Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Spätfolgen und das furchtbare Gefühl des Schams

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Spätfolgen und das furchtbare Gefühl des Schams

    Hallo alle da draußen!!

    Ich möchte hier meine Geschichte erzählen, vielleicht fühlt sich jemand ähnlich! Noch heute, einige Jahre nach dem Mobbing habe ich die ganze Sache nicht richtig verdaut und denke sehr oft daran zurück leider.

    Bis zur 6. oder 7. Klasse war ich ein ganz normales, glückliches Mädchen. Ich war immer sehr lebhaft und so weiter. Es ging los in der 7. Klasse. Ein Typ aus meiner Klasse, der „Coolste“, der Größte und somit auch der Anführer hatte es auf mich abgesehen. Sicherlich hat es relativ harmlos angefangen, ich kann mich nicht erinnern. Jedenfalls schien ich sehr empfänglich dafür zu sein und habe mich nicht gewehrt, sondern die Worte ignoriert. Jedoch war mir die Sache extrem peinlich und unangenehm. Das merkten die Typen ganz bestimmt. Ich wurde in allen Pausen und auch im Unterricht gemobbt. Zum Teil hat er mich auch physisch angegriffen, leichte Schläge auf den Rücken. Aber (vielleicht dummerweise) nie besonders schlimm. Das weitaus Schlimmere waren tatsächlich die Worte. Ich weiß, dass ich, dadurch dass ich so verängstigt war, unglaublich ruhig und schüchtern wurde. Ich traute mir überhaupt nichts mehr, sondern wollte einfach verdammt unsichtbar sein, sodass mich niemand mehr sehen, also mobben und ausschließen konnte. Dauernd wurde ich in die Presche genommen,nachgeahmt, mir wurden häßliche Begriffe an den Kopf geworfen usw. Ich bin mir ziemlich sicher, einige Lehrer haben etwas bemerkt, aber gemacht hat nie nie jemand etwas. Und irgendwie war mir die ganze Sache auch extrem unangenehm vor den Lehrern! Ich wollte nicht einmal, dass ich vor ihnen schlecht dastehe.

    Egal, wie schlimm es war in der Schule, zuhause ließ ich mir nie etwas anmerken. Ganz im Gegenteil, ich hatte wahnsinnige Angst, irgendwer könnte es herausfinden. Denn die eigentliche Waffe, die dieser gräßliche Typ hatte, war meine Scham. Meine riesige Scham, was würden meine Eltern und Geschwister denn denken, wenn sie wüssten, was hier eigentlich passiert. Und damit auch die Überzeugung, ich wäre es nicht wert, gemocht zu werden. Ich hätte das alles verdient, wäre ein minderwertiger Mensch. Das ganze fraß mich von innen auf, nach außen hin ignorierte ich die Scheiße, aber die Worte, tagtäglich ausgesprochen und gehört, zerstörten mich innerlich. Irgendwie denke ich heute, nach den Jahren fühlte ich garnichts mehr. Schon ein einziges Wort oder etwas Zuneigung von jemanden waren der Himmel.

    Ich hatte zu dieser Zeit nur eine einzige Freundin und zusammen waren wir die „Super-Außenseiter“, der Bodensatz der Klasse. Ich konnte mir das nie richtig eingestehen, das war im Nachhinein vielleicht der größte Fehler. Jeden Tag nahm ich mir vor, heute ganz „Ich-Selbst“ zu sein, dann würden die anderen schon sehen, was in mir steckt. Wie konnte es dazu kommen? Was konnte ich tun? Ich war immer davon überzeugt, eigentlich ganz aushaltbar zu sein, das machte alles nur noch schlimmer. Ich traute mir überhaupt nichts mehr. Meine Eltern sind damals wie heute davon überzeugt, dass es einfach nur die Pubertät war, was da mit mir passierte, ich habe ihnen nie die Wahrheit erzählt. „Freundinnen“war das absolute Folterwort in dieser Zeit, denn die hatte ich nicht. Einfach ständig war ich bemüht, mich einzuschmeicheln bei den beliebten Mädels der Klasse und hinterherzulaufen wie ein Hündchen, ich wollte ebenfalls beliebt sein.

    Gleichzeitig war ich aber so unsicher und verängstigt und verschüchtert und ruhig, dass es nie dazu kam. Wahrscheinlich waren alle ganz froh, dass jemand in der Klasse in diesen Schuhen steckte und im Fokus der fiesen Typen stand, damit keiner von ihnen an der Reihe war. Ich weiß, dass ich jedes beliebte Mädchen schlechthin vergötterte, alles was sie taten, war per se richtig und witzig und toll. Alles was ich war, war langweilig und öde und uninteressant. Eine Frage ist geblieben. WARUM zum Teufel ICH?
    Ich habe auch heute, 4 Jahre später,noch das Gefühl, die ganze Situation ist nicht richtig zu mir durchgesickert. Zum Beispiel habe ich damals nie heimlich geweint, hab mich nie geritzt oder hatte Selbstmordgedanken. Niemals. Ich war nie bewusst total fertig. Ich denke, ich habe ich diese Wut einfach nie ausgelebt. Aber ich habe heute noch extrem daran zu knabbern und große Schwierigkeiten, soziale Kontakte aufzubauen, fühle mich nicht gut genug usw.
    Irgendwie bin ich immer noch in der Rolle des Verehrens von anderen gefangen und habe Schwierigkeiten, meine Meinung zu äußern und fühle mich nicht wert, wirklich gemocht zu werden. Ständig hinterfrage ich alles, was ich tue und mache mir permanent Gedanken darüber, was andere von mir halten. Ich kann mich einfach anderen gegenüber nicht öffnen. Wie geht ihr heute mit Mobbing aus vergangenen Zeiten um?
    Zuletzt geändert von sunset; 25.03.2013, 00:33.

  • #2
    AW: Spätfolgen und das furchtbare Gefühl des Schams

    Hallo sunset,

    ich wollte auch, dass es keiner erfährt, das wäre gegen meinen Stolz gegangen und hätte meine Ehre verletzt.
    In meinem Fall sind die Nachfolgen, dass ich mich noch weniger verletzen lassen will. Wo andere sich gerne selber blamieren, das geht für mich gar nicht, ich werde mich nicht selbst erniedrigen. Sollen doch die anderen, wenn sie das wollen.

    Wenn du die Wut ausleben willst, hilft ein zuschlagen. Aber NICHT die Menschen, Boxsack oder so was. Oder lauf, bis es dir besser geht. Und was die Gedanken der anderen betrifft, die sollen egal sein. Es klingt so abgedroschen, auch bei mir funktioniert es nicht immer. Ich denke mir aber auch oft, dass mich die anderen voll toll finden, für das, was ich gemacht habe. Ob es stimmt oder nicht, besser das, als sich einreden, keiner mag mich!

    Vor allem, bau dir Selbstbewusstsein auf! Was sind deine Hobbys, was kannst du gut? Du kannst dir dann vorstellen, ok, du magst mich nicht, aber ich kann besser ----- (Talent einsetzen) als du.

    Es ist doch gut, dass du nicht geritzt hast oder Selbstmord begehen wolltest, jetzt nur noch selbstbewusst ins weitere Leben starten, dann hat dich das Mobbing nur stärker gemacht.

    LG Valon

    Kommentar


    • #3
      AW: Spätfolgen und das furchtbare Gefühl des Schams

      Hallo Valon,

      danke für deine Antwort! Selbstbewusstsein ist echt das wichtigste, da hab ich noch einiges von nötig. Ich überlege auch grade, es endlich mal meinen Eltern zu erzählen, obwohl die sich wahrscheinlich schwere Vorwürfe machen.

      Und eigentlich sollten wir uns wirklich nicht darum scheren, was andere denken. Du kannst der saftigste leckerste Pfirsich sein auf der Erde und trotzdem mögen manche keine Pfirsiche!

      Was ich gelernt habe ist, trotz allem für Gerechtigkeit einzustehen, egal wie viele dagegen sein mögen! Es gibt halt nicht viele mit Courage und viel zu viele Mitläufer, dessen muss man sich bewusst sein.

      Kommentar


      • #4
        AW: Spätfolgen und das furchtbare Gefühl des Schams

        Gerechtigkeit ist mir auch sehr wichtig, mich machen ungerechte Dinge wütend, auch wenn ich sehe, dass es jemaden trifft, den ich eigentlich nicht mag, da bin ich nicht schadenfroh, sondern will die Gerechtigkeit durchsetzen.

        Ich werde kein Mitläufer sein, da bin ich mir zu wichtig dafür. Mich hat es von den Extremen gezogen, vom Mobber zum Gemobbten und jetzt bin ich der Einzelgänger mit "zweifelhaftem" Ruf in der Klasse. (Die wissen, dass ich zuschlage, wenn mich jemand stark nervt.) Was aber selten vorkommt!

        Wegen deinen Eltern: Warum willst du es ihnen erzählen? Gibt es etwas, das du rechtfertigen musst? Auf jeden Fall mach zuerst für dich klar, dass du inzwischen drüber stehst. Keiner kann dich demütigen, wenn du es nicht zulässt. Sie können die schlimmsten Dinge mit dir machen, aber du bist innerlich stolz, und wenn es vorbei ist, hat es dich stärker gemacht, aber die Täter sicher nicht.

        Kommentar


        • #5
          AW: Spätfolgen und das furchtbare Gefühl des Schams

          Hey Sunset

          Nur weil man von Mobbing betroffen ist, braucht man sich doch deswegen nicht schämen! Mobbing ist eine Straftat. Oder würdest du dich etwa dafür schämen, wenn dich z.B. jemand beklaut hätte? Sicherlich nicht, oder? Da sollte sich doch dann wenn dann der Dieb dafür schämen, oder? Also. Dann stehe zu dem Mobbing und unternimm etwas dagegen. Informiere andere darüber und vorallem spreche mit anderen Menschen, denen du vertraust, darüber, denn das wird dir helfen, das Ganze endgültig zu verarbeiten

          Alles Gute
          ZuTutor
          Mein Youtubekanal: youtube.de/c/SuperExtreme Das Glück ist schon auf dem Weg zu dir.

          Kommentar


          • #6
            AW: Spätfolgen und das furchtbare Gefühl des Schams

            Zitat von ZuTutor Beitrag anzeigen
            Hey Sunset

            Nur weil man von Mobbing betroffen ist, braucht man sich doch deswegen nicht schämen! Mobbing ist eine Straftat. Oder würdest du dich etwa dafür schämen, wenn dich z.B. jemand beklaut hätte? Sicherlich nicht, oder? Da sollte sich doch dann wenn dann der Dieb dafür schämen, oder? Also. Dann stehe zu dem Mobbing und unternimm etwas dagegen. Informiere andere darüber und vorallem spreche mit anderen Menschen, denen du vertraust, darüber, denn das wird dir helfen, das Ganze endgültig zu verarbeiten

            Alles Gute
            ZuTutor
            Ich denke auch, dass es das Wichtigste ist, sich nicht zurückzuziehen, sondern Hilfe und Unterstützung zu suchen, sich darüber auszutauschen und sich selbst einen Kreis von Leuten im Rücken zu schaffen. Denn das ist es ja, was uns Opfern fehlt, Menschen, die uns stärken und wer könnte das besser, als die eigenen Eltern, die einen sowieso bedingungslos lieben? Außerdem gibt es Lehrer, Schulleiter, Eltern von den Mobbern und viele weiter Anlaufstellen. Aufstehen und Simme erheben, wer das Opfer ist, ist meiner Meinung nach vollkommen willkürlich, jeder könnte es werden!

            Kommentar

            Lädt...
            X