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Ein Fall von Selbstjustiz

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  • Ein Fall von Selbstjustiz

    Hallo, ich bin jetzt 18 und habe mich eben angemeldet, war schon öfter auf der Seite zum Lesen, aber jetzt schreibe ich auch meine Story.

    Mit 13 war ich der Inbegriff eines "bösen" Mobbers. Ich habe meine Mitschüler regelrecht tyrannisiert, besonders zwei Jungs und ein Mädchen waren dran. M, H und R waren dankbare Opfer. Die bekamen von mir Getränke über den Kopf geschüttet, ihre Sachen wurden versteckt, H musste mit dem Kopf in die Toilette, ...
    Ich hatte dabei viele Klasssenkameraden, die mitgelaufen sind, mich toll gefunden haben und mir beim Mobbing geholfen haben. Ehrlich gesagt, das gibt einem schon ein super Gefühl (zumindest damals).

    Dann, mit 14, Klassenfahrt. Ich denke mir, jetzt mobbe ich M u H, die in meinem Zimmer waren, noch mehr und das wird sicher eine tolle KF. Aber dann!
    R hat ihren Freundinnen, die hatte sie plötzlich, vorher war sie Außenseiterin, und die haben dann auch bei den Jungs mobil gemacht, gegen mich.

    Die sind dann nachts in unser Zimmer gekommen, haben mich, ich habe zuerst noch geschlafen, bespuckt, danach mit der Toilettenbürste abgerieben, bis ich aufgewacht bin. Jetzt steckten sie mich unter die kalte Dusche, ich hatte keine Chance gegen die vier Mädels und drei Jungs. Meine Mitläufer waren nicht da.
    Dabei kamen immer noch die Begleitkommentare wie: "Jetzt wirst du sehen, wie das ist!"
    Die Mädels haben mich total übertrieben hergerichtet mit ihrer Schminke und mir danach, ich wurde von den Jungs festgehalten, die Kopfhaare fast total abrasiert.
    Dann steckten sie mich in Mädchenklamotten und verschickten die Fotos an die Klassenkameraden. "Jetzt bist du das Opfer!", höhnte R und sie hatte Recht.

    Am nächsten Tag suchte ich ewig, bis mir ein Mädchen Abschminkzeug gab, aber meine neue Rolle blieb. Meine ehemaligen Mitläufer sind übergelaufen und sind nun mit den anderen, vor allen der Mächenclique mitgelaufen.

    Ehemalige Opfer haben in meine Schuhe "gespritzt" (hoffe, das ist nicht zu "schlimm" ausgedrückt, aber es war einfach so), nun meine Sachen versteckt, mir Getränke über den Kopf geschüttet, die Mistkübel über mir ausgeleert und mich mit Schnee eingerieben.
    Die Lehrer haben dann auch fast alle mitgelacht, über mich.

    Das war zum Glück nur dieses Jahr, dann war die Schule fertig und ich habe die Klassenkollegen kaum mehr gesehen.

    Meint ihr, ich habe das verdient?

    Mir hat es irgendwie geholfen, wer weiß was für ein ********* (von mir gepixelt) ich heute wäre, wenn mir das nicht passiert wäre. Ich gehe jetzt in ein Gymnasium, habe eine tolle Klasse, wir verstehen uns gut und es gibt (bis auf zwischendurch kurze Sprüche) gegen niemanden Mobbing.
    Ich bin die VERÄNDERUNG!

  • #2
    AW: Ein Fall von Selbstjustiz

    Hallo,

    Du fragst, ob Du das verdient hast?
    Nun, ich bin keine Freundin der Methode, dass man Gleiches mit Gleichem vergelten sollte. Schon Ghandi sagte,
    Auge um Auge bedeutet, dass irgendwann alle Menschen blind sind.
    Du schreibst allerdings, dass es Dir geholfen hat, in den vorgehaltenen Spiegel zu schauen?
    Dann ist es wohl so, dass Du es richtig bewertet hast, was Dir gespiegelt wurde. Vielleicht, weil Du intelligent bist?

    Manche Menschen reagieren bei" Auge um Auge" allerdings so, dass sie immer mehr eskalieren und die Gewalt sich zuspitzt.

    Ab einem gewissen Alter sollte die Kommunikationsfähigkeit sehr wohl soweit ausgeprägt sein, dass man derlei Konflikte auch ohne Gegengewalt lösen kann.Die Lehrer haben mitgelacht? Auch das finde ich nicht so ganz o.k., wenn ich ehrlich sein soll. Sie haben ja damit demonstriert, dass sie solche Taten gutheißen (Auch wenn Du das zehnmal verdient hast).

    Weißt du denn im Nachhinnein, warum Du so aggressiv gegen Schwächere vorgehen musstest? Was hat Dich denn dazu bewogen? Hast Du selber Gewalt erfahren, sodass dies ein Abbau von Frust darstellte?
    Diese Aufarbeitung, warum es zu der Gewalt kam, gehört meiner Meinung auch dazu, das Problem komplett anzugehen.

    Vielleicht kannst Du ja was damit anfangen?

    LG
    Ibag

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    • #3
      AW: Ein Fall von Selbstjustiz

      hallo valon,

      einmal freue ich mich sehr über deine offenen worte und zum anderen bin ich sehr bestürzt.
      das, was du schilderst, passiert sehr oft
      manchmal kommt da die frage auf, wer war zuerst da....das huhn oder das ei
      mobbing entsteht oder passiert meist zum ersten mal viel länger in der vergangenheit, als man anfängt darüber zu sprechen
      dies wird leider oft ein kreislauf...wie du mir....so ich dir
      gerechtfertigt ist beides nicht, aber erst durch überlegungen, die du zum beispiel anstellst, wird ein solcher kreislauf oft erst durchbrochen

      ich bin sehr froh, dass du so offen hier im forum erzählt hast und hoffe, es können noch viele, die lesen, davon profitieren

      lieben dank und liebe grüße
      ilona

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      • #4
        AW: Ein Fall von Selbstjustiz

        Hallo, die mir geantwortet haben bis jetzt,

        den Spruch von Ghandi kenne ich auch und bin der selben Meinung. Aber die Horde von 13- und 14-Jährigen hatte eine andere Einstellung.

        Warum ich gemobbt habe: Es hat mir das Gefühl gegeben, der (wie damals so häufig gehört) Coolste zu sein, von den Mitschülern bewundert zu werden, weil man die Mobbingopfer fertig macht. Ob ich zuhause Gewalt erlebt habe? Ich bin bei meiner Mutter und meiner 2 Jahre jüngeren Halbschwester aufgewachsen, meine Mutter war immer bereit, mich zu schlagen, kleiner Anlass, und zack! Als ich dann gemobbt wurde, haben meine lieben Frauen zuhause auch darüber gelacht.

        Ich bin ziemlich bald nach der Hauptschule (und dem Mobbing) in eine andere Stadt zu meiner Großmutter gezogen, wo ich jetzt auch das Gymnasium besuche.
        Ich bin manches Mal aggressiv (gewesen) letztes Jahr in der Schule habe ich einmal einen Jungen geschlagen, der mich (nur ein wenig allerdings) ärgern wollte und habe seither meine Ruhe, kurz vor Schulschluss habe ich ein Mädchen bedroht, weil sie ähnlich versucht hat, mich spaßhaft zu ärgern. Das sind die Spätfolgen des Mobbings in der HS.

        Ich finde jetzt auch, dass ich gut gehandelt habe, nicht wiederrum zurückzumobben, damals fühlte ich aber nur das Gefühl, völlig alleine zu sein.

        Jetzt tut es mir leid, dass ich gemobbt habe, und ich kann inzwischen auf andere Art und Weise im (positiven) Mittelpunkt stehen. Aber das schlimme ist, ich weiß, wie sich das mobben als Täter anfühlt und kann teilweise verstehen, warum Leute mobben, es gibt einen ein Gefühl der Macht! (Das ich jetzt zum Glück nicht mehr brauche.)

        Da gab es noch ein Erlebnis das super darstellt, wie es mir in der HS gegangen ist. Sport: Mannschaftswahl, mit 13 wurde ich sofort gewählt und wenn ich wählen musste, kamen die meisten gerne zu mir.
        Mit 14 wurde ich als Letzter gewählt, obwohl ich gut im Sport bin, aber das gehört dazu, wenn man in der Schule Opferstatus hat.

        Ich habe mich über eure Antworten gefreut und wenn es jemandem etwas bringt, das zu lesen, bitte gerne zur Verfügung gestellt von mir. (Obwohl es nicht ganz einfach war, die Mobbingdinge zu erzählen, ist doch immer wieder Peinlichkeit dabei.)

        LG Valon

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        • #5
          AW: Ein Fall von Selbstjustiz

          Guten Morgen!

          Ich hab mir gestern morgen schon mal deinen ersten Post durchgelesen und als erstes kam mir in den Kopf geschossen: "Recht so!", aber wie die andren schon schreiben "Gleiches mit gleichem vergelten" ist nicht ok.
          Ich muss sagen ich finde es gut dass du so denkst und es dir in Zukunft überlegst wie du reagierst.

          Ich will auch noch sagen: Ich würde das von dir am liebsten mal anonym an meinem Haupttäter weiterleiten, der nicht viel älter ist wie du und im gleichen Alter wie du bist damit angefangen hat mich zu mobben.
          Vielleicht ging dem jungen Mann dann mal ein Licht auf.

          Liebe Grüße

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          • #6
            AW: Ein Fall von Selbstjustiz

            Hallo Valon,

            ich möchte Dir für Deine Geschichte danken, denn es ist sehr mutig, uns hier zu erzählen, dass Du mal Täter warst.

            Du hast offensichtlich die Gewalt von Deiner Mutter "gelernt". Das ist typisch, dass die Opfer zu Tätern werden, dann wieder zu Opfern u.immer so weiter.
            Du hast es geschafft, aus diesem destruktiven Kreislauf auszubrechen und darauf kannst du stolz sein.

            Dies Gemobbe machen ja sogar schon ganz kleine Kinder, die von ihren überforderten Müttern geschlagen werden.
            Die nicht gewalttätigen Kinder sind deren Opfer, weil sie keine Gewalt kennen.Wenn das nicht rechtzeitig erkannt und aufgefangen wird, kann es richtig übel enden.
            Ein ständig Gemobbter, der sich nicht wehren kann, erleidet einen Zusammenbruch seines Selbstwert und seines Selbstbewußtseins. Es kommt zu Veränderungen in den Hirnstrukturen. Die Folgen sind zum Beispiel "Komasaufen", Drogenkonsum, aber auch Amokläufe.

            Valon, Du schreibst, dass Du es genossen hast, Macht über Deine Opfer zu haben und von den Mitläufern bewundert wurdest.
            Macht ist auch eine Droge, deren Entzug Du ja erlebt hast. Macht im positiven Sinne kann aus Deinen Erfahrungen erwachsen,
            es sind die Erfahrungen eines Opfers, der zum Täter und dann wieder zum Opfer wurde.
            Du kannst Deine Erfahrungen positiv nutzen, wenn Du willst. Es gibt Berufe, in denen Du sowas gut anwenden kannst.

            Ach, ich finde einfach toll, was Du geschafft hast.

            LG
            Ibag

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            • #7
              AW: Ein Fall von Selbstjustiz

              Hallo Gina B,

              du kannst das deinem Haupttäter weiterleiten, anonym klar. Ich will ja, dass Leute aufhören zu mobben, und manche tun das vielleicht, wenn sie hören, dass andere wegen ihres mobbens selbst zum Mobbingopfer geworden sind. Bei mir war das kassierte Mobbing schlimmer als das, was ich ausgeteilt habe, nicht nur meine Einschätzung, ich bin einige Taten durchgegangen und das kommt dabei raus.

              Hallo Ibag,

              an welche Berufe dachtest du? Ich habe vor, Rechtsanwalt zu werden. Interessiert mich schon lange und ich möchte Leute verteidigen, die wirklich oder auch nicht, Probleme mit dem Gesetz haben.

              Ich habe schon ein wenig gedacht, das hier auch die Kommentare kommen werden wie: "ey voll cool, dass der Mobbende mal abgerieben wurde."

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              • #8
                AW: Ein Fall von Selbstjustiz

                Hallo,

                ja Rechtsanwalt, Polizist, Sozialpädagoge, Psychiater, Psychologe.
                So einer, der mal eingeseift wurde, weiß ja, wie sich Täter und Opfer fühlen.

                LG
                Ibag

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                • #9
                  AW: Ein Fall von Selbstjustiz

                  Ja, Erfahrung habe ich jetzt sicher schon viel und an das Gefühl als Täter und Opfer kann ich mich noch gut erinnern.
                  Ich finde deine Ausdrucksweise super, Ibag, als du zB von der Macht als Droge geschrieben hast, das ist wahr.

                  "eingeseift" klingt niedlich... was es aber gar nicht war, trotzdem beschreibt es mit einem Wort, wie es gehen kann.

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                  • #10
                    AW: Ein Fall von Selbstjustiz

                    Hallo Valon!

                    Ich werde mal gucken ob ich das wirklich weiterleite.
                    Hab ja doch Gott sei dank die Mailadressen der Täter gesperrt um nicht weitere Drohungen usw. zu erhalten.
                    Aber mal gucken.

                    Und ja Ibag hat es richtig gesagt: es ist eine Droge.

                    LG

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                    • #11
                      AW: Ein Fall von Selbstjustiz

                      Hallo Valon,

                      zum einen finde ich es natürlich sehr mutig von dir, deine Geschichte zu erzählen, da du als ehemaliger "Mobber" ziemlich alleine da stehst. Du zeigst Reue und Einsicht, nur wäre es auch so gekommen, wenn DU nicht selber zum Opfer geworden wärst?
                      Konntest du dir vorher nicht vorstellen, wie schlimm es für die beiden Klassenkameraden gewesen sein muss, als du ihnen das Leben schwer gemacht hast? Nach dem Motto, ich weiß nicht was Schmerzen sind, erst muss ich sie selber spüren. Mitleid, Einfühlungsvermögen und ein schlechtes Gewissen, wo waren all diese Eigenschaften bei dir?
                      Klar hat jeder eine zweite Chance verdient, aber was ist mit den seelischen Schäden der "Opfer", die dadurch angerichtet wurden? Manche Verletzungen kann so manch einer nicht verarbeiten oder vergessen und die bleiben ein lebenlang fest verankert.
                      Was du dagegen tun kannst oder wie du es wieder gut machen könntest, kann ich dir auch nicht sagen! Ich bin der Meinung für so eine Vorgangsweise oder besser geschrieben
                      Respektlosigkeit gegenüber Mitmenschen kann man mit nichts entschuldigen.Du musst damit leben und vielleicht selber verarbeiten , dass du zu so etwas fähig gewesen bist.
                      Vielleicht haben Leute die Spaß daran haben, andere zu tyrannisieren und fertig machen wenig Selbstachtung.

                      Viele Grüße Minna
                      Minna
                      besonders erfahrenes Forumsmitglied
                      Zuletzt geändert von Minna; 02.05.2011, 12:29.

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                      • #12
                        AW: Ein Fall von Selbstjustiz

                        Hallo Minna,

                        ich möchte unseren ehemaligen Mobber hier nicht schützen, dennoch denke ich mir, dass es auch eine Leistung ist, zu erkennen, dass er falsch gehandlet hat. Das tun die echten und harten Mobber niemals.
                        Die geben ihren Opfern die Schuld und zwar allein.
                        Unser Mobber hat doch die Kurve gekriegt, er hört doch jetzt auf.
                        Es ist erwiesen, dass ehemalige Opfer von Gewalttaten später Täter werden können. Er ist von seiner Mutter geschlagen worden, ohne sich wehren zu können, er hatte Angst seine Wut an die richtige Adresse zu senden, nämlich an seine Mutter. Als einzige Erwachsene (aleinerziehend) hatte er keine Chance, sich ihr gegenüber zur wehren. Er hatte wahrscheinlich Angst, sie zu verlieren.
                        Aus diesem Grund hat er seinen Frust an Schwächeren abgelassen in der Schule. Manche Kinder und Jugendliche quälen ihr
                        Haustier. Es geht einfach darum, den erfahrenen Machtmissbrauch zu kompensieren und nicht primär den Schwächeren zu quälen.
                        Wenn unser Mobber einen Vater gehabt hätte, der ihm gegenüber gezeigt hätte, dass er es nicht gut findet, wenn die Mutter ihn schlägt, hätte er sicher nicht als Mobber gehandelt.
                        Das was die Kinder lernen ist entscheidend. Ob sie "Nein" sagen dürfen (auch zu Erwachsenen), ob sie Schläge akzeptieren müssen, ohne Widerworte, oder ob sie ein Recht haben.
                        Das Gesetz sagt eindeutig, dass das Schlagen von Minderjährigen nicht erlaubt ist und die Eltern halten sich nicht dran, einfach, weil sie es selber so erfahren haben, sie selber Opfer waren.
                        Jemand wie unser Mobber hat den Teufelskreis durchbrochen und das ist ein großartige Leistung, für die er gelobt werden sollte und nicht sanktioniert.

                        LG
                        Ibag

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                        • #13
                          AW: Ein Fall von Selbstjustiz

                          Hallo Minna,

                          ich habe mich ja selbst gefragt, wie ich heute handeln würde, wenn ich nicht "den Spiegel vorgehalten" bekommen hätte. Es ist natürlich schlimm, dass ich überhaupt gemobbt habe, das war der größte Fehler in meinem Leben.
                          Und ohne abwertend über die früheren (es waren 2 Jungs und 1 Mädchen) Opfer reden zu wollen, die haben sich danach super gefühlt, als ich dran war mit Opferrolle. R (das Mädchen) war total fantasievoll und auch die beiden Jungs sind dann von ihren Mitschülern gut aufgenommen worden, jetzt gab es ja mich als neues Opfer.
                          Natürlich kann ich nicht wissen, ob sie heute noch Folgen des Mobbings mit sich herumtragen, ich denke, jeder geht anders damit um und jeder merkt sich das genau.
                          Wo mein Mitleid und Einfühlungsvermögen waren - wie weggeschalten. Ich war wirklich egoistisch, umso besser kann ich jetzt verstehen, wie es Leuten geht, die gemobbt werden. Und ich muss damit leben, da hast du recht.

                          Hallo Ibag,

                          danke erstmal für die Erklärung in meinem Fall.
                          Mein Vater ist weggegangen, als ich etwa ein Jahr war, dann kam wieder einer, meine Halbschwester entstand, der ging auch wieder, sicher nicht die besten Verhältnisse um eine gute Erziehung zu genießen. (Obwohl es sehr wohl Mütter und Väter gibt, die alleine auch gut erziehen.) Meine Mutter ist eher der temperamentvolle Typ, die ihren Willen durchsetzen will. Als Kind/Jugendlicher hatte ich da keine Chance. Dann mit 14 habe ich von ihr auch noch draufgekriegt, weil ich jetzt Opfer war, wenn ich mal wieder gemobbt nach Hause gekommen bin, war lachen über mich noch das freundlichste. Es konnte sein, dass ich da auch noch geschlagen wurde, und liebes Schwesterchen, die Prinzessin sondergleichen, steht grinsend daneben.

                          Mittlerweile habe ich gelernt mich durchzusetzen, auch gegen das Gefühl, die Macht zu brauchen, ich habe jetzt Freunde, das ist mehr wert als die Machtdroge.

                          LG Valon

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                          • #14
                            AW: Ein Fall von Selbstjustiz

                            Hallo Valon,

                            ich weiß nur zu gut, wie ich mich selber als geprügeltes Kind fühlte. Ich hatte ständig Widerworte und habe meine Wut an die richtige Adresse (meine Mutter) gesendet. Zum Glück hatte ich meinen Vater, der mir gesagt hat, dass ich das Schlagen nicht akzeptieren muss. Er war der Meinung, dass man in Kinder das Schlechte rein und nicht rausprügelt.
                            Er hat mir dann den Tip gegeben, meine Mutter nicht zu provozieren. Doch dies gelang mir selten, weil sie Dinge von mir verlangte, die so ungerecht und blöde waren, dass ich das oft auch nicht machen konnte, ohnen meinen Selbstwert zu verlieren.
                            Weil sie mich dann ja nicht mehr schlagen durfte, hatte sie angefangen, gegen mich zu intrigieren. In der Schule, , bei meinen Freunden, bei meinen Ausbildungsplätzen und auch Arbeitsplätzen. Im Grunde macht sie das noch immer so. Sie hat sich einen Stamm von Machtmenschen gesucht, die Dinge durchdrücken, die sie niemals alleine schaffen könnte.
                            Natürlich schleimt sie sich bei diesen Machtmenschen an, damit die ihr helfen, mich zu strafen (weil ich nicht ihr Sklave sein will). Das Schlimme ist, dass die das auch mitmachen, weil meine Mutter eine perfekte Maske trägt. Die Maske der Fürsorglichkeit und der Besorgnis.
                            Ich bin mit 17 ausgezogen und habe mich ganz alleine versorgt, meine Ausbildung geschafft, meinen Führerschein alleine bezahlt, später geheiratet, ein Kind bekommen, immer gearbeitet und dann studiert.
                            Sie hat sich immer massiv in mein Leben eingemischt und zwar negativ. Das wäre auch nicht so schlimm gewesen, wenn sie nicht diese Machmenschen um sich gescharrt hätte, die für sie dann Druck auf mich ausgeübt hätten.
                            Ich muss sagen, dass ich darüber schockiert bin, wieviele Pädagogen auf meine Mutter reingefallen sind.

                            Ich jedenfalls bin nie durch eine Prüfung gefallen und habe stringent meine Ziele verfolgt. Meine Tochter habe ich auch nicht geschlagen. Ich habe niemanden gemobbt, bin aber selber permanent gemobbt worden, sogar von meinem eigenen Ehemann, der auch im Hintern meiner Mutter saß.
                            Ich habe viele Gefühle diesbezüglich verdrängt, weil es nicht aushaltbar ist, von der eigenen Mutter gehasst zu werden. Ich wollte niemals so werden wie sie -und ich bin das auch nie geworden-.
                            Diese Opferrolle klebt an mir, wie eine zweite Haut, denke ich manchmal. Ich finde nur sehr langsam ein Lösungsmittel für den Kleber.
                            Valon, ich verstehe Dich sehr gut, denn es ging ja vielen Menschen so wie uns. Wir haben es aber geschafft, im Gegensatz zu diesen Mobbern, die der Machtmissbrauchsdroge verfallen sind.
                            Es war sicher gut für Dich, dass Du bei Deiner Großmutter leben konntest.

                            LG
                            Ibag
                            Ibag
                            erfahrenes Forumsmitglied
                            Zuletzt geändert von Ibag; 03.05.2011, 10:50.

                            Kommentar


                            • #15
                              AW: Ein Fall von Selbstjustiz

                              Hallo Ibag,

                              schreckliche Mutter und total fies! Normalerweise sollten Mütter ihre Kinder unterstützen und ihnen keine Steine in den Weg legen. Aber du bist ja zum Glück darübergesprungen! Nur manches Mal scheint noch ein Stein zu drücken, wenn du von zweiter Haut Opferrolle sprichst.
                              Die Erfahrung und das Erlebte macht uns zu den Menschen, die wir sind.

                              Das Leben jetzt bei meiner Großmutter ist schön, ich muss nicht übertriebene Hausarbeit machen, wenn ich helfe, freiwillig und mein Zimmer, bei meiner Mutter bin ich wirklich zu oft eingeteilt worden, war auch beliebte Methode als Bestrafung. Und was natürlich viel wichtiger ist als Hausarbeiten, ich habe Verständnis von meiner Großmutter und Unterstützung. Sie weiß auch davon, wie es mir in HS gegangen ist, beide Seiten und meint, ich hätte genug draufbekommen und sie kann es sich gar nicht vorstellen, dass ich andere gemobbt habe, jetzt sei alles anders...

                              LG Valon

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