Hallo,
Ich verfasse mal einen etwas längeren Text zum Thema mobbing. Ich bin männlich, 30 Jahre alt und wurde in meiner Schulzeit gemobbt. Ich möchte das Folgende gerne in 3 grobe Bereiche aufteilen. Was früher war, was die Langzeitfolgen davon sind und noch ein Abschlusssatz... Ich bin mal gespannt, ob jemand bis zum Ende durchhält
1 Was früher war:
Ich war schon im Kindergarten anders als die anderen. Ich konnte mit vielem, was so "normal" war nichts anfangen und hatte nie wirklich Freunde. Stuhlkreis fand ich blöd und hab mich deshalb vor die Tür gesetzt. Als dann immer mehr Kinder mir das nachgemacht haben, kam die erste Psychologin. Wie auch immer - ich war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon Außenseiter. Aber ich es noch nicht so sehr realisiert und es störte mich auch nicht wirklich.
In der ersten Klasse hatte ich schon wieder keine Freunde. Ich wurde kaum gemobbt, sondern "nur" ausgegrenzt. Ich erinnere mich noch genau, wie meine Lehrerin mich gefragt, was mit mir los sei. Ich hab geantwortet, dass in der Pause mit mir keiner spielen will. Darauf hin fragte die Lehrerin am Anfang der nächsten Stunde, als die komplette Klasse zusammen war, ob jemand von denen in den Pausen mit mir spielen will. Allein diese Situation war schon extrem peinlich. Als dann auch noch niemand aufgezeigt hatte, sondern erst später nur ein Mädchen aus Mitleid, war mir das ganze noch peinlicher.
so ging es erstmal weiter bis zur 6. Klasse. Ich war innsgesamt auf 2 Grundschulen (habe zur 3. klasse hin gewechselt wegen Umzug). Die 5. Klasse war ich auf einer Gesamtschule und bin dann zur 6. auf eine Realschule gewechselt, weil der Schulweg deutlich kürzer und besser erreichbar war. In all diesen Schulen wurde ich noch nicht gemobbt. Ich wurde einfach ausgegrenzt und ignoriert. Ich dachte, das sei schlimm, aber bald sollte ich lernen, was für ein Segen das im Grunde war.
Nach einem Jahr Realschule bin ich geflogen, weil ich faul war. Ich kam auf eine Hauptschule in einem Bauerndorf. Auf dieser Schule habe ich mir gewünscht, dass ich wieder ignoriert werden würde - aber der Wunsch ging bis zum Abschluss nach der 10. Klasse nicht in erfüllung. 4 Jahre war ich dort. Im Grunde gab es auf dieser Schule immer 3 Gruppen: Die Bauern, die über Traktoren und Gülleverteilung geredet haben, die Coolen, die über Alkohol, Rauchen und später auch über S** gesprochen haben und es gab mich. Keine der Gruppen wollte mich akzeptieren und ich wurde von beiden Seiten fertig gemacht.
Die schlimmsten (aber einmalig geschehenen) 3 Ergeignisse waren, wo ich in den dreckigen Bioteich hinter der Schule geworfen wurde, wo ich durch die Pissrinne gezogen wurde und wo ich in den Müllcontainer geschmissen wurde. Immer wieder zwischendurch wurden aber öfters mal lustige Spiele mit mir gespielt. Zum Beispiel Quetschecke: man wird in die Ecke geworfen und alle rennen bzw springen dann mit Anlauf und Schulter oder Knie vorraus in die Ecke, anschließend wird man von allen "Mitspielenden" so fest wie möglich in die Ecke gedrückt. Für diesen Zweck kann man sich auch ruhig ein paar mal mir aller kraft gegen das Opfer stämmen. Schweineberg ist auch beliebt gewesen: Dabei wird man auf den boden gewurfen und die anderen springen einer nach dem anderen bauchklatschermäßig oben drauf, bis man unten drunter kaum noch Luft bekommt und dann passen immer noch 2 Mitschüler oben auf den Haufen drauf. Etwas seltener aber auch sehr beliebt war das Stängeln: Bei diesem Spiel wird man von ein paar klassenkollegen getragen (und bedroht, wenn man sich wehrt). Man wird zu einer Laterne oder einem Baum getragen, wo dann ein Bein auf jeder Seite des Baumes oder der Laterne plaziert wird. Nun wird man ein paar mal mit dem Schritt mit Schwung und Anlauf gegen diesen Baum/Laterne gehauen. Das hat fast ausgesehen, die diese Rammböcke von Herr der Ringe.
Das waren aber eher Dinge, die manchmal, aber nicht alle Tage vorkamen. Allgegenwärtig war, dass ich immer alles bei mir haben musste. Wenn ich meine Tasche mal aus Versehen in der Klasse liegen lassen habe (wirklich jedes Mal), waren bei meiner Rückkehr alle meine Sachen im Klassenraum verteilt. Beim Einsammeln der Hefte, Bücher und der einzelnen Stifte wurden diese immer wieder von meinen Mitschülern weggetreten, als ich mich danach gebückt habe. Beliebt war auch "Schweinchen in der Mitte", wenn ich einen meiner Gegenstände wieder haben wollte. Dabei werfen sich 2 bis 3 Leute den Gegenstand hin und her, während man versucht diesen irgendwie zu fangen. Bitten, dass sie aufhören, hatte keinen Sinn. Da wurde man nur noch lauter ausgelacht, weil man so ein winselndes Weichei ist.
Ab und zu kam auch mal jemand an und tat so als wolle er mal normal mit mir reden. Aber diese "Gespräche" endeten meistens in einer peinlichen Frage welche den Zweck verfolgte mich bloßzustellen. Immer wenn irgendjemand etwas angestellt hat und der Lehrer fragte, wer Schuld ist, wurde von fast allen auf mich gezeigt.
Je mehr ich gemobbt wurde, desto mehr habe ich versucht irgendwie von den anderen akzeptiert zu werden. Mit 14 habe ich das Rauchen angefangen, weil ich endlich dazu gehören wollte. Es hat auch etwas verändert: Ab da haben die Anderen zusätzlich noch angefangen, mir die Kippen abzuziehen. Erst mit 27 habe ich das Rauchen wieder aufgehört... alles weil ich dazugehören wollte. Ich habe mir mal von meiner Oma ein Paar silber-schwarze Nike Air Schuhe schenken lassen, weil ich öfters für meine NoName Schuhe blöd angemacht wurde. Aber natürlich war ganz zufällig genau dieses Nikemodell das schwule Modell. Als die Hosen mit den Druckknopfhosen modern wurden, habe ich mir auch eine gekauft. Einen Tag hatte ich sie in der Schule an und danach nie wieder. Immer wenn ich gerade die Beine wieder zugeknöpft habe, kam wieder jemand an und hat die Hosenbeide wieder aufgerissen. Das ging wirklich den ganzen Tag so. Am Ende habe ich die einfach aufgeknöpft gelassen und wurde dafür ausgelacht...Aber sch*** drauf... was soll man da machen?
Letztens hat mich ein Bekannter gefragt, ob ich nicht wütend gewesen bin. Er hätte schon längst irgendjemanden eine reingehauen. Ich hab kurz überlegt und kam dann zu einer Antwort, die ihn überrascht hat: Nein. Ich war nicht wütend. Ich hatte Sehr oft Angst. Ich wusste nie, was meine Mitschüler sich als nächstes ausdenken. Ich hab mich Abschnittweise die kompletten Pausen lang unter der Kellertreppe im Treppenhaus oder in einem kleinen Häuschen am Sportplatz versteckt. Wenn die Pausen vorbei waren bin ich auch ganze Zeitabschnitte lang immer direkt zum Lehrerzimmer gelaufen und habe auf meinen Lehrer gewartet um mit ihm in die Klasse zu gehen. Das hat aber auch nur bewirkt, dass meine Mitschüler um so intensiver auf mich eingegangen sind. Schließlich ist das schon eine Vorform von Petzen.
Aber es war nicht nur die Angst. Es waren auch die ständig anwesenden Gedanken, was mit mir los ist. Warum akzeptieren die anderen mich nicht? Ich hab denen nichts getan! Ich war weder Dick, noch hatte ich Pickel oder Sommersprossen. Ich hatte keine Roten Haare und war auch kein Brillenträger. Aber irgendwas muss ich an mir gehabt haben was die anderen abgrundtief hassen. Ich wollte wissen was das ist! Was kann ich denn noch alles versuchen um akzeptiert zu werden, oder zumindest, dass ich in Ruhe gelassen werde? Was ist mit mir falsch? Einmal fragte ich einen Mitschüler: "Warum machst du das? Warum lässt du mich nicht in Ruhe?" Seine Antwort war einfach: "Weil du ein *meinNachname* bist."
Aber wütend war ich wirklich nicht^^
Auch nach der Schulzeit kam ich noch mal in solche Situationen, als mich das Arbeitsamt in Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen geschickt hat. Dort kommen eigentlich nur erfolglose Vollassis hin, um aus der Arbeitslosenstatistik raus zu sein. Und ich war da, weil ich einfach irgendwie total naiv und planlos durch mein Leben ging. Aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall wurde ich da von den anderen Teilnehmern auch gemobbt. Meine Kippen wurden mir abgezogen und es gab immer noch diese "Gespräche" die in peinlichen Fragen enden, die mich bloßstellen sollten. Teilweise würde ich da auch geschubst und getreten. Einmal habe ich dem einzigen Nichtraucher dort meine Zigaretten gegeben, damit ich so tun kann, als ob ich keine hätte. Leider hat einer von den Anderen mitbekommen, wie ich mir dann eine Zigarette abgeholt habe. Dann hat der Nichtraucher eine Ohrfeige bekommen und ich gleich mehrere, weil ich sie "verarscht" habe. Zusätzlich wurde die komplette Schachtel kassiert.
Ein weiterer Faktor in meiner Vergangenheit war meine Mutter. Mein Bruder und ich hatten ein sonderbares Verhältnis. Irgendwie waren wir schon immer gute Freunde ABER sehr oft kam es auch vor, dass er mich so lange provoziert hat, bis ich ausgerastet bin und ihn verprügelt habe. Danach ist er weinend zur Mutter und ich habe eine saftige Strafe bekommen. Letztens hat mein Bruder übrigens zugegeben, dass er mich absichtlich provoziert hat, damit ich nachher die Strafen bekomme. Das war oft Zimmerarrest mit Entzug sämtlicher Unterhaltungselektronik (auch Musik).
Auf jeden Fall sind mir immer so Sachen passiert, die doof waren, aber NICHT aus einer bösartigen Motivation entstanden sind. Zum Beispiel habe ich mal einen Böller in einen Altkleidercontainer geworfen, weil ich wissen wollte, wie es sich anhört. Ich habe einfach nicht dran gedacht, dass das auch anfangen kann zu brennen. Bis heute hält meine Mutter mir noch vor, dass ich den Altkleiderkontainer angezündet habe (das klingt so mutwillig).
Allgemein habe ich deutlich weniger blödsinn angestellt wie andere gleichaltrige. Ich war kein Säufer, ich hab keine Mädchen angegraben und so weiter. Wo die anderen schon S** gemacht haben, habe ich noch Pokemon gespielt. Aber meine Mutter hat mich immer als schlimmes Kind hingestellt. Ich war schon immer das Problemkind. Das sagt sie mir heute noch so ins Gesicht. Ich wurde mal ein paar Monate in eine Klinik für schwer erziehbare Kinder gesteckt, ich hatte ettliche Psychologen und Sozialhelfer. Meine Mutter hat immer weitere Instanzen um Hilfe gebeten, weil ich ja so schlimm war. Ich verstehe bis heute nicht, was an mir wirklich so schlimm war. Mir wurde eigentlich immer nur gesagt, wie schlecht ich alles mache.
2. Die Langzeitfolgen
Heute bin ich wie gesagt 30 Jahre alt. Mit ca. 20 Jahre hatte ich kein Geld, War kurz davor aus der Wohnung zu fliegen und hatte nichts. Ich hatte einen Hauptschulabschluss mit schlechter als 4 im Durchschnitt und eine Ausbildung habe ich abgebrochen. Der Handwerksberuf war aber wirklich nichts für mich. Da hat mein Vater mich aufgenommen. Er hat mich davor gerettet auf der Straße zu landen und hat mich "genötigt" zur schule zu gehen. Ich habe in den letzten Jahren meinen Realschulabschluss nachgemacht, fachabitur und eine Ausbildung.
In den Schulen, die ich nach meinem 20. Lebensjahr besucht habe, war das mit dem Mobbing fast vorbei. Man hatte plötzlich eine oberflächliche unpersönliche aber freundliche Ebene, auf der man sich mit den Mitschülern unterhalten konnte. Aber trotzdem steckt in mir noch ganz tief drin das unglaubliche Verlangen mich bei allen irgendwie zu profilieren. Das was ich in der Hauptschule angefangen habe um zu versuchen dazu zu gehören, bekomme ich nicht mehr aus mir raus.
Es gibt ein japanisches Sprichwort: Jeder Mensch hat 3 Gesichter. Eines, das man der Öffentlichkeit zeigt, eins, das man nahestehenden Personen (guten Freunden, Frau, Familie) zeigt und ein drittes, welches man wirklich niemandem zeigt. Mein "öffentliches Gesicht" macht blöde Sprüche und Witze. Schlechte wortwitze in die Klasse rufen - den Unterricht stören um einen Lacher zu kassieren. Teilweise leider auch die ein oder andere blöde Angeberei mit irgendetwas. Hauptsache Cool und Lustig wirken. Wenn ich dann zuhause war, habe ich mich teilweise richtig dafür geschämt, was ich da vormittags in der Schule vom Stapel gelassen habe. Oft habe ich mir vorgenommen, mit diesem verhalten aufzuhören, aber ich bekomme es einfach nicht aus mir raus.
Eine weitere Nebenwirkung dieses Verlangens nach Anerkennung ist, dass man umstehende Personen immer für besser hält als sich selbst. Mit 28 in der Berufsschule habe ich irgenwie sogar zu den 16-Jährigen aufgeschaut und mich kleiner gefühlt. Daraus entstand wieder, dass dieses Profilierungsverhalten zu Tage kam. Ein Teufelskreis.
Ich habe auch ein sehr schlechtes Selbstvertrauen. Meine komplette Kindheit und Jugend habe ich immer wieder von allen seiten gehört, dass alles was ich mache Scheiße ist. Von meiner Mutter, Von meinen Mitschülern und noch weiteren Personen. Ich habe ständig Angst irgendwas nicht zu schaffen oder für etwas nicht gut genug zu sein. Oft versuche ich etwas garnicht erst, wenn ich mir das nicht zutraue. Meine Frau sagt, ich würde mich ständig unter Wert verkaufen. Ich habe zwar jetzt die Schulabschlüsse und die Ausbildung geschaft, aber jetzt kommen wieder unbekannte Tage, wo ich nicht genau weiß wo es weiter geht. Es erinnert ein bisschen an die Tage, wo ich gelebt hab wie ein Assi und mit den Obdachlosen bei der Tafel gegessen habe, kurz bevor mein Vater mich aufnahm. Ich habe Angst, dass es wieder so werden könnte. Ich habe Angst mich zu bewerben, weil ich Angst habe nicht gut genug zu sein. Ich habe aber auch Angst, mich nicht zu bewerben, weil ich nicht wieder so absacken will.
Ich werde in ein paar Monaten Vater. Ich habe Angst für diese Aufgabe nicht gut genug zu sein. Ich habe Angst, dass ich keinen Job finde, weil ich immer Sorge habe, dass ich für alles zu schlecht bin. Ich habe Angst, dass ich nicht für das Kind sorgen kann und von Hartz4 leben muss.
Ich spiele leidenschaftlich gerne Videospiele. Aber auch da habe ich dieses geringe Selbstvertrauen. Wenn ich eine Mission ein paar Mal nicht schaffe, Werde ich jedes mal ein bisschen wütender, weil ich wieder in etwas nicht gut genug bin. Und wieder einmal gebe ich etwas auf, weil ich mir nicht zutraue das zu schaffen.Aber das betrifft nicht nur Videospiele. Sondern auch wenn ich Versuche was zu lernen, was ich einfach nicht in den Kopf bekomme oder auch andere Tätigkeiten, wo man versagen kann: Ich werde relativ schnell sehr wütend und gebe auf, wenn es nicht klappt.
Gemeinsam stellen diese beiden negativen Gefühle einen Großteil meines Lebens dar. Angst etwas nicht zu schaffen und Wut etwas nicht geschafft zu haben. Ich will das nicht mehr fühlen. Das macht einen auf dauer echt fertig. Ich will nicht mehr Wütend werden und weiß nicht was ich dagegen tun kann. Ich will dass diese ständige Angst weggeht, aber ich weiß nicht wie. Die Ursachen sind mir bewusst, die Symptome sind mir bekannt und dennoch bin ich irgendwie machtlos dagegen.
3. Schlusswort
Auch das Schlusswort wird noch einmal recht lang ausfallen und das tut mir auch leid. Aber wenn du bis hier gekommen bist, freut es mich, dass du Interesse an meiner Geschichte zu haben scheinst
Was hätte ich damals gegen das Mobbing in der Hauptschule tun können? Diese Frage habe ich mir jetzt mit 30 noch einmal gestellt. Ich komme aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.
Ich habe im Laufe der letzten 10 Jahre viel gelernt. Ich habe viel gelernt, wie die Welt funktioniert und wie die Menschen ticken. Ich habe gelernt, nicht jedem direkt zu vertrauen, nur weil er von Anfang an nett zu mir ist. Und ich habe mir einen Begriff neu definiert. Menschlichkeit. Im eigentlichen Sinne steht dieser Begriff für Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft. Leider ist das genau das Gegenteil von dem, was in den meisten anderen steckt.
Mal ehrlich: Wenn man durchschnittlich von mindestens 2/3 der Klasse gemobbt wird, damit die ihren Spaß haben... Das leitet mich direkt zu einer tollen Theorie über: Was passiert, wenn der Gemobbte sich bei den Eltern des Mobbenden beschwert? Mit einer 2:1 Wahrscheinlichkeit waren die Eltern doch früher genau so, wie ihre Kinder heute sind und die tun einfach nichts. Die Kinder machen einfach weiter wie bisher und man bekommt noch ne Tracht prügel extra, weil man eine Petze ist.
Ein Psychologe hat mir mal so ein aufblaßbaren Sitzball auf einen Stuhl gelegt. Ich sollte so tun, als wenn der Ball ein bestimmter mich mobbender Schüler ist und dem mal SO RICHTIG meine Meinung sagen. Das war mir schon zu blöd. Mit einem Ball reden... aber mal ganz davon Abgesehen: Hat der nicht mehr alle? Wenn ich meinem mich mobbenden Mitschüler mal SO RICHTIG meine Meinung sage: Der wird mir sowas von den Ar*** aufreißen -.-
Jemanden fertig machen für das eigene Vergnügen. Ein Verhalten, das ich bei mehr als der Hälfte der mich umgebenen Menschen beobachten kann. Ist das etwa die wirkliche Menschlichkeit?
Was passiert nach der Schulzeit mit den 2/3 Mobbern? Werden die plötzlich erwachsen? Werden die auf einen Schlag vernünftig? Nein. Wenn man älter wird, wird es einfach wichtig die political correctness zu bewahren, damit man nicht negativ aus der Masser hervorsticht. Aber das verhalten geht weiter. Subtiler und schwächer als vorher. Aber es geht weiter. Lästern über den Kollegen. Gerüchte verstreuen.
Was ich teilweise von der "Geschäftswelt" mitbekomme, da wird mir teilweise schlecht. Überall versuchen Leute sich zu bereichern, indem sie andere Übers Ohr hauen. Teilweise Werden Menschen in den Ruin getrieben, damit jemand anderes an etwas Kohle kommt... Das könnte ich mit meinem Gewissen doch garnicht tun! Was sind das teilweise für Menschen? Fühlen die garnichts? Das waren bestimmt mal welche von den 2/3 Mobbern.
Natürlich könnte man das auch noch weiter übertreiben und global ausweiten... Die Kinder in Afrika Arbeiten in Minen, damit wir unsere Handys haben können, die Kinder in Asien Spielen in riesigen Bergen Computerschrott, den wir weggeworfen haben und in Bangladesch haben die Leute größtenteils nur Wasser, das mit den giftigen Chemikalien verseucht ist, welche die Lederindustrie dort in den Flüssen ablässt, während die Arbeiter drin langsam an giftigen Gasen krepieren, nur damit wir hier billige Schuhe für 20 Euro bekommen. Aber diese globale Ausweitung wäre vermutlich zu übertrieben.
Allgemein kann man sagen, die Welt ist am Ar*** weil Menschen sind wie sie sind. Weil sie anderen Menschen das leben zur Hölle machen oder schlimmeres nur um sich selbst zu bereichern oder noch schlimmer um sich zu amysieren. Sie sind die 2/3 Mobber und das ist meine persönliche Definition von Menschlichkeit. Aber das ist mir inzwischen auch Egal. Ich lebe zurückgezogen mit meiner Frau und gehe nie feiern oder ähnliches. Ich lade nie freunde ein oder gehe groß weg, außer ab und zu mal eine DVD mit meinem Bruder und seiner Frau zu schauen. Ich mach mein eigenes Ding und lass die Anderen sich da draußen gegenseitig fertig machen.
Ich habe gelernt Menschen erstmal von Anfang an zu misstrauen. Ich bleibe möglichst oberflächlich und lasse niemanden zu nah an mich ran. Ich habe insgesamt 3 echte Freunde, wovon einer mein Bruder ist. Inzwischen hat sich bei mir eine leichte Misanthropie gebildet, so dass ich mich in größeren Menschenmenge unwohl und teilweise angeekelt fühle. Das ist ganz schlimm in voll besetzten öffentlichen verkehrsmitteln. Aber auch beim Einkaufen, wenn viel los ist wird mir sehr unbehaglich.
Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal meine Angst und meine Wut verliere und ich hoffe dass ich irgendwann einmal mein Öffentliches Gesicht austausche und nicht mehr nach Anerkennung giere. Aber ich habe Angst, dass diese Hoffnungen nicht erfüllt werden.
Ich verfasse mal einen etwas längeren Text zum Thema mobbing. Ich bin männlich, 30 Jahre alt und wurde in meiner Schulzeit gemobbt. Ich möchte das Folgende gerne in 3 grobe Bereiche aufteilen. Was früher war, was die Langzeitfolgen davon sind und noch ein Abschlusssatz... Ich bin mal gespannt, ob jemand bis zum Ende durchhält

1 Was früher war:
Ich war schon im Kindergarten anders als die anderen. Ich konnte mit vielem, was so "normal" war nichts anfangen und hatte nie wirklich Freunde. Stuhlkreis fand ich blöd und hab mich deshalb vor die Tür gesetzt. Als dann immer mehr Kinder mir das nachgemacht haben, kam die erste Psychologin. Wie auch immer - ich war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon Außenseiter. Aber ich es noch nicht so sehr realisiert und es störte mich auch nicht wirklich.
In der ersten Klasse hatte ich schon wieder keine Freunde. Ich wurde kaum gemobbt, sondern "nur" ausgegrenzt. Ich erinnere mich noch genau, wie meine Lehrerin mich gefragt, was mit mir los sei. Ich hab geantwortet, dass in der Pause mit mir keiner spielen will. Darauf hin fragte die Lehrerin am Anfang der nächsten Stunde, als die komplette Klasse zusammen war, ob jemand von denen in den Pausen mit mir spielen will. Allein diese Situation war schon extrem peinlich. Als dann auch noch niemand aufgezeigt hatte, sondern erst später nur ein Mädchen aus Mitleid, war mir das ganze noch peinlicher.
so ging es erstmal weiter bis zur 6. Klasse. Ich war innsgesamt auf 2 Grundschulen (habe zur 3. klasse hin gewechselt wegen Umzug). Die 5. Klasse war ich auf einer Gesamtschule und bin dann zur 6. auf eine Realschule gewechselt, weil der Schulweg deutlich kürzer und besser erreichbar war. In all diesen Schulen wurde ich noch nicht gemobbt. Ich wurde einfach ausgegrenzt und ignoriert. Ich dachte, das sei schlimm, aber bald sollte ich lernen, was für ein Segen das im Grunde war.
Nach einem Jahr Realschule bin ich geflogen, weil ich faul war. Ich kam auf eine Hauptschule in einem Bauerndorf. Auf dieser Schule habe ich mir gewünscht, dass ich wieder ignoriert werden würde - aber der Wunsch ging bis zum Abschluss nach der 10. Klasse nicht in erfüllung. 4 Jahre war ich dort. Im Grunde gab es auf dieser Schule immer 3 Gruppen: Die Bauern, die über Traktoren und Gülleverteilung geredet haben, die Coolen, die über Alkohol, Rauchen und später auch über S** gesprochen haben und es gab mich. Keine der Gruppen wollte mich akzeptieren und ich wurde von beiden Seiten fertig gemacht.
Die schlimmsten (aber einmalig geschehenen) 3 Ergeignisse waren, wo ich in den dreckigen Bioteich hinter der Schule geworfen wurde, wo ich durch die Pissrinne gezogen wurde und wo ich in den Müllcontainer geschmissen wurde. Immer wieder zwischendurch wurden aber öfters mal lustige Spiele mit mir gespielt. Zum Beispiel Quetschecke: man wird in die Ecke geworfen und alle rennen bzw springen dann mit Anlauf und Schulter oder Knie vorraus in die Ecke, anschließend wird man von allen "Mitspielenden" so fest wie möglich in die Ecke gedrückt. Für diesen Zweck kann man sich auch ruhig ein paar mal mir aller kraft gegen das Opfer stämmen. Schweineberg ist auch beliebt gewesen: Dabei wird man auf den boden gewurfen und die anderen springen einer nach dem anderen bauchklatschermäßig oben drauf, bis man unten drunter kaum noch Luft bekommt und dann passen immer noch 2 Mitschüler oben auf den Haufen drauf. Etwas seltener aber auch sehr beliebt war das Stängeln: Bei diesem Spiel wird man von ein paar klassenkollegen getragen (und bedroht, wenn man sich wehrt). Man wird zu einer Laterne oder einem Baum getragen, wo dann ein Bein auf jeder Seite des Baumes oder der Laterne plaziert wird. Nun wird man ein paar mal mit dem Schritt mit Schwung und Anlauf gegen diesen Baum/Laterne gehauen. Das hat fast ausgesehen, die diese Rammböcke von Herr der Ringe.
Das waren aber eher Dinge, die manchmal, aber nicht alle Tage vorkamen. Allgegenwärtig war, dass ich immer alles bei mir haben musste. Wenn ich meine Tasche mal aus Versehen in der Klasse liegen lassen habe (wirklich jedes Mal), waren bei meiner Rückkehr alle meine Sachen im Klassenraum verteilt. Beim Einsammeln der Hefte, Bücher und der einzelnen Stifte wurden diese immer wieder von meinen Mitschülern weggetreten, als ich mich danach gebückt habe. Beliebt war auch "Schweinchen in der Mitte", wenn ich einen meiner Gegenstände wieder haben wollte. Dabei werfen sich 2 bis 3 Leute den Gegenstand hin und her, während man versucht diesen irgendwie zu fangen. Bitten, dass sie aufhören, hatte keinen Sinn. Da wurde man nur noch lauter ausgelacht, weil man so ein winselndes Weichei ist.
Ab und zu kam auch mal jemand an und tat so als wolle er mal normal mit mir reden. Aber diese "Gespräche" endeten meistens in einer peinlichen Frage welche den Zweck verfolgte mich bloßzustellen. Immer wenn irgendjemand etwas angestellt hat und der Lehrer fragte, wer Schuld ist, wurde von fast allen auf mich gezeigt.
Je mehr ich gemobbt wurde, desto mehr habe ich versucht irgendwie von den anderen akzeptiert zu werden. Mit 14 habe ich das Rauchen angefangen, weil ich endlich dazu gehören wollte. Es hat auch etwas verändert: Ab da haben die Anderen zusätzlich noch angefangen, mir die Kippen abzuziehen. Erst mit 27 habe ich das Rauchen wieder aufgehört... alles weil ich dazugehören wollte. Ich habe mir mal von meiner Oma ein Paar silber-schwarze Nike Air Schuhe schenken lassen, weil ich öfters für meine NoName Schuhe blöd angemacht wurde. Aber natürlich war ganz zufällig genau dieses Nikemodell das schwule Modell. Als die Hosen mit den Druckknopfhosen modern wurden, habe ich mir auch eine gekauft. Einen Tag hatte ich sie in der Schule an und danach nie wieder. Immer wenn ich gerade die Beine wieder zugeknöpft habe, kam wieder jemand an und hat die Hosenbeide wieder aufgerissen. Das ging wirklich den ganzen Tag so. Am Ende habe ich die einfach aufgeknöpft gelassen und wurde dafür ausgelacht...Aber sch*** drauf... was soll man da machen?
Letztens hat mich ein Bekannter gefragt, ob ich nicht wütend gewesen bin. Er hätte schon längst irgendjemanden eine reingehauen. Ich hab kurz überlegt und kam dann zu einer Antwort, die ihn überrascht hat: Nein. Ich war nicht wütend. Ich hatte Sehr oft Angst. Ich wusste nie, was meine Mitschüler sich als nächstes ausdenken. Ich hab mich Abschnittweise die kompletten Pausen lang unter der Kellertreppe im Treppenhaus oder in einem kleinen Häuschen am Sportplatz versteckt. Wenn die Pausen vorbei waren bin ich auch ganze Zeitabschnitte lang immer direkt zum Lehrerzimmer gelaufen und habe auf meinen Lehrer gewartet um mit ihm in die Klasse zu gehen. Das hat aber auch nur bewirkt, dass meine Mitschüler um so intensiver auf mich eingegangen sind. Schließlich ist das schon eine Vorform von Petzen.
Aber es war nicht nur die Angst. Es waren auch die ständig anwesenden Gedanken, was mit mir los ist. Warum akzeptieren die anderen mich nicht? Ich hab denen nichts getan! Ich war weder Dick, noch hatte ich Pickel oder Sommersprossen. Ich hatte keine Roten Haare und war auch kein Brillenträger. Aber irgendwas muss ich an mir gehabt haben was die anderen abgrundtief hassen. Ich wollte wissen was das ist! Was kann ich denn noch alles versuchen um akzeptiert zu werden, oder zumindest, dass ich in Ruhe gelassen werde? Was ist mit mir falsch? Einmal fragte ich einen Mitschüler: "Warum machst du das? Warum lässt du mich nicht in Ruhe?" Seine Antwort war einfach: "Weil du ein *meinNachname* bist."
Aber wütend war ich wirklich nicht^^
Auch nach der Schulzeit kam ich noch mal in solche Situationen, als mich das Arbeitsamt in Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen geschickt hat. Dort kommen eigentlich nur erfolglose Vollassis hin, um aus der Arbeitslosenstatistik raus zu sein. Und ich war da, weil ich einfach irgendwie total naiv und planlos durch mein Leben ging. Aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall wurde ich da von den anderen Teilnehmern auch gemobbt. Meine Kippen wurden mir abgezogen und es gab immer noch diese "Gespräche" die in peinlichen Fragen enden, die mich bloßstellen sollten. Teilweise würde ich da auch geschubst und getreten. Einmal habe ich dem einzigen Nichtraucher dort meine Zigaretten gegeben, damit ich so tun kann, als ob ich keine hätte. Leider hat einer von den Anderen mitbekommen, wie ich mir dann eine Zigarette abgeholt habe. Dann hat der Nichtraucher eine Ohrfeige bekommen und ich gleich mehrere, weil ich sie "verarscht" habe. Zusätzlich wurde die komplette Schachtel kassiert.
Ein weiterer Faktor in meiner Vergangenheit war meine Mutter. Mein Bruder und ich hatten ein sonderbares Verhältnis. Irgendwie waren wir schon immer gute Freunde ABER sehr oft kam es auch vor, dass er mich so lange provoziert hat, bis ich ausgerastet bin und ihn verprügelt habe. Danach ist er weinend zur Mutter und ich habe eine saftige Strafe bekommen. Letztens hat mein Bruder übrigens zugegeben, dass er mich absichtlich provoziert hat, damit ich nachher die Strafen bekomme. Das war oft Zimmerarrest mit Entzug sämtlicher Unterhaltungselektronik (auch Musik).
Auf jeden Fall sind mir immer so Sachen passiert, die doof waren, aber NICHT aus einer bösartigen Motivation entstanden sind. Zum Beispiel habe ich mal einen Böller in einen Altkleidercontainer geworfen, weil ich wissen wollte, wie es sich anhört. Ich habe einfach nicht dran gedacht, dass das auch anfangen kann zu brennen. Bis heute hält meine Mutter mir noch vor, dass ich den Altkleiderkontainer angezündet habe (das klingt so mutwillig).
Allgemein habe ich deutlich weniger blödsinn angestellt wie andere gleichaltrige. Ich war kein Säufer, ich hab keine Mädchen angegraben und so weiter. Wo die anderen schon S** gemacht haben, habe ich noch Pokemon gespielt. Aber meine Mutter hat mich immer als schlimmes Kind hingestellt. Ich war schon immer das Problemkind. Das sagt sie mir heute noch so ins Gesicht. Ich wurde mal ein paar Monate in eine Klinik für schwer erziehbare Kinder gesteckt, ich hatte ettliche Psychologen und Sozialhelfer. Meine Mutter hat immer weitere Instanzen um Hilfe gebeten, weil ich ja so schlimm war. Ich verstehe bis heute nicht, was an mir wirklich so schlimm war. Mir wurde eigentlich immer nur gesagt, wie schlecht ich alles mache.
2. Die Langzeitfolgen
Heute bin ich wie gesagt 30 Jahre alt. Mit ca. 20 Jahre hatte ich kein Geld, War kurz davor aus der Wohnung zu fliegen und hatte nichts. Ich hatte einen Hauptschulabschluss mit schlechter als 4 im Durchschnitt und eine Ausbildung habe ich abgebrochen. Der Handwerksberuf war aber wirklich nichts für mich. Da hat mein Vater mich aufgenommen. Er hat mich davor gerettet auf der Straße zu landen und hat mich "genötigt" zur schule zu gehen. Ich habe in den letzten Jahren meinen Realschulabschluss nachgemacht, fachabitur und eine Ausbildung.
In den Schulen, die ich nach meinem 20. Lebensjahr besucht habe, war das mit dem Mobbing fast vorbei. Man hatte plötzlich eine oberflächliche unpersönliche aber freundliche Ebene, auf der man sich mit den Mitschülern unterhalten konnte. Aber trotzdem steckt in mir noch ganz tief drin das unglaubliche Verlangen mich bei allen irgendwie zu profilieren. Das was ich in der Hauptschule angefangen habe um zu versuchen dazu zu gehören, bekomme ich nicht mehr aus mir raus.
Es gibt ein japanisches Sprichwort: Jeder Mensch hat 3 Gesichter. Eines, das man der Öffentlichkeit zeigt, eins, das man nahestehenden Personen (guten Freunden, Frau, Familie) zeigt und ein drittes, welches man wirklich niemandem zeigt. Mein "öffentliches Gesicht" macht blöde Sprüche und Witze. Schlechte wortwitze in die Klasse rufen - den Unterricht stören um einen Lacher zu kassieren. Teilweise leider auch die ein oder andere blöde Angeberei mit irgendetwas. Hauptsache Cool und Lustig wirken. Wenn ich dann zuhause war, habe ich mich teilweise richtig dafür geschämt, was ich da vormittags in der Schule vom Stapel gelassen habe. Oft habe ich mir vorgenommen, mit diesem verhalten aufzuhören, aber ich bekomme es einfach nicht aus mir raus.
Eine weitere Nebenwirkung dieses Verlangens nach Anerkennung ist, dass man umstehende Personen immer für besser hält als sich selbst. Mit 28 in der Berufsschule habe ich irgenwie sogar zu den 16-Jährigen aufgeschaut und mich kleiner gefühlt. Daraus entstand wieder, dass dieses Profilierungsverhalten zu Tage kam. Ein Teufelskreis.
Ich habe auch ein sehr schlechtes Selbstvertrauen. Meine komplette Kindheit und Jugend habe ich immer wieder von allen seiten gehört, dass alles was ich mache Scheiße ist. Von meiner Mutter, Von meinen Mitschülern und noch weiteren Personen. Ich habe ständig Angst irgendwas nicht zu schaffen oder für etwas nicht gut genug zu sein. Oft versuche ich etwas garnicht erst, wenn ich mir das nicht zutraue. Meine Frau sagt, ich würde mich ständig unter Wert verkaufen. Ich habe zwar jetzt die Schulabschlüsse und die Ausbildung geschaft, aber jetzt kommen wieder unbekannte Tage, wo ich nicht genau weiß wo es weiter geht. Es erinnert ein bisschen an die Tage, wo ich gelebt hab wie ein Assi und mit den Obdachlosen bei der Tafel gegessen habe, kurz bevor mein Vater mich aufnahm. Ich habe Angst, dass es wieder so werden könnte. Ich habe Angst mich zu bewerben, weil ich Angst habe nicht gut genug zu sein. Ich habe aber auch Angst, mich nicht zu bewerben, weil ich nicht wieder so absacken will.
Ich werde in ein paar Monaten Vater. Ich habe Angst für diese Aufgabe nicht gut genug zu sein. Ich habe Angst, dass ich keinen Job finde, weil ich immer Sorge habe, dass ich für alles zu schlecht bin. Ich habe Angst, dass ich nicht für das Kind sorgen kann und von Hartz4 leben muss.
Ich spiele leidenschaftlich gerne Videospiele. Aber auch da habe ich dieses geringe Selbstvertrauen. Wenn ich eine Mission ein paar Mal nicht schaffe, Werde ich jedes mal ein bisschen wütender, weil ich wieder in etwas nicht gut genug bin. Und wieder einmal gebe ich etwas auf, weil ich mir nicht zutraue das zu schaffen.Aber das betrifft nicht nur Videospiele. Sondern auch wenn ich Versuche was zu lernen, was ich einfach nicht in den Kopf bekomme oder auch andere Tätigkeiten, wo man versagen kann: Ich werde relativ schnell sehr wütend und gebe auf, wenn es nicht klappt.
Gemeinsam stellen diese beiden negativen Gefühle einen Großteil meines Lebens dar. Angst etwas nicht zu schaffen und Wut etwas nicht geschafft zu haben. Ich will das nicht mehr fühlen. Das macht einen auf dauer echt fertig. Ich will nicht mehr Wütend werden und weiß nicht was ich dagegen tun kann. Ich will dass diese ständige Angst weggeht, aber ich weiß nicht wie. Die Ursachen sind mir bewusst, die Symptome sind mir bekannt und dennoch bin ich irgendwie machtlos dagegen.
3. Schlusswort
Auch das Schlusswort wird noch einmal recht lang ausfallen und das tut mir auch leid. Aber wenn du bis hier gekommen bist, freut es mich, dass du Interesse an meiner Geschichte zu haben scheinst
Was hätte ich damals gegen das Mobbing in der Hauptschule tun können? Diese Frage habe ich mir jetzt mit 30 noch einmal gestellt. Ich komme aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.
Ich habe im Laufe der letzten 10 Jahre viel gelernt. Ich habe viel gelernt, wie die Welt funktioniert und wie die Menschen ticken. Ich habe gelernt, nicht jedem direkt zu vertrauen, nur weil er von Anfang an nett zu mir ist. Und ich habe mir einen Begriff neu definiert. Menschlichkeit. Im eigentlichen Sinne steht dieser Begriff für Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft. Leider ist das genau das Gegenteil von dem, was in den meisten anderen steckt.
Mal ehrlich: Wenn man durchschnittlich von mindestens 2/3 der Klasse gemobbt wird, damit die ihren Spaß haben... Das leitet mich direkt zu einer tollen Theorie über: Was passiert, wenn der Gemobbte sich bei den Eltern des Mobbenden beschwert? Mit einer 2:1 Wahrscheinlichkeit waren die Eltern doch früher genau so, wie ihre Kinder heute sind und die tun einfach nichts. Die Kinder machen einfach weiter wie bisher und man bekommt noch ne Tracht prügel extra, weil man eine Petze ist.
Ein Psychologe hat mir mal so ein aufblaßbaren Sitzball auf einen Stuhl gelegt. Ich sollte so tun, als wenn der Ball ein bestimmter mich mobbender Schüler ist und dem mal SO RICHTIG meine Meinung sagen. Das war mir schon zu blöd. Mit einem Ball reden... aber mal ganz davon Abgesehen: Hat der nicht mehr alle? Wenn ich meinem mich mobbenden Mitschüler mal SO RICHTIG meine Meinung sage: Der wird mir sowas von den Ar*** aufreißen -.-
Jemanden fertig machen für das eigene Vergnügen. Ein Verhalten, das ich bei mehr als der Hälfte der mich umgebenen Menschen beobachten kann. Ist das etwa die wirkliche Menschlichkeit?
Was passiert nach der Schulzeit mit den 2/3 Mobbern? Werden die plötzlich erwachsen? Werden die auf einen Schlag vernünftig? Nein. Wenn man älter wird, wird es einfach wichtig die political correctness zu bewahren, damit man nicht negativ aus der Masser hervorsticht. Aber das verhalten geht weiter. Subtiler und schwächer als vorher. Aber es geht weiter. Lästern über den Kollegen. Gerüchte verstreuen.
Was ich teilweise von der "Geschäftswelt" mitbekomme, da wird mir teilweise schlecht. Überall versuchen Leute sich zu bereichern, indem sie andere Übers Ohr hauen. Teilweise Werden Menschen in den Ruin getrieben, damit jemand anderes an etwas Kohle kommt... Das könnte ich mit meinem Gewissen doch garnicht tun! Was sind das teilweise für Menschen? Fühlen die garnichts? Das waren bestimmt mal welche von den 2/3 Mobbern.
Natürlich könnte man das auch noch weiter übertreiben und global ausweiten... Die Kinder in Afrika Arbeiten in Minen, damit wir unsere Handys haben können, die Kinder in Asien Spielen in riesigen Bergen Computerschrott, den wir weggeworfen haben und in Bangladesch haben die Leute größtenteils nur Wasser, das mit den giftigen Chemikalien verseucht ist, welche die Lederindustrie dort in den Flüssen ablässt, während die Arbeiter drin langsam an giftigen Gasen krepieren, nur damit wir hier billige Schuhe für 20 Euro bekommen. Aber diese globale Ausweitung wäre vermutlich zu übertrieben.
Allgemein kann man sagen, die Welt ist am Ar*** weil Menschen sind wie sie sind. Weil sie anderen Menschen das leben zur Hölle machen oder schlimmeres nur um sich selbst zu bereichern oder noch schlimmer um sich zu amysieren. Sie sind die 2/3 Mobber und das ist meine persönliche Definition von Menschlichkeit. Aber das ist mir inzwischen auch Egal. Ich lebe zurückgezogen mit meiner Frau und gehe nie feiern oder ähnliches. Ich lade nie freunde ein oder gehe groß weg, außer ab und zu mal eine DVD mit meinem Bruder und seiner Frau zu schauen. Ich mach mein eigenes Ding und lass die Anderen sich da draußen gegenseitig fertig machen.
Ich habe gelernt Menschen erstmal von Anfang an zu misstrauen. Ich bleibe möglichst oberflächlich und lasse niemanden zu nah an mich ran. Ich habe insgesamt 3 echte Freunde, wovon einer mein Bruder ist. Inzwischen hat sich bei mir eine leichte Misanthropie gebildet, so dass ich mich in größeren Menschenmenge unwohl und teilweise angeekelt fühle. Das ist ganz schlimm in voll besetzten öffentlichen verkehrsmitteln. Aber auch beim Einkaufen, wenn viel los ist wird mir sehr unbehaglich.
Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal meine Angst und meine Wut verliere und ich hoffe dass ich irgendwann einmal mein Öffentliches Gesicht austausche und nicht mehr nach Anerkennung giere. Aber ich habe Angst, dass diese Hoffnungen nicht erfüllt werden.
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