Zitat von Nasi Gorent Beitrag anzeigen
Hallo zusammen,

nachdem ich schon mehrmals im Forum mitgelesen habe, habe ich mich nun nach langem Überlegen angemeldet und möchte Euch meine Geschichte erzählen:

Ich arbeite seit über 10 Jahren in einer mittelständischen Firma mit ca. 150 Mitarbeitern.
Vor 2 Jahren wurde ich schwanger und habe - mit Absprache meines damaligen Vorgesetzten und des Personalchefs das ok erhalten, dass ich nach den 8 Wochen nach Entbindung 1 Jahr von zuhause aus im Homeoffice arbeiten kann. 1 Tag bevor ich dann in Mutterschutz ging hiess es plötzlich von meinem damaligen Vorgesetzten, dass es nicht erwünscht sei, dass ich von zuhause aus arbeite. Der neue Geschäftsführer (seit ca. 3 Jahren im Betrieb) möchte dies nicht.
Ich ging daraufhin zum Geschäftsführer, da ich ja bereits alle Unterlagen (Laptop und Mobiltelefon) zuhause hatte und alles abgesprochen war. Er entgegnete mir anfangs nur, dass es nicht mehr gewünscht ist - ich sagte ihm, dass es mir aber versprochen wurde und ich davon ausgehe, dass es klappt. (Anm: Ich habe zuhause, dadurch, dass mein Mann selbständig ist und sich seine Zeit gut einteilen kann, eine große Unterstützung. Ausserdem wollte ich nicht mit Ende 30 ganze aus dem Berufsleben raus sein.) Der GF erwiderte mir dann nur "wenn es mir versprochen wurde, dann ok - aber ich wäre die letzte". Ok - weshalb nur diese Aufregung?

Ich arbeitete also nach der Entbindung (und auch innerhalb den 8 Wochen!!!!) 1/3 meiner regulären Arbeitszeit. Ich hatte das Mobiltelefon der Firma von 9 bis ca 18 Uhr immer eingeschaltet, falls doch ein Kollege dringend etwas von mir benötigte - ebenfalls hat man mich wochenends und auch nach 18 Uhr kontaktiert. - dies nur zu Eurer Info, für das Nachfolgende.

Nach meines 1. Jahres Elternzeit habe ich mit meinem damaligen Vorgesetzten besprochen, dass ich halbtags für das 2. Jahr arbeiten möchte. Ich habe mich auch mit der Kollegin, die für mich vor Ort im ersten Jahr kam abgestimmt und wir haben und die Tage so aufgeteilt, dass wir eine Woche 2 und eine Woche 3 volle Tage arbeiten möchten. Da sie auch ein kleines Kind hat, haben wir uns untereinander so arrangiert - mit meinem damaligen Vorgesetzten abgestimmt und abgesegnet. Die entsprechenden Verträge wurden auch so unterschrieben.

3 Wochen bevor ich nun wieder vor Ort anfangen sollte, hiess es nun, dass mein Aufgabengebiet aus dem Bereich in dem ich zuvor gearbeitet habe ausgeliedert wird und ich nun direkt dem Geschäftsführer unterstellt bin.
Ich daraufhin einen Termin mit meinem neuen Chef gesucht, um mit ihm zu sprechen, ob er überhaupt weiss, was ich bisher alles in der Firma geleistet habe.
Das Gespräch war sehr ernüchternd.....er wusste gar nichts von mir (er hatte über 1 Woche Zeit sich meine Personalakte durchzulesen) - ich habe ihm also meinen Werdegang dargelegt und ihn auch gefragt, ob er überhaupt von meinen Zeiten Bescheid weiss, wie ich im 2. Jahr arbeite.
Er wusste von nichts...wusste aber, mit wem ich in der Firma befreundet war (Anm: die Kollegin wurde kurz zuvor rausgemobbt) und wusste, dass ich mir einen Bauernhof gekauft hätte......(Anm: war ein ganz normales Häuschen, ca. 60km von der Firma entfernt......) - kam mir da schon sehr komisch vor.
Auf jeden Fall hat er darauf bestanden, dass ich täglich in der Firma zu erscheinen habe. die 2/3-Tage Woche möchte er so nicht haben.
Ich nun das Ganze mit meinem Mann besprochen und wir sind dann übereins gekommen, dass ich anstatt halbtags nun 3/4 arbeite - damit sich die Fahrerei überhaupt lohnt, sonst arbeite ich nur für die Spritkosten.
Also wieder einen Termin mit dem GF gesucht, um ihm das mitzuteilen.
Er entgegnete mir nur: "Haben Sie überhaupt genug Arbeit?"
Auf jeden Fall dachte ich damals, dass er als GF das so festlegen kann, dass ich den ursprünglichen Vertrag nicht mehr geltend machen kann (jetzt bin ich auch schlauer).
Ok - also neuer Vertrag und angefangen zu arbeiten.
Mein neuer Arbeitsplatz war auch ganz anders - ein einsames Büro ohne großen Kollegenkontakt, also das genaue Gegenteil von vorher, wo ich Dreh und Angelpunkt des Geschäftsbereiches war.

Dann haben wir die Hiobsbotschaft erhalten, dass unser Kind nicht wie ursprünglich geplant im März in den KiGa kommt, sondern auf August verschoben wird.
(Anm: Mein Mann hat bisher seit knapp 3 Jahren nichts mehr für sich gearbeitet, ist im Moment auch am Haus renovieren.)
Ich habe also einen Termin mit dem GF gesucht, mit der Bitte, ob es nicht doch möglich wäre, dass ich zumindest 2 Tage in der Woche von zuhause aus arbeiten kann. Habe mich auch abgeboten, ganztags erreichbar zu sein und und und.....habe ihn nochmals darauf angesprochen, dass es ja ursprünglich so ausgemacht war und es sich nur um mein 2. Elternjahr dreht, im 3. wäre ich ja wieder Vollzeit dabei.
Habe auch erwähnt, dass ich für die Kollegen bis spät abends erreichbar war und sogar in den 8 Wochen nach Entbindung gearbeitet habe (es gab e-Mail Verkehr) - er entgegnete mir nur dass ich ja nicht für die Firma gearbeitet hätte, sondern für mich.
Nach langem hin und her sagte er mir dann nur, dass er Rücksprache halten müsste und mir nochmals Bescheid gibt (Anm: er ist für seine Entscheidungsfreudigkeit in der Firma auch nicht gerade berühmt.)

Beim nächsten Termin meinte er, dass er mit meinem alten Chef gesprochen hätte und dieser aber ihm mitgeteilt hat, dass er von keiner Abmachung mit mir wüsste!
Das hat mir den Boden unter den Füssen weggezogen!!! Ich war total baff und da ich leider auch recht nah am Wasser gebaut bin, liefen die Tränen und die Wut und ich habe meinen alten Chef als Lügner bezeichnet. Ihn gefragt, ob er nicht di eKollegin der Personalabteilung gefragt häte oder die Kollegin mit der ich die Tage aufgeteilt habe. Nein, hatte er nicht - er hat nur meinen Ex-Chef gefragt und er "wusch seine Hände in Unschuld". Für den GF war das Thema aber erledigt.
Ich war total fix und alle.
Mit meinem Mann nun das Ganze besprochen.......er war auf 180 und wäre am liebsten am nächsten Tag mit mir in die Firma um meinen Ex-Chef am Kragen zu packen!
Wir darüber geschlafen und abgemacht, dass ich meine Arbeit mache und fertig.

Ich war dann auch krank, wenn ich krank war - habe immer einen Schein vom Arzt abgegeben - habe für mich gesagt, dass ich nicht mehr krank in die Firma gehe, wird ja eh nicht gedankt.... so ging das ca 3 Monate.
Bis der neue Personalchef (ein ehem. Kollege der Vorfirma des GFs) - den alten Personalchef haben sie entlassen - mich auf meine Kranktage und Stunden angesprochen hat. Anm: Ich habe in meinem Jahr Homeoffice einiges an Überstunden angesammelt und hier und da jeweils eine Stunde abgebaut - war bisher in der Firma auch nie ein Problem.
Auf jeden Fall kam mir der Perso-Chef als sehr verständnisvoll rüber und wollte Bescheid wissen....ihm habe ich die ganze Geschichte erzählt. Naja, gebracht hat es nix.

Auf jeden Fall habe ich dann mit unserem Vertrauensmann gesprochen (Anm: ein Betriebsrat wird nicht erwünscht und es wurde auch schon en Kollege entlassen, der sich mit dem Thema auseinander gesetzt hat.) - ich habe also unserem Vertrauensmann meine ganze Geschichte erzählt. Er entgegnete mir nur, dass er von meinen Ex-Chef eh nichts hält und dass das berufliche was er mit ihm zu tun hat ihm reicht und er sich über die Reaktion nicht wundert.
Ich habe ebenfalls mit der Kollegin der Perso-Abteilung gesprochen, die ja den Vertrag aufgesetzt hat und sie hat mir bestätigt, dass sie ja mit meinem Ex-Chef darüber gesprochen hatte. Als ich ihr davon erzählte antwortete sie mir nur: "So kenne ich ihn, das wundert mich nicht - er hält sich immer schön aus allem raus."

Kurz darauf, nachdem ich mit dem Vertrauensmann gesprochen habe, kam dann wieder der Personalchef auf mich zu, um mir mitzuteilen, dass man sich über mich beschwert hätte, ich würde nicht gut arbeiten und Fehler machen (???????) - ich habe ihm entgegnet, dass mir das neu ist, und wenn einer ein Problem hätte, er auch gerne mir das persönlich sagen kann. Anm: Ich komme immer mit allen Kollegen super gut aus, war nie ein Problem.
Ich habe mich diesbzgl. ziemlich aufgeregt - er entgegnete aber wiederum, dass ja nun alles wieder in Ordnung wäre und meine Arbeit wieder gut wäre.
???Weshalb wieder diese Aufregung????? Er meinte noch, dass ich das Ganze doch "gut sein lassen soll" und es schlucken soll, wie in der Vergangenheit auch und ob es nicht für meine Gesundheit besser wäre, wenn ich mir einen anderen Job suche.

Er hat mir dann ein Schreiben gegeben, welches ich unterzeichnen sollte, in dem stand drin, dass ich darauf zu achten habe, immer rechtzeitig und richtig zu arbeiten und dass ich ab dem 1. Kranktag eine Bescheinigung vorlegen muss (habe ich ja eh gemacht).
???Wieso soll ich das unterschreiben, wenn er mir gesagt hat, es wäre "alles wieder ok"?????
Ich habe nur entgegnet, dass ich innerhalb 5 Minuten nichts unterschreibe und er meinte, sie würden es mir nach hause schicken. (Es war ein Freitag Mittag.)
Da dachte ich mir nur: Ich bin ruhig - für mich stand fest, dass ich am Montag gleich zum Anwalt gehe.
Das Schreiben kam dann übrigends gleich am Samstag per Einschreiben nach hause......

Das war´s erst einmal.......die Grundgeschichte - entschuldigt bitte, dass es doch ein recht langer Text geworten ist. Ich bin sehr gespannt wie Ihr die Sache seht und danke Euch schon jetzt für Eure Antworten.

Viele Grüße,
Nasi

P.S.: Kann sein, dass ich das ein oder andere in meinem "Schreibwahn" vergessen habe - fragt einfach nach, wenn Ihr noch etwas wissen wollt.
Und: Seit diesem Tag, an dem ich beim Anwalt war bin ich nun vom Arzt her krank geschrieben.