Hallo Gleichgesinnte,
Hallo Profis,
ich habe mich lange durch dieses und ähnliche Foren geblättert und mich nun entschlossen, einen eigenen Beitrag zu starten. Denn ich benötige dringend Tipps, Ratschläge, Erfahrungsberichte von Gleichgesinnten.
Ersteinmal meine Geschichte zur Einschätzung (versuche, mich so kurz wie möglich zu halten).
Ich arbeite seit nunmehr 8 Jahren in einem inhabergeführten Unternehmen (Mitarbeiter > 250, kein Betriebsrat). Die Sozialleistungen und Gehälter liegen über dem Branchenschnitt, aus dieser Sicht ein Traum-Arbeitgeber.
Der geschäftsführende Gesellschafter (zeitgleich auch Gründer der Firma) gilt von jeher als cholerisch. Ich habe in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Bekanntschaft mit seinem Gemüt gemacht, aber da ich wußte, dass bei uns eben jeder mal dran glauben muss, stand ich über dem allen. Die meisten Mitarbeiter haben regelrecht Angst vor diesem Mann und machen alles Mögliche, um bloß nicht in die Schusslinie zu geraten: Er mag bei Frauen keine offenen Haare, also hat man für den Notfall immer ein Haargummi im Büro. Er mag keinen Schmuck, also legt man schnell alles ab, wenn er in der Nähe ist. Eine andere Meinung als seine ist falsch, also spricht man ihm nach dem Mund.....
Mitarbeiter, die näher mit ihm zu tun haben, werden oftmals angeschrien, teilweise persönlich angegriffen. Die Abteilungsleiter verlassen nach und nach das Unternehmen, neue Geschäftsführer, die ihn entlasten sollen, findet er mittlerweile schon kaum noch. Es wurden bereits Mitarbeiter mit dem Krankenwagen abgeholt, Diagnose Burn-Out. Auf sich selbst bezieht er das alles nicht.
Im Rahmen der Gleitzeit durften wir bis spätestens um 9:30 Uhr mit der Arbeit beginnen. Weil jemand, den er sprechen wollte, mal erst kurz nach ihm, aber immernoch vor halb zehn im Haus war, hat er kurzerhand die Kernarbeitszeit auf 8:45 Uhr verschoben. An und für sich kein Problem, kommt man eben was früher, aber: alle müssen um spätestens 8:40 Uhr eingestempelt sein, sonst bekommt man sofort eine Abmahnung. Ende vom Lied ist, dass man automatisch in Schweiß ausbricht, wenn man im Stau steht, rote Ampeln überfährt oder vorsichtshalber viel zu früh zur Arbeit kommt.
Nun vom Allgemeinen zum Persönlichen:
Zwischen mir (ich bin Gruppenleiterin) und dem GF war bisher immer ein "Schutzwall" in Form eines Abteilungsleiters geschaltet. So hatte ich mit diesem zu tun und mußte eher selten Dinge mit dem Chef klären. In diesen Situationen habe ich mir des öfteren die ein oder andere "Nickeligkeit" anhören müssen, aber ich wußte immer, dass mir mein Abteilungsleiter Rückendeckung gibt. Für meine Kollegen in der Abteilung war ich immer diejenige mit der dicken Haut. Wenn es was zu tun gab, das Berührungspunkte mit dem Chef vorsah, habe ich das eben gemacht, weil ich die wenigste Angst hatte.
Anfang letzten Jahres war mein Abteilungsleiter für einige Wochen krank und ich mußte meinen Kram direkt mit dem Chef besprechen. Bei dem ersten Gespräch hat er mir sofort vorgehalten, dass ich schlechte Arbeit mache, meine Mitarbeiter nicht im Griff habe. Und wie ich ausserdem an meine vielen Überstunden käme (Tja, extremst viel zu tun und lieber mal früher kommen bevor es eine Abmahnung gibt, s.o.). Seine Sekretärin hätte immerhin früher die Arbeiten, für die ich verantwortlich bin, ganz alleine nebenbei gemacht. In dem Moment war ich so baff, dass ich garnichts mehr sagen konnte (hätte auch nichts gebracht), denn ich bin wirklich ein Mensch, der für seine Arbeit lebt und sich den A.. aufreißt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er an diesem Tag Zahnschmerzen hatte und deshalb so mies drauf war. Aber das ist doch keine Entschuldigung?!?!
Weiter ging es im letzten Jahr dann so, dass ich so gut wie nie direkt mit ihm zu tun hatte, da mein Abteilungsleiter wieder da war, aber in meinem Bereich gab es immer weniger zu tun. Und zwar nicht wegen der Wirtschaftskrise, sondern weil der Chef nie Lust hatte, Projekte zu besprechen oder abzusegnen (da konnte auch mein Abteilungsleiter nichts gegen machen) oder aber er kam auf total utopische Ideen, die wir für ihn bearbeitet haben und die nach 2 Tagen wieder in Tonne geworfen wurden. "Glücklicherweise" wurde eine Kollegin schwanger und eine andere in eine andere Abteilung versetzt, so dass meine beiden Mitarbeiterinnen und ich Aufgaben übernehmen konnten, die die anderen Bereiche nicht schafften.
Die Monate vergingen, die Arbeit wurde immer frustrierender, mein Abteilungsleiter wurde gegen Ende letzten Jahres zum persönlichen Sündenbock des Chefs, wurde täglich angeschrien und persönlich beleidigt. Er hat dann (ohne eine neue Anstellung zu haben) gekündigt. Im Laufe seiner sechsmonätigen Kündigungsfrist hat er glücklicherweise eine Stelle bei einem Konkurrenzunternehmen angenommen.
Und jetzt begann das eigentliche Desaster: da er zur Konkurrenz gehen wird, wurde er Anfang März freigestellt. Alles, was unsere Abteilung angeht, müssen nun wir 3 Gruppenleiter direkt mit dem Chef besprechen. In der ersten Woche hat er sich sofort montags eine ganz tolle Aufgabe für mich überlegt: von nun an sollte ich täglich ein Thema von ihm bekommen und daraus einen Newsletter basteln, der an alle Geschäftspartner geschickt werden soll. Dass diese das allerdings als "Zumüllen" verstehen würden und verärgert sein würden, habe ich mich schon garnicht mehr getraut zu sagen und habe mich stattdessen fleissig ans Werk gemacht. Aber egal was ich gemacht habe, es war falsch. Es kam Sätze wie "Das habe ich gestern gesagt, aber das gilt heute nicht." "Sie hören mir nicht zu." "Das habe ich nie gesagt.". Ich ging also mehrmals am Tag zu ihm, holte mir seine Standpauke ab und arbeitete dann weiter. Ich bin in der Woche morgens um 6 aus dem Haus gegangen, bin um halb neun abends zurückgekommen und habe mich nur schnell zur Pause ausgestempelt, damit keine Zeit abgezogen wird. Ich stand von da an so unter Strom, habe gearbeitet was das Zeug hielt, wartete darauf, dass seine Sekretärin anruft und ich wieder zu ihm mußte. Ich hatte weder die Ruhe, noch die Zeit, andere Aufgaben aus dem Tagesgeschäft zu erledigen oder mich mal um meine Mitarbeiter zu kümmern (die habe ich notgedrungen bei einer Gruppenleiterkollegin gepark). Für´s Essen blieb keine Zeit, wenn ich zu Hause war, konnte ich vor lauter Nervosität nichts mehr essen. Wenn ich zm Chef mußte, bekam ich Herzrasen und schwitzte sofort, denn ich wußte ja nie, was mich erwartete.
Mein Freund hat mich am folgenden Montag sofort zu unserem Hausarzt geschleppt. Ich hatte am Wochenende nur aphatisch auf der Couch gesessen, bin ständig in Tränen ausgebrochen und wußte nicht, was mit mir los ist. Je näher der Montag rückte, desto nervöser wurde ich. Ich fühlte einen regelrechten Druck auf meiner Brust. Mein Arzt hat mich mit der Diagnose Z.56 (Personen mit potentiellen Gesundheitsrisiken aufgrund sozioökonomischer oder psychosozialer Umstände / Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben) zunächst 2 Wochen krankgeschrieben und mir pflanzliche Beruhigungsmittel verordnet.
Nach 2 Wochen bin ich dann zur Arbeit gegangen, weil ich meinte, mich wieder etwas beruhigt zu haben. Pustekuchen! Obwohl der Chef garnicht im Haus war, bin ich sofort im Büro vor der erstbesten Kollegin zusammengebrochen. Bisher hatte ich niemandem gesagt, warum ich krank bin, aber nun wußten natürlich alle Bescheid.
Ich bin also wieder zurück, ab zum Arzt, der so eine Reaktion bereits befürchtet hatte. Seitdem hat sich an meinem Gesundheitszustand nichts geändert: ich breche grundlos in Tränen aus, bin ständig nervös, habe Magenschmerzen, schlafe ohne Tabletten selten ein, bin vergesslich, kann mich auf nichts konzentrieren, gehe nicht ans Telefon oder mache die Tür auf, wenn ich nicht weiß, wer da ist.
Ich kenne mich so überhaupt nicht, denn ich bin bisher immer eine sehr starke und lebensfrohe Person gewesen.
In vielen, langen Gesprächen mit meinem Hausarzt habe ich mich dazu entschieden, das Arbeitsverhältnis zu kündigen. Mein Arzt sieht für mich keine Möglichkeit, dort wieder gesund zu werden. Das Arbeitsamt hat mir bereits zugesichert, dass ich in diesem Fall keine Sperrfrist zu erwarten habe.
Etwas erleichtert durch die Aussage vom Amt, habe ich die Personalleitung meines Unternehmens telefonisch über meinen Zustand informiert. Ich bin dann zu einem persönlichen Gespräch mit der derzeitigen Personalchefin (sie hat ebenfalls zum 30.06. gekündigt) und ihrem Nachfolger gefahren. Die beiden haben sich für mich viel Zeit genommen, wir haben darüber diskutiert, ob es eine Möglichkeit für mich gibt, doch im Unternehmen zu bleiben und sind zu dem Schluss gekommen, dass es das Beste ist, wenn der Chef um einen Aufhebungsvertrag gebeten wird. Die beiden haben angeboten, sich für mich darum zu kümmern, da ich nur Panik habe, wenn ich an meinen Chef denke. Groß und breit haben wir besprochen, was die beiden ihm sagen sollen und was nicht.
Letzte Woche Montag haben die beiden wie besprochen den Aufhebungsvertrag angesprochen und erläutert, dass ich aus gesundheitlichen Gründen (wg. Panikattacken und Angstzuständen) nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten kann. Seine Reaktion: "Die ist nicht krank, die will nur mit Herrn xy zur Konkurrenz. Sie bekommt keinen Aufhebungsvertrag". Buff, Schlag in die Magengrube.
Mir ist also nichts anderes übrig geblieben, als selbst zu kündigen. Lt. Kündigungsfrist muss ich noch bis zum 30.06. bleiben. Ich habe noch einen Urlaubsanspruch auf 5 Tage.
Ich bin nun seit insgesamt 2 Monaten in der AU, habe vorgestern von der KK das Krankengeld schon bis einschließlich 31.05. bewilligt bekommen. Gestern bekam ich nun aber die Aufforderung der KK, beim MDK vorstellig zu werden.
Für mich hört der Horror wohl überhaupt nicht mehr auf.
Lange Rede, kurzer Sinn (meine Ausführungen sind doch länger geworden als gedacht). Wer kann mir Infos, Ratschläge, Antworten geben?
- was will die KK? Ich glaube nicht, dass mein AG hinter der Begutachtung durch den MDK steckt (das hätte mir die Personalchefin vorher gesagt). Wollen die also Therapiemöglichkeiten überprüfen oder schauen, ob ich tatsächlich AU bin?
- wie reagiert der MDK in meinem Fall? Mobbing, Burn-Out, bereits gekündigt
- hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ich bin wirklich mehr als dankbar für jeden Kommentar!!
Verzweifelte Grüße!
Nanna_80
Hallo Profis,
ich habe mich lange durch dieses und ähnliche Foren geblättert und mich nun entschlossen, einen eigenen Beitrag zu starten. Denn ich benötige dringend Tipps, Ratschläge, Erfahrungsberichte von Gleichgesinnten.
Ersteinmal meine Geschichte zur Einschätzung (versuche, mich so kurz wie möglich zu halten).
Ich arbeite seit nunmehr 8 Jahren in einem inhabergeführten Unternehmen (Mitarbeiter > 250, kein Betriebsrat). Die Sozialleistungen und Gehälter liegen über dem Branchenschnitt, aus dieser Sicht ein Traum-Arbeitgeber.
Der geschäftsführende Gesellschafter (zeitgleich auch Gründer der Firma) gilt von jeher als cholerisch. Ich habe in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Bekanntschaft mit seinem Gemüt gemacht, aber da ich wußte, dass bei uns eben jeder mal dran glauben muss, stand ich über dem allen. Die meisten Mitarbeiter haben regelrecht Angst vor diesem Mann und machen alles Mögliche, um bloß nicht in die Schusslinie zu geraten: Er mag bei Frauen keine offenen Haare, also hat man für den Notfall immer ein Haargummi im Büro. Er mag keinen Schmuck, also legt man schnell alles ab, wenn er in der Nähe ist. Eine andere Meinung als seine ist falsch, also spricht man ihm nach dem Mund.....
Mitarbeiter, die näher mit ihm zu tun haben, werden oftmals angeschrien, teilweise persönlich angegriffen. Die Abteilungsleiter verlassen nach und nach das Unternehmen, neue Geschäftsführer, die ihn entlasten sollen, findet er mittlerweile schon kaum noch. Es wurden bereits Mitarbeiter mit dem Krankenwagen abgeholt, Diagnose Burn-Out. Auf sich selbst bezieht er das alles nicht.
Im Rahmen der Gleitzeit durften wir bis spätestens um 9:30 Uhr mit der Arbeit beginnen. Weil jemand, den er sprechen wollte, mal erst kurz nach ihm, aber immernoch vor halb zehn im Haus war, hat er kurzerhand die Kernarbeitszeit auf 8:45 Uhr verschoben. An und für sich kein Problem, kommt man eben was früher, aber: alle müssen um spätestens 8:40 Uhr eingestempelt sein, sonst bekommt man sofort eine Abmahnung. Ende vom Lied ist, dass man automatisch in Schweiß ausbricht, wenn man im Stau steht, rote Ampeln überfährt oder vorsichtshalber viel zu früh zur Arbeit kommt.
Nun vom Allgemeinen zum Persönlichen:
Zwischen mir (ich bin Gruppenleiterin) und dem GF war bisher immer ein "Schutzwall" in Form eines Abteilungsleiters geschaltet. So hatte ich mit diesem zu tun und mußte eher selten Dinge mit dem Chef klären. In diesen Situationen habe ich mir des öfteren die ein oder andere "Nickeligkeit" anhören müssen, aber ich wußte immer, dass mir mein Abteilungsleiter Rückendeckung gibt. Für meine Kollegen in der Abteilung war ich immer diejenige mit der dicken Haut. Wenn es was zu tun gab, das Berührungspunkte mit dem Chef vorsah, habe ich das eben gemacht, weil ich die wenigste Angst hatte.
Anfang letzten Jahres war mein Abteilungsleiter für einige Wochen krank und ich mußte meinen Kram direkt mit dem Chef besprechen. Bei dem ersten Gespräch hat er mir sofort vorgehalten, dass ich schlechte Arbeit mache, meine Mitarbeiter nicht im Griff habe. Und wie ich ausserdem an meine vielen Überstunden käme (Tja, extremst viel zu tun und lieber mal früher kommen bevor es eine Abmahnung gibt, s.o.). Seine Sekretärin hätte immerhin früher die Arbeiten, für die ich verantwortlich bin, ganz alleine nebenbei gemacht. In dem Moment war ich so baff, dass ich garnichts mehr sagen konnte (hätte auch nichts gebracht), denn ich bin wirklich ein Mensch, der für seine Arbeit lebt und sich den A.. aufreißt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er an diesem Tag Zahnschmerzen hatte und deshalb so mies drauf war. Aber das ist doch keine Entschuldigung?!?!
Weiter ging es im letzten Jahr dann so, dass ich so gut wie nie direkt mit ihm zu tun hatte, da mein Abteilungsleiter wieder da war, aber in meinem Bereich gab es immer weniger zu tun. Und zwar nicht wegen der Wirtschaftskrise, sondern weil der Chef nie Lust hatte, Projekte zu besprechen oder abzusegnen (da konnte auch mein Abteilungsleiter nichts gegen machen) oder aber er kam auf total utopische Ideen, die wir für ihn bearbeitet haben und die nach 2 Tagen wieder in Tonne geworfen wurden. "Glücklicherweise" wurde eine Kollegin schwanger und eine andere in eine andere Abteilung versetzt, so dass meine beiden Mitarbeiterinnen und ich Aufgaben übernehmen konnten, die die anderen Bereiche nicht schafften.
Die Monate vergingen, die Arbeit wurde immer frustrierender, mein Abteilungsleiter wurde gegen Ende letzten Jahres zum persönlichen Sündenbock des Chefs, wurde täglich angeschrien und persönlich beleidigt. Er hat dann (ohne eine neue Anstellung zu haben) gekündigt. Im Laufe seiner sechsmonätigen Kündigungsfrist hat er glücklicherweise eine Stelle bei einem Konkurrenzunternehmen angenommen.
Und jetzt begann das eigentliche Desaster: da er zur Konkurrenz gehen wird, wurde er Anfang März freigestellt. Alles, was unsere Abteilung angeht, müssen nun wir 3 Gruppenleiter direkt mit dem Chef besprechen. In der ersten Woche hat er sich sofort montags eine ganz tolle Aufgabe für mich überlegt: von nun an sollte ich täglich ein Thema von ihm bekommen und daraus einen Newsletter basteln, der an alle Geschäftspartner geschickt werden soll. Dass diese das allerdings als "Zumüllen" verstehen würden und verärgert sein würden, habe ich mich schon garnicht mehr getraut zu sagen und habe mich stattdessen fleissig ans Werk gemacht. Aber egal was ich gemacht habe, es war falsch. Es kam Sätze wie "Das habe ich gestern gesagt, aber das gilt heute nicht." "Sie hören mir nicht zu." "Das habe ich nie gesagt.". Ich ging also mehrmals am Tag zu ihm, holte mir seine Standpauke ab und arbeitete dann weiter. Ich bin in der Woche morgens um 6 aus dem Haus gegangen, bin um halb neun abends zurückgekommen und habe mich nur schnell zur Pause ausgestempelt, damit keine Zeit abgezogen wird. Ich stand von da an so unter Strom, habe gearbeitet was das Zeug hielt, wartete darauf, dass seine Sekretärin anruft und ich wieder zu ihm mußte. Ich hatte weder die Ruhe, noch die Zeit, andere Aufgaben aus dem Tagesgeschäft zu erledigen oder mich mal um meine Mitarbeiter zu kümmern (die habe ich notgedrungen bei einer Gruppenleiterkollegin gepark). Für´s Essen blieb keine Zeit, wenn ich zu Hause war, konnte ich vor lauter Nervosität nichts mehr essen. Wenn ich zm Chef mußte, bekam ich Herzrasen und schwitzte sofort, denn ich wußte ja nie, was mich erwartete.
Mein Freund hat mich am folgenden Montag sofort zu unserem Hausarzt geschleppt. Ich hatte am Wochenende nur aphatisch auf der Couch gesessen, bin ständig in Tränen ausgebrochen und wußte nicht, was mit mir los ist. Je näher der Montag rückte, desto nervöser wurde ich. Ich fühlte einen regelrechten Druck auf meiner Brust. Mein Arzt hat mich mit der Diagnose Z.56 (Personen mit potentiellen Gesundheitsrisiken aufgrund sozioökonomischer oder psychosozialer Umstände / Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben) zunächst 2 Wochen krankgeschrieben und mir pflanzliche Beruhigungsmittel verordnet.
Nach 2 Wochen bin ich dann zur Arbeit gegangen, weil ich meinte, mich wieder etwas beruhigt zu haben. Pustekuchen! Obwohl der Chef garnicht im Haus war, bin ich sofort im Büro vor der erstbesten Kollegin zusammengebrochen. Bisher hatte ich niemandem gesagt, warum ich krank bin, aber nun wußten natürlich alle Bescheid.
Ich bin also wieder zurück, ab zum Arzt, der so eine Reaktion bereits befürchtet hatte. Seitdem hat sich an meinem Gesundheitszustand nichts geändert: ich breche grundlos in Tränen aus, bin ständig nervös, habe Magenschmerzen, schlafe ohne Tabletten selten ein, bin vergesslich, kann mich auf nichts konzentrieren, gehe nicht ans Telefon oder mache die Tür auf, wenn ich nicht weiß, wer da ist.
Ich kenne mich so überhaupt nicht, denn ich bin bisher immer eine sehr starke und lebensfrohe Person gewesen.
In vielen, langen Gesprächen mit meinem Hausarzt habe ich mich dazu entschieden, das Arbeitsverhältnis zu kündigen. Mein Arzt sieht für mich keine Möglichkeit, dort wieder gesund zu werden. Das Arbeitsamt hat mir bereits zugesichert, dass ich in diesem Fall keine Sperrfrist zu erwarten habe.
Etwas erleichtert durch die Aussage vom Amt, habe ich die Personalleitung meines Unternehmens telefonisch über meinen Zustand informiert. Ich bin dann zu einem persönlichen Gespräch mit der derzeitigen Personalchefin (sie hat ebenfalls zum 30.06. gekündigt) und ihrem Nachfolger gefahren. Die beiden haben sich für mich viel Zeit genommen, wir haben darüber diskutiert, ob es eine Möglichkeit für mich gibt, doch im Unternehmen zu bleiben und sind zu dem Schluss gekommen, dass es das Beste ist, wenn der Chef um einen Aufhebungsvertrag gebeten wird. Die beiden haben angeboten, sich für mich darum zu kümmern, da ich nur Panik habe, wenn ich an meinen Chef denke. Groß und breit haben wir besprochen, was die beiden ihm sagen sollen und was nicht.
Letzte Woche Montag haben die beiden wie besprochen den Aufhebungsvertrag angesprochen und erläutert, dass ich aus gesundheitlichen Gründen (wg. Panikattacken und Angstzuständen) nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten kann. Seine Reaktion: "Die ist nicht krank, die will nur mit Herrn xy zur Konkurrenz. Sie bekommt keinen Aufhebungsvertrag". Buff, Schlag in die Magengrube.
Mir ist also nichts anderes übrig geblieben, als selbst zu kündigen. Lt. Kündigungsfrist muss ich noch bis zum 30.06. bleiben. Ich habe noch einen Urlaubsanspruch auf 5 Tage.
Ich bin nun seit insgesamt 2 Monaten in der AU, habe vorgestern von der KK das Krankengeld schon bis einschließlich 31.05. bewilligt bekommen. Gestern bekam ich nun aber die Aufforderung der KK, beim MDK vorstellig zu werden.
Für mich hört der Horror wohl überhaupt nicht mehr auf.
Lange Rede, kurzer Sinn (meine Ausführungen sind doch länger geworden als gedacht). Wer kann mir Infos, Ratschläge, Antworten geben?
- was will die KK? Ich glaube nicht, dass mein AG hinter der Begutachtung durch den MDK steckt (das hätte mir die Personalchefin vorher gesagt). Wollen die also Therapiemöglichkeiten überprüfen oder schauen, ob ich tatsächlich AU bin?
- wie reagiert der MDK in meinem Fall? Mobbing, Burn-Out, bereits gekündigt
- hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ich bin wirklich mehr als dankbar für jeden Kommentar!!
Verzweifelte Grüße!
Nanna_80
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