütend. Die Leute ziehen hierher und finden es geil, weil es so urban und so anders ist, finden die Altbauten am Rande des Industriegebiets so cool und ziehen dort hin. Gleichzeitig schimpfen sie über die "Asozialen" und "Ausländer", und dass hier so viele Schmuddelkinder leben, die angeblich nicht mal einen Satz richtig gerade heraus bringen können - und das nicht nur auf der Straße, sondern inzwischen auch sogar in der Stadtteil-Zeitung (als Leserbriefe, Artikel und andere Aufmachungen).
Solche Sachen fördern meiner Meinung nach nur noch mehr die Wut auf- und untereinander, also zwischen denen, die vermeintlich ungebildet und verlottert wirken und jenen, die sich auf ihre Bildung und elitäre Herkunft etwas einbilden.
Was meint ihr dazu?
Viele Grüße,
Oskar aus der Dose
Hallo,
ich wohne in einem Stadtteil, der gerade massiv aufgewertet wird, weil hier in naher Zeit einige langfristige Großveranstaltungen geplant sind und der Ort von der Stadt, in der ich lebe, als idealer Platz für diese Veranstaltungen auserkoren hat. Deswegen wird hier viel gebaut, die Mieten werden durch Verkäufe von Altbauten erhöht, sogenannte Klima-Häuser (mit eigener Strom- und Warmwasser-Versorgung) werden gebaut und noch vieles mehr.
In diesem Stadtteil lebten und leben vorwiegend Leute aus den unteren Schichten, zu denen ich rein statistisch auch zähle, weil ich eine Geringverdienerin bin und deshalb mit ALG II aufstocken muss. Mein Wohnort an sich ist sehr schön- viel Grün, viele Altbauten und nur sehr wenige Hochhäuser. Doch seit zwei Jahren wandelt sich eben das Bild und mit der Ansicht des Stadtteils verändert sich das Bild von den Bewohnern. Es ziehen immer mehr sog. Schicki-Micki-Leute und alternativ lebende Studenten hierher.
Das wäre an sich nicht das Problem. Ich beneide sie auch nicht, weil ich keinen Grund dazu habe, auch nicht wegen ihrem Platz in der Gesellschaft. Es geht nur um das Benehmen von einigen vielen hier. Ich habe kaum eine Ahnung, warum einige das machen, aber ich habe schon des Öfteren mitbekommen, dass einige sich über die asozialen Arbeitslosen, Flodder-Familien, kopftuchtragenden Türkinnen (nicht mein Wortlaut, ehrlich!) aufgeregt bzw. über diese Leute lustig gemacht haben. Auch mir ist es schonmal passiert, dass ich als asozial und ungebildet betitelt wurde, obwohl ich nur an einem Straßencafé entlang gegangen bin. Auch im Bus wurde ich von Studenten als "Erdbeerkäse" bezeichnet. Da ich nicht wusste, was das sein soll, habe ich es später bei Google eingegeben und habe herausgefunden, dass das ein Begriff aus der Sendung Frauentausch ist und zwar von einer jungen, recht langsam wirkenden Frau. Irgendwie habe ich keine Ahnung, warum man die Leute so schneidet, nur weil sie gerade dort sind, wo sie sind!
Was noch hinzu kommt, dass ich aufgrund der Gentrifizierung selten in mein ehemaliges Stammcafé gehen kann. Die Preise haben sich dort innerhalb von anderthalb Jahren aufgrund der steigende Miete (das Café ist in einem Kulturzentrum untervermietet) so dermaßen erhöht, dass ein Becher Kaffee und ein Stück Kuchen nicht mehr drei Euro sondern sechs Euro kostet. Früher waren wir mit dem Inhaber per du und haben uns sehr gut mit ihm verstanden und konnten auch mal einen Plausch mit ihm halten. Aber seit diese Gentrifizierung stattfindet, wurde ich im eigenen Stamm-Café bei jedem Besuch mehr und mehr von den Kunden von oben bis unten schräg angeschaut, der Inhaber hatte immer weniger Zeit zum Plaudern und die Angestellten, die er vorher eingestellt hatte, waren viel netter und auch nicht so arrogant. Klar, es war abzusehen. Aber nach mehreren Besuchen mit immer mehr Nebeneffekten dieser Art hatte ich einfach keine Lust mehr. Die Atmosphäre, die vorher da war, wurde m. E. durch diesen Wandel völlig kaputt gemacht.
Ich bin eher auf den Umstand wütend. Die Leute ziehen hierher und finden es geil, weil es so urban und so anders ist, finden die Altbauten am Rande des Industriegebiets so cool und ziehen dort hin. Gleichzeitig schimpfen sie über die "Asozialen" und "Ausländer", und dass hier so viele Schmuddelkinder leben, die angeblich nicht mal einen Satz richtig gerade heraus bringen können - und das nicht nur auf der Straße, sondern inzwischen auch sogar in der Stadtteil-Zeitung (als Leserbriefe, Artikel und andere Aufmachungen).
Solche Sachen fördern meiner Meinung nach nur noch mehr die Wut auf- und untereinander, also zwischen denen, die vermeintlich ungebildet und verlottert wirken und jenen, die sich auf ihre Bildung und elitäre Herkunft etwas einbilden.
Was meint ihr dazu?
Viele Grüße,
Oskar aus der Dose

Finde es nur immer wieder erstaunlich, was man so mitbekommt und vor allem liest. Besonders auf Bewertungsportalen für örtliche Geschäfte. Den einen oder anderen Typen, der Geschäfte in der Ortschaft bzw. im Stadtteil bewertet hat sogar noch ein Konterfei von sich parat und einige kenne ich sogar vom sehen. Allein dieser Hipster-Style hat hohen Wiedererkennungswert. Jedenfalls-- was auf solchen Portalen zu lesen ist, zum Beispiel bei den hier bestehenden Supermärkten, ist, ja.. fast schon lustig, wenn's nicht so traurig wäre. Sätze wie "...und ganz besonders das Kunden-Klientel dort ist ab und an immer wieder ein kleines Highlight
" und andere Sachen.
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