Ich lass keinen mehr rein! Vergrabe mich in meinen eigenen vier Wänden.
Geh nicht an die Klingel, überlege sogar sie Abzustellen. Die Haustür ist verriegelt. Mein Herz pocht und rennt mir davon. Ich habe Angst! Wer will etwas von mir? Selbst wenn es der Paketdienst wäre. Ich zittere. Das Herz klopft mir bis zum Halse. Gleichzeitig fällt mir das Atmen schwer! Ich halte die Luft an!
Nach einem Seufzer öffne ich die Eingangstür, sobald ich mir sicher bin, keinen Unbekannten an der Tür stehen zu haben. Meist schaue ich oben aus einem der Zimmer verstohlen nach dem Besucher. Oft sind es andere Kinder, die mit meinem Kind spielen wollen. Was für ein Nervenkrieg!
An das Telefon gehe ich selten. Wenn ein unbekannter Anrufer dran ist, gehe ich überhaupt nicht mehr dran. Bei Verwandten und Bekannten nur mit viel Mut. Mein Herz pocht wie wild.
Ich habe keine Lust die Post zu öffnen.
Ich bekomme richtig gehend Schweißausbrüche sobald die Post da war. Ich zwinge mich!
Ich kann nicht mehr samstags, wenn sich ein Einkaufswagen vor den anderen schiebt, Einkaufen gehen. Ich bekomme Platzangst. Ein beklemmendes Gefühl beschleicht mich. Ich könnte heulen!
Hier daheim wenn alles ruhig um mich herum ist, fühle ich mich geborgen. Ich vertrage keinen Lärm mehr! Folge Unruhe und das Gefühl flüchten zu müssen.
Die Obszönität liegt im Blickfeld des Betrachters. Ich könnte den Ort verlassen. Ich könnte für immer fort gehen, nie wieder zurück kommen. Flucht im eigenen Land. Aber ich kann nicht. Ich fühle mich wie mit einer elektronischen Fußfessel an den Ort im hier und jetzt angekettet.
Ich zwinge mich zum Laufen, Essen, Anwesend sein im hier und jetzt, Fröhlich sein, ... Aber ganz tief in mir hat mein "Ich" aufgegeben. Dort brennt sich ein pechschwarzes Loch ein. Kann ich es je wieder kitten? Wer weiß?
Ich überstehe den Alltag. Aber wo bin "Ich"? Was ist aus mir geworden? Ich war ein fröhlicher offenherziger Mensch. Hatte viele Freunde. War gerne aus. Habe gerne Reisen unternommen. Und jetzt? Bin ich genau das Gegenteil.
Klar ich habe heute die Zähne gezeigt! Ich habe meinen ganzen Mut zusammen genommen! Nächstes Mal komme ich rüber! Um einen "Guten Tag!" zu wünschen. Unbekannterweise! Ich bleibe hier. Ich muss mir aber nicht alles gefallen lassen.
Habe mich aufrecht hingestellt und dem netten Herrn gegenüber freundlich zugenickt. Ihm war das sehr unangenehm! Ja wäre mir auch, wenn ich jemandem stundenlang folgen würde. Und der sich mich dann ganz genau ansieht...