Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Queen, ich möchte hier über meine Erfahrungen mit Mobbing und Rassismus schreiben

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Queen, ich möchte hier über meine Erfahrungen mit Mobbing und Rassismus schreiben

    Queen, ich möchte hier über meine Erfahrungen mit Mobbing und Rassismus schreiben

    Hallo liebe Community,
    ich habe mich heute hier angemeldet, um über meine Erfahrungen mit Mobbing zu sprechen. Zu meiner Person: Ich bin weiblich, 29 Jahre alt, habe einen afrikanischen Hintergrund und bin mit 5 Jahren nach Deutschland gekommen.
    Ich habe natürlich schon im Kindergarten und ab und an auch in der Grundschule kleine Sticheleien auf Grund meiner Hautfarbe abbekommen. Das hat mich aber nicht sonderlich getroffen. Mein Leidensweg begann erst ab der 10. Klasse auf dem Gymnasium. Ich möchte über meine Erfahrung sprechen, weil ich mir erhoffe, mir das Leid von der Seele schreiben zu können, mir ist es zum Teil bis heute peinlich, was mir damals widerfahren ist bzw. empfinde ich immer noch Scham, dass ich mich damals nicht gewehrt habe. Ich leide bis heute täglich an quälende Gedanken und befinde mich seit zwei Jahren wegen dieser Ereignisse und anderer traumatischer Ereignisse in Therapie.

    Dies ist meine Geschichte:

    Im Laufe der 10. Klasse machte ich die Erfahrung, dass Mitschüler, aber auch Schüler aus anderen Jahrgängen mich anfingen auszulachen, wenn sie mich auf dem Flur oder auf der Mädchentoilette sahen. Ich habe mir zu dem Zeitpunkt nichts dabei gedacht, sondern habe es nur wahrgenommen und einfach den Schulalltag weitergelebt.
    Zum Ende des Schuljahres hin, machte mich ein Nachbarsjunge, der ein Jahrgang unter mir war, darauf aufmerksam, dass ein Schüler aus meiner Parallelklasse sich mir gegenüber rassistisch äußere, und das wohl in seiner sehr fiesen Art und Weiße. Ich war sehr geschockt, weil ich nie zuvor mit diesem Jungen ein Wort gewechselt habe und ihn nur vom Sehen kannte.
    Als Erklärung muss ich auch sagen, dass ich nicht in einer Familie aufgewachsen bin, wo es an der Tagesordnung war, sich frei auszutauschen. Ich habe also mit 16 Jahren das frei reden und Menschen konfrontieren noch nicht drauf gehabt! Es mag seltsam klingen, aber so war es nun. Gepaart mit dem Traumata des Migrationshintergrundes und frühkindlicher Misshandlung war ich sehr introvertiert und hilflos.
    Jetzt kommt der Part, für den ich mich bis heute sehr schäme: Dieser Nachbarsjunge wurde auch für seinen Migrationshintergrund gemobbt und hat nach den Sommerferien eine Schlägerei mit mehreren Freunden angezettelt, bei der sich ein Schüler den Kiefer gebrochen hat. Er hat zusätzlich meinen Mobber eine Facebook Nachricht geschrieben und ihm gedroht mich in Ruhe zu lassen, weil er mich mit seinen Handlungen sehr verletzt. Mein Mobber hat beteuert, dass es nur Spaß sei und er damit aufhören würde.
    Ich habe meinen Nachbarsjungen verbal in zwei meiner Kursen mit folgenden Worten verteidigt:

    Ich möchte es nicht gut heißen, was dieser Junge gemacht hat, aber ich kann schon verstehen, dass wenn man gemobbt und rassistisch angegangen wird, man einen Ausraster haben kann.


    __________________________________

    2



    Das ist alles was ich zu seinen Handlungen gesagt habe. Das war im August 2010, zu Beginn der 11. Klasse und einen Monat vor meinem 17. Geburtstag.
    Ich erfuhr natürlich gleich von einigen Mitschülern Ablehnung. Jedoch hörte das Lachen in den Gängen auf. Einige Monate später erfuhr ich, dass das Gerücht verbreitet wurde, dass ich für diesen Schläger zur Polizei gegangen bin, um eine Aussage zu machen. Zwei meiner Mitschülerinnen sprachen mich darauf an. ich habe es natürlich verneint. Es kam auch das Gerücht auf, dass es sich bei der Schlägerei nur um ein Fahrrad gedreht haben soll, was nicht der Fall gewesen ist.
    Zu diesem Zeitpunkt war ich mir nicht bewusst, wie fest sich diese Gerüchte etablieren würden.
    Einer meiner Lehrer sprach mich auch darauf an, ob die Schlägerei tatsächlich wegen Rassismus stattfand. Ich war in diesem Moment wieder in meiner Schockstarre und habe gelogen und nein behauptet, weil ich mir dachte, dass mein Mobber nun aufhören würde und ich nicht wollte, dass er in Schwierigkeiten gerät, wegen unüberlegten Aussagen.

    Wenn ich das hier so schreibe merke ich, wie dumm und überfordert ich damals war...


    Wie gesagt, kannte ich meinen Mobber eigentlich überhaupt nicht und ich hatte ab der 11. Klasse nur Politik Leistungsfach mit ihm. Er sprach nur sehr selten mit mir, und wenn er das tat, war er super nett. Im Februar 2011 fragt er mich bei der Fahrschule, ob ich ihm später auf Facebook schreiben könnte, was wir in Politik aufhaben.
    Das tat ich auch als ich zu Hause war. Bis heute erinnere ich mich an das Gefühl, dass ja alles geklärt ist und der Nachbarsjunge durch die Facebook Nachrichten dem ganzen ein Ende gesetzt hatte.

    Was ich damals nicht merkte: Dieser Junge war mit mir auf Facebook befreundet und hat meine Bilder von meinem Account geklaut und diese wohl mit Fotoshop bearbeitet und übers Handy an unzählige Menschen verteilt. Das habe ich erst im März 2012 kurz vor dem Abi erfahren, als eine Mitschülerin es erwähnte, wie unmenschlich diese Bilder seien und mehrere andere dies bestätigten.
    Wieder: Schockstarre.

    Als ich das erfuhr, habe ich diesen Jungen und auch noch andere Mitschüler von Facebook entfreundet, um mich zu schützen.
    In der Zeit zwischen Februar 2011 bis März 2012 gab es einige Zwischenfälle, wo mein Mobber seine Maske hat fallen lassen und durch verbale rassistische Aussprüche mich gedemütigt hat. Wieder: Schockstarre..

    Im Sportunterricht ist er z.B. aus seinen Kurs in meinen Tanzkurs gelaufen, wo ich gerade eine Choreographie aufführte. Er lief einfach rein und schrie ganz laut: Unser Äffchen! Machte einen Tanzschritt und sagte dann: So macht man das!
    Ein anderer Schüler lachte ganz laut und keiner verteidigte mich, obwohl alle es mitbekamen.

    Ich hörte auch immer wieder Beschwichtigungen, dass man diesen Mobber nicht Ernst nehmen dürfte.. also Freifahrtschein!


    __________________________________

    3

    Eine Szene ist bei mir bis heute fest verankert, weil ich dadurch erst bemerkte, was das für ein abgekartetes Spiel war: Im Dezember 2011 ging ich mit meinem Politikleistungskurs im Restaurant essen: Der Mobber machte sich natürlich über mich lustig. Also über die Art wie ich aß. Der andere Mitschüler, der im Sportunterricht über den rassistischen Ausruf des Mobbers lachte, bezeichnete mich als asozial, weil ich auf Facebook angeblich nur Party Bilder posten würden und das er jetzt raus geht um zu rauchen, weil er das jetzt auch täte (das war eine Stichelei an mich; die Erklärung kommt gleich) Auch hier waren alle anwesend, inklusive Lehrer, und keiner Schritt ein. Nach dem Restaurant besuch gab es noch eine Abendveranstaltung, zu der wohl auch andere aus meiner Schule ging. Ich ging mit, weil ich mir den Abend nicht vermiesen wollte. Da merkte ich, wie der Flying Monkey Mitschüler, der immer beim Mobbing mitmacht (der mich als asozial betitelte etc.) zu einem anderen Mitschüler ging und ihm was ins Ohr flüsterte.

    Jetzt kommt die Erklärung zur Stichelei bzgl. des Rauchens: der dritte Mitschüler hatte einige Jahre zuvor eine Auseinandersetzung mit meinem Bruder gehabt, weil er Marijuana von ihm kaufen wollte. Mein Bruder hatte ihn wohl verarscht und nur sein Geld eingesackt.. ich weiß, dass der Verkauf von Drogen nicht gut ist.. Aber um ehrlich zu sein verkauften und konsumierten viele Schüler damals Marijuana. Jedenfalls hasste mich dieser dritte Mitschüler stellvertretend für meinen Bruder. Und der Flying Monkey wollte mich dafür sticheln. Also ich bin sozusagen für ALLES Schuld gewesen.

    Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber letztendlich durfte ich mich vom Mobber auch auf der Abi Feier demütigen lassen. Meine Mutter lachte er nach dem Abi Gottesdienst vor der Kirche aus, weil sie schwarz ist..

    Das bekamen auch einige Menschen mit, aber niemand sagt was..

    ich wurde auf der Feier auch von einer anderen Mitschülerin angeschrien, die vorher noch zu einer anderen Mitschülerin flüsterte: Die mach ich richtig fertig..

    Ich wurde angeschrien, weil ich einfach nur rumstand, um meine deutschen Groß - bzw. Zieheltern zu empfangen. Ich habe dieser Mitschülerin nie etwas getan.

    Das ist nicht alles, was ich in meiner Schulzeit erlebt habe.. Was ich im Nachhinein bemerken musste ist, dass wohl sehr viele von diesem Mobbing und den Bildern wussten. Die Leute haben sich dann automatisch auf die Seite des Mobbers gestellt und natürlich hielten alle es mit den Bildern geheim.

    Als die Schulzeit vorbei war, dachte ich natürlich, dass das Mobbing auch vorüber sei. Leider nicht: Mein Mobber schickt mir zwei Monate nach dem Abschluss erneut eine Freundschaftsanfrage. Ich habe ihn daraufhin geblockt und traf ihn kurze Zeit später auf der Straße, wo er mich ganz abschätzig und verständnislos anschaute.


    __________________________________

    4

    Ich habe nach der Schulzeit für ein halbes Jahr Musical Tickets verkaufte und bemerkte schnell, dass die anderen jungen Menschen in meinem Alter hinter meinem Rücken über mich lachten (die hatten also auch diese Bilder von mir und haben die Gerüchte gehört, dass die Schwarze für die Schlägerei verantwortlich war). Ich wollte es nicht wahrhaben.

    Im Oktober 2013 fing ich an zu studieren in einer anderen Stadt und war froh, diesen Ort verlassen zu können. ich hatte für eine lange Zeit meine Ruhe, bis ich im Oktober 2014 auf dem Geburtstag einer Bekannten eingeladen wurde. Ich war mit dieser Bekannten zu dem Zeitpunkt ca. 3 Jahre flüchtig befreundet und wir gingen immer auf Partys.

    Diese Bekannte hat mich auf Ihrer Geburtstagsfeier vorgeführt und als Neger beschimpft und natürlich ihren anderen Freunden diese Bilder von mir gezeigt. Bzw. kannten alle anderen die Bilder, außer eine Person: Dieser durfte sie dann auch sehen. Diese Bekannte tuschelte zu ihrem Freund was gerade abliefe und dieser sagte ganz schockiert, dass das nicht in Ordnung sein.
    Ich wurde an diesem Abend von einer Person, die ich mochte und gern um mich hatte vorgeführt zum auslachen und beleidigen.

    Wieder: Schockstarre

    Am gleichen Abend schrieb mein Ex-Freund mich an, der mit dem Freund dieser Bekannten befreundet an und fragte mich, wie es mir geht.

    ich wusste sofort, dass der Freund meiner damaligen Bekannten meinem Ex-Freund erzählte was ablief.

    Ich konnte erst zwei Monate später diese Bekannte darauf ansprechen, was sie mir angetan hat. Sie stritt alles ab...
    Im Dezember 2014 war ich wegen den Weihnachtsferien zu Hause für zwei Wochen. Ich traf Weihnachten einen Mitschüler, der mal in meiner Parallelklasse war bei der Tankstelle. Der Schrie mich aus dem Auto aus an. Silvester feierte ich mit meinem Bruder im Club, wo ich vom weihten hörte, wie mich jemand als Negerschlampe bezeichnete..

    Wieder: Schockstarre

    Am selben Abend ging ich auf eine Houseparty von anderen Bekannten, wo auch meine Fotos rumgereicht wurden...

    Wieder: Schockstarre


    __________________________________

    5


    Im Januar 2015 war ich wieder an der Uni. Und sofort hörte ich von Kommilitonen: Das ist die ja..

    Zur Erklärung: Ich habe im Oktober 2014 einen ehemaligen Mitschüler am Bahnhof getroffen, der wohl auch meinen Bruder nicht mochte und zu seinem Freund tuschelte: Das ist die Schwester von.. der guckte mich misstrauisch an, weil ich einen Koffer bei mir hatte. Ich gehe mal davon aus, dass er auf meine Facebook Seite gegangen ist, wo ich angab wo ich studierte. Zack, 2 Monate später waren die Bilder bei der Juni. Da wurde ich jetzt auch bis zum Abschluss von einigen ausgelacht..

    Wieder machen alle mit..

    Im April 2015 war ich am helligten Tag mit meinem weißen Stiefvater spazieren. Es fuhr ein Auto die Straße runter. Im Auto saß ein ehemaliger Mitschüler, mit dem ich in der Schule mal ein Streitgespräch hatte, weil ich die Religion einer anderen Mitschülerin verteidigen wollte. Der lachte mich hämisch aus dem Auto aus an und es wurde wohl das Gerücht verbreitet, dass ich mich prostituiere...

    Weil: Ich schwarz und Stiefvater weiß...

    ich habe über die Jahre noch einige unschöne Begegnungen gehabt..

    Die letzte war im Juli 2021, wo ich mit meiner schwarzen Mutter und meinem deutschen weißen Stiefvater im Restaurant saß, wo man auch Tretboot fahren konnte. Plötzlich gucke ich aufs Wasser, und wen sehe ich? Den Mitschüler der mich stellvertretend für meinen Bruder hast. Er bemusterte mich und meine Mutter wie Objekte mit einem süffisantem Lächeln. Er guckte immer unruhig zwischen uns und meinem Stiefvater.. er wollte wohl prüfen, ob ich mich mit meiner Mutter zusammen prostituieren würde.
    Nach einer Weile senkte er den Kopf, weil er merkte, dass es sich um den Mann um meinen Vater handelt. Er sah etwas beschämt aber auch enttäuscht aus.
    Bis heute denke ich daran, wie er mich und meine Mutter musterte als wären wir keine Menschen. Er genoss es sehr. Ich schaute nach einer Weile weg, und als ich den Kopf wieder zum Wasser drehte war er weg.

    Im Mai 2022 konfrontierte ich sein Verhalten über eine Facebook Nachricht: Er bestritt mich überhaupt gesehen zu haben und gab mir sowieso die Schuld..

    Ich könnte noch so viel anderes erzählen..

    Es gibt Leute aus meiner Vergangenheit, Leute, die ich seit der Grundschulzeit kenne, die den Gerüchten glauben und mit mir den Kontaktabgebrochen haben. Selbst meine Grundschullehrerin, die mich super mochte, hat von den Gerüchten mitbekommen.

    Im Dezember 2022 hat der Mobber mit 3 anderen das 10 Jahre Jahrgangstreffen gehabt. Ich bin nicht hingegangen.

    Das ist meine Mobbinggeschichte.. Ich weiß, dass die Schlägerei nicht in Ordnung war und ich schäme mich bis heute dafür. ich bin wegen meiner Geschichte zum christlichen Glauben gekommen. Dafür bin ich dankbar. Ich habe Gott um Vergebung wegen meiner Beteiligung an der Schlägerei gebeten...

    Ich denke trotzdem, dass ich das nicht verdient habe.. Vor allem wenn man bedenkt, dass meine Mobber sich zum Teil auch gut mit den Schlägern verstehen.

    ich leide bis heute täglich an meiner Vergangenheit und ich bin mir sicher, dass nur Gott mich am Leben gehalten hat..

    Trotz meiner Erlebnisse, habe ich einen sehr guten Job und bin sehr erfolgreich.

    Ich möchte irgendwie mit diesem Thema abschließen. Ich weiß, dass meine Erfahrungen nichts mit mir zu tun haben.. Es ist trotzdem unglaublich schmerzhaft!

    Bitte entschuldigt die Rechtsschreibfehler.. ich habe mich in Rage geschrieben.

    LG
    .
    erfahrene Forumsmitglieder
    Zuletzt geändert von .; 01.05.2023, 11:20.

  • #2

    Bitte entschuldigt die Rechtsschreibfehler.. ich habe mich in Rage geschrieben.

    Kein Problem ! Und danke für Deinen ausführlichen Beitrag. Ich hoffe, Du konntest Dir einige Probleme von der Seele schreiben.

    du kannst nichts mit meinem Namen anfangen ? Stell dir vor du sitzt in einer Badewanne und paddelst über einen See. So fühlt sich der Admin gerade ...

    Kommentar

    Lädt...
    X