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Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

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  • #46
    AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

    @ Trauerweide

    Zunächst einmal möchte ich noch mal schreiben, dass es mir leid tut, dass ich dein Hilfsangebot nicht angenommen habe.
    Es kam sicherlich unehrlich bei dir an, weil ich nicht gleich abgelehnt hatte. Doch ich hatte mir wirklich vorgenommen, dir zu schreiben, aber leider konnte ich mich nicht aufraffen. Trotzdem hast du Recht, dass ich im allgemeinen ein Problem damit habe, NEIN zu sagen.

    Anjin ist in ihrem letzten Beitrag ganz schön hart mit mir ins Gericht gegangen. Das musste ich erst einmal verdauen.
    Im nachhinein weiß ich aber, dass es stimmt, was sie geschrieben hat. Ich war auch lange Zeit zu naiv, das Spielchen meines Chefs zu durchschauen.

    Du hast geschrieben, dass ich wie ein Seelchen rüberkomme. Stimmt, auch wenn ich gerne anders wäre. Ich bin ein viel zu sensibler und weichherziger Mensch, nicht nur bei mir selbst, sondern auch was Mitgefühl anderen gegenüber betrifft. Ich bin daher sehr leicht zu manipulieren. Auch fällt es mir oft schwer, die Absichten anderer zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

    Auch wenn es nicht hierher gehört, aber dieser Charakterzug ist mir schon mein ganzes Leben lang ein Hindernis, denn er wurde nicht einmal besonders geschätzt. Ich wurde zu oft belogen, ausgenutzt und ausgelacht.
    Irgendwie hatte ich immer das Empfinden, dass ich nicht richtig bin, so wie ich bin. So habe ich immer versucht, meine ganzen "Makel" durch übertriebene Höflichkeit und teilweise unterwürfiges Verhalten zu kompensieren.

    Vor zwei Jahren wurde bei mir auch noch eine Erkrankung diagnostiziert, die eine Schwerbehinderung ist. Seitdem ist mein eh schon fragiles Selbstwertgefühl noch mehr in den Keller gegangen. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, habe auch niemanden, dem ich mich da anvertrauen kann. Meine Eltern sind alt und haben selbst gesundheitliche Probleme. Für sie würde eine Welt zusammenbrechen, wenn sie davon erfahren würden und das kann ich ihnen nicht antun.
    Kaum ein Arbeitgeber würde mich einstellen, wenn ich die Erkrankung angeben würde. Zum Glück besteht da bei einem Bürojob auch keine Notwendigkeit. Trotzdem denke ich oft, dass ich geradezu dankbar sein muss, wenn mein Chef mir nicht kündigt. Denn ich weiß, dass ich trotz aller Gewissenhaftigkeit manchmal unzulänglich bin in meinen Leistungen.

    Was meinen Chef betrifft, so muss ich sagen, dass er seit einer Woche wie ausgewechselt ist.
    Er ist plötzlich ganz sachlich, teilweise auch freundlich. Es hat keine sexuellen Anspielungen mehr gegeben.
    Heute hat er wieder über privates gesprochen und es waren ganz normale Dinge.
    Ich möchte nicht an eine große Veränderung glauben, aber vielleicht hält er sich jetzt doch etwas mehr zurück und die Zusammenarbeit mit ihm wird erträglicher?

    Danke deiner Nachfrage bezüglich meiner Bewerbung.
    Ich habe gestern bei der Firma nachgefragt, ob schon eine Entscheidung getroffen worden ist.
    Die Personalchefin sagte mir, dass meine Bewerbung schon mal nicht auf dem Stapel Absagen gelandet sei. Bevor eine endgültige Entscheidung getroffen würde, würde aber wahrscheinlich noch ein Gespräch mit der Geschäftsleitung stattfinden. Genaueres würde ich nächste Woche erfahren.
    Mich hat auf jeden Fall gefreut, anscheinend keinen schlechten Eindruck hinterlassen zu haben.

    Entschuldigt, dass ich nicht eher eine Rückmeldung gegeben habe.

    Liebe Grüße,
    Cindra
    Cindra
    Erfahrenes Forumsmitglied
    Zuletzt geändert von Cindra; 16.08.2017, 20:12.

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    • #47
      AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

      Hallo Cindra,

      wenn du eines nicht von dir denken darfst, dann, dass du Makel hast und diese "falsch" sind. Jeder von uns hat seine kleinen oder größeren Macken. Und weißt du was?! Drauf gesch....!
      Aber tröste dich. Auch ich musste erst lernen, dass mich immer zu verstellen, mich immer anzugleichen zu versuchen, der komplett verkehrte Weg ist. Mir ist auch ähnliches passiert, wie dir. Die Leute waren nie "zufrieden" mit mir, stellten immer höhere Ansprüche. Ich galt immer als die liebe, ruhige, vernünftige, fleißige (und schüchtern war ich auch noch dazu) usw bla bla bla... und fielen eines Tages völlig aus den Wolken, als ich mich weigerte, weiterhin deren Vorstellungen hinter her zu rennen, bzw. auch noch eines ihrer Spielchen, die sie versuchten mit mir zu treiben, mitmachte.
      Das ist einfach ein Lernprozess, bei dem jeder selbst entscheiden muss, wann er soweit ist. Man kann es auch Selbsterhaltungsinstinkt nennen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man auch einmal hart bleiben muss. Man kann nicht sein ganzes Leben damit verbringen, ständig die Ansprüche anderer zu erfüllen. Dann bleibt das eigene Leben und auch die Selbstachtung irgendwann auf der Strecke.

      Darf ich nachfragen, was das für eine Erkrankung ist, die dich plagt? Es belastet dich doch sehr, bisher mit niemandem darüber reden zu können. Vielleicht hilft es dir, dass wir hier alle anonym sind - aber trotzdem zuhören und füreinander da sind.

      Zu deinem Chef. Traue dem Frieden bitte nicht. Wenn er weiterhin auf der sachlichen Ebene bleibt, ist das zwar mit Sicherheit erholsam für dich. Ich traue dem Mann aber dennoch nicht über den Weg. Pass auf, dass er dich nicht wieder einwickelt, sprich dich erst in "Sicherheit" wiegt und dann doch in sein altes Verhalten zurück rutscht.
      Deine "Unzulänglichkeit" bei der Arbeit. Fehler passieren jedem. Manche können sie nur besser überspielen oder es ist ihnen schlichtweg egal. Ein bisschen "egal" solltest du dir auch versuchen anzueignen. Du bist keine Maschine, die täglich ihr Arbeitspensum herunter rattert. Wenn es dir möglich ist, teile dir die Arbeit ein bisschen anders ein. Manche Fehler passieren auch, wenn man gegen seine Konzentration arbeitet. Außerdem muss man nicht einen "Schnelligkeitswettbewerb" lostreten bei der Arbeit. Nimm dir die Zeit, die du brauchst und wenn du halt 5 min länger brauchst, dafür aber genauer gearbeitet hast, kann auch keiner meckern.
      Ich bin auch kein Konzentrationsgenie und habe mir angewöhnt, mir die "harten Fälle" morgends, wenn ich noch "frisch im Kopf bin" vorzuknöpfen. Den Kleinkram dann danach - oder auch als "Entspannung" zwischendrin. Hauptsache, gegen Ende des Tages sind die wichtigsten Dinge erledigt. Und wenn vom Kleinkram noch etwas übrig ist, ist dafür auch am nächsten Tag noch Zeit. Bisher hatte mein Chef jedenfalls daran nichts auszusetzen.

      Wie gesagt, versuche damit aufzuhören, es immer anderen Recht machen zu wollen. Das geht schlichtweg nicht. Versuche, deinen eigenen Rhytmus zu finden, dann werden auch die "Unzulänglichkeiten" weniger und du gewinnst mehr Selbstvertrauen.
      Ilythia
      besonders erfahrenes Mitglied
      Zuletzt geändert von Ilythia; 16.08.2017, 22:02.

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      • #48
        AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

        Hallo Ilythia,

        danke für deine nette und sehr verständnisvolle Antwort.
        Es ist richtig wohltuend mal verstanden zu werden, weil es im realen Leben so selten der Fall ist.

        Es stimmt schon, dass jeder seine Macken hat, nur hatte ich schon immer das Gefühl, dass mir meine besonders angekreidet wurden. So oft hieß es: zu still, zu sensibel, zu tollpatschig, zu langsam, zu schusselig, zu langweilig, zu weltfremd, zu naiv,...
        Ich hatte häufig das Gefühl, ein ganz anderer Mensch sein zu müssen, als der, der ich wirklich bin. Schon in meiner Kindheit vermittelte mir mein Vater, dass ich überhaupt nicht in die Welt passe. Daher habe ich mich schon in ganz jungen Jahren oft gezwungen gesehen, mich anzupassen, nur kein falsches Wort sagen, tun, was andere von mir erwarten. Glücklich war ich damit natürlich nie.

        Ich bin froh, dass du mich verstehst, weil du früher wohl ähnlich warst wie ich.
        Es ist schwer zu lernen, NEIN zu sagen. Auch ich habe es schon geschafft, im Privatleben "Freunde" in die Flucht zu schlagen, wenn ich mal nicht das tat, was sie wollten. Manchmal wollte ich auch einfach ihr Verhalten nicht mehr hinnehmen und habe ihnen die Meinung gesagt. Auch daraufhin wurde teilweise der Kontakt abgebrochen, denn Kritik kannte man ja von mir nicht.

        Wahrscheinlich bin ich deswegen im Berufsleben umso vorsichtiger, gerade meinem Chef gegenüber.
        Eigentlich bin ich froh, dass er sich jetzt mal eine Woche mit Beleidigungen und sexuellen Anspielungen zurückgehalten hat. Einverstanden bin ich aber nicht mit MEINEM Verhalten, denn ich habe daraufhin schon fast eine Schleimspur hinter mir hergezogen. Nur in der Hoffnung, dass es jetzt so bleibt und sein Umgang mit mir fairer wird! Ich schaffe es nicht, mich von ihm zu distanzieren und ihm höflich, aber bestimmt zu zeigen, was ich von ihm halte.
        Heute war er wirklich ausgesprochen locker drauf. Doch du hast natürlich Recht. Ich sollte dem Frieden nicht trauen, und es ist vielleicht nur die Ruhe vor dem Sturm.

        Mein Chef hat mir schon oft zu verstehen gegeben, dass er mit meinen Leistungen nicht hochzufrieden ist.
        Vor Monaten hatte ich wirklich mal eine schlechte Phase. Da meinte er so gönnerhaft, dass es wie in einer Ehe sei. Man sei nicht immer glücklich, aber solange man im allgemeinen zufrieden sei, sei alles ok. Wir beide würden das schon noch hinbekommen.
        Ich weiß selbst, dass ich manchmal zu unkonzentriert bin, vor allem, wenn ich wieder mal so schlecht geschlafen habe. Mein Arbeitstempo lässt dann auch zu wünschen übrig.

        Die Erkrankung, die bei mir vor zwei Jahren diagnostiziert wurde, ist Epilepsie. Für mich war das ein schwerer Schlag, weil ich mit so etwas nie gerechnet hatte! Ich habe die Diagnose bis heute nicht verarbeitet. Ich habe versucht, mit einigen Bekannten darüber zu sprechen, doch es gab nur abwehrende Reaktionen. Die Nebenwirkungen des Antiepileptikums sind auch sehr belastend. Nach wie vor muss ich aufs Autofahren verzichten, weil ich noch kein Jahr anfallsfrei bin.
        Na ja, aber damit muss ich jetzt leben. Sicherlich gibt es schlimmeres, aber Epilepsie ist auch in der heutigen Zeit noch ein Tabuthema, ein Stigma. Der Austausch mit anderen Betroffenen würde mir sicherlich gut tun, aber leider gibt es an meinem Wohnort oder in der näheren Umgebung keine Selbsthilfegruppe.

        Ich muss mich oft zusammenreissen, dass meine Gedanken nicht zu oft um die Erkrankung kreisen. Denn ich habe ja auch einige andere Baustellen zu bearbeiten.
        Cindra
        Erfahrenes Forumsmitglied
        Zuletzt geändert von Cindra; 16.08.2017, 22:36.

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        • #49
          AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

          Antwort gelöscht
          Cindra
          Erfahrenes Forumsmitglied
          Zuletzt geändert von Cindra; 16.08.2017, 22:44. Grund: Beitrag versehentlich doppelt abgeschickt

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          • #50
            AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

            Hallo Cindra,

            wer um alles in der Welt hat dir eingeredet, dass Epilepsie ein Stigma ist? Oder ein Tabuthema? Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass man eine derartige Diagnose "nicht gerne hört" und auch erst einmal geschockt ist. Aber ein Weltuntergang ist es auch nicht. Sicher sind die Einschränkungen, die man dadurch hat für einen selbst im ersten Moment auch belastend, aber man muss sich daran auch nicht messen. Manche verbringen ihr ganzes Leben mit dieser Krankheit und denken auch nicht dauernd schicksalshadernd darüber nach. Sie gehen einfach ihren Weg, leben ein ganz normales Leben und es interessiert sie nicht, was andere denken.
            Genau das solltest du auch tun.
            Schau nach vorne Cindra und vergrabe dich nicht mit einer Krankheit, an der du nichts ändern kannst. Selbstmittleid ist hier fehl am Platz. Für Epilepsie braucht man sich in keinster Weise schämen. Ich denke, da bürdest du dir selbst ein Drama auf, wo keines ist.
            Es stellt sich auch die Frage, was du für Reaktionen von deinen Mitmenschen erwartest, wenn du davon erzählen würdest. Erwartest du Mitleid, Verständnis, Rücksichtnahme? Oder, dass die Leute in deiner Umgebung zwar informiert sind, dich aber weiterhin ganz normal behandeln?
            Also, mir würde ständiges mitleidiges Getüddel auf die Nerven gehen.

            Es tut mir leid, wenn ich das eher sachlich sehe. Ich möchte dich dadurch weder verletzen, noch das Thema banalisieren. Aber für mich persönlich zählt der Mensch selbst und sein Charakter und nicht, welche Krankheiten derjenige hat. Darüber definiere ich denjenigen nicht. Ob man in bestimmten Situationen dann Rücksicht nimmt, ergibt sich von selbst.

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            • #51
              AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

              Liebe Cindra,

              ich muss nun doch ein wenig umschwenken. Ich weiß nicht, inwieweit die anderen Betroffenen, die hier antworten, nachvollziehen können, wie eine Schwerbehinderung einen Menschen in eine Ecke rücken kann, in der er eigentlich nicht will.

              Ich bin schwerbehindert, habe eine mittelleichte Gehbehinderung und eine Wirbelsäulenerkrankung (Op). Ab Ende 20, Anfang 30 bin ich tatsächlich deswegen im Berufsleben angefeindet worden. Immer dann, wenn sich Möglichkeiten intern ergaben, eine besser dotierte Stelle zu erreichen, wurde ich gedrückt. Offen unter Zeugen spricht niemand das aus, das wäre beweisbar. Unter vier Augen hat man mir sehr direkt gesagt, dass eine körperlich Gebrechliche gerade genug bekäme.

              Was Deine Epilepsie betrifft...nimmst Du Carbamazepin o. ä.? Ich kenne mich etwas aus. Nach intensivem Mobbing bin ich schwer erkrankt, habe u. a. einen langsam wachsenden, gutartigen Tumor an der Hirnhaut und zum Glück keine Anfälle, die mich aber treffen könnten. Da ich längere Zeit in einem Forum für Hirntumorbetroffene und Angehörige Moderatorin war, kenne ich Menschen, die unter epileptischen Anfällen leiden, wenn auch aus einem anderen Grund als Du, Cindra.

              Warum willst Du Dich damit verstecken, selbst erniedrigen? Eine Krankheit macht einen Menschen nicht weniger wertvoll oder liebenswert, auch wenn Teile unserer Gesellschaft das leider so sehen. (Es sind übrigens alle Bevölkerungsschichten, da gibt es weder rechts noch links, schwarz oder weiß).

              Du solltest Menschen am Arbeitsplatz ins Vertrauen ziehen. Es kann immer mal sein, dass Dich ein Anfall - fokal oder generalisiert - trifft, was ich nicht hoffe. Was dann? Du brauchst dann professionelle Hilfe und eine Erstversorgung. Die unterliegt anderen Regeln als üblich.

              Ich habe mich immer als einen vollwertigen Menschen gesehen. Fehler macht jeder einmal, eine schlechte Phase durchlebt auch jeder. Der Unterschied ist, dass von schwerbehinderten Mitarbeitern 200 %ige Leistung erwartet wird, dass man bei ihnen genauer hinschaut, dass man kritischer urteilt.

              So kam es, dass ein Kollege mich anschwärzte, weil ich während der Arbeitszeit eine Tasse Kaffee trank. Beim Chef habe ich dann aber auch nicht mehr geschwiegen, dass just dieser Kollege Spirituosen im Kühlschrank in seinem Büro lagert, dass er zig Male in einer Stunde zur Zigarettenpause geht, dass er Fußballwetten über Internet abschließt und Ebay-Auktionen startet und beobachtet - während der Arbeitszeit. Damit habe ich mich zwar unbeliebt gemacht, aber ich war froh, mich gegen so einen Kinderkram gegen das, was er veranstaltete, gewehrt zu haben. Der Chef hatte sehr wohl mitbekommen, was in seinem Team läuft, war aber zu schwach, gegen die Mehrheit anzugehen.

              Eine Krankheit oder Behinderung ist kein Grund, im übertragenen Sinne, dankbar auf die Knie zu gehen und sich mit einer Ecke im Büro zufrieden zu geben oder jede noch so fiese Erniedrigung hinzunehmen.

              Ich verstehe Deine Denkweise, weil ich mich oft über ebenfalls schwerbehinderte Kollegen aufgeregt habe, die alles mit sich haben machen lassen, weil sie sich selbst als minderwertig betrachten, weil man es ihnen bewusst oder subtil so vermittelt.

              Würden wir zusammenhalten und uns solidarisieren, wäre Diskriminierung von Behinderten nicht mehr das Thema.

              Für die zweite Runde bei Deiner Bewerbung drücke ich weiterhin die Daumen.

              Liebe Grüße
              Trauerweide
              Pfirsichblüte
              besonders erfahrenes Mitglied
              Zuletzt geändert von Pfirsichblüte; 17.08.2017, 08:59.

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              • #52
                AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

                Warum willst Du Dich damit verstecken, selbst erniedrigen? Eine Krankheit macht einen Menschen nicht weniger wertvoll oder liebenswert,
                Dem möchte ich absolut zustimmen.

                Ich möchte dir aber auch sagen, dass du damit offener umgehen solltest. Auch in diesem Punkt hat Trauerweide Recht, wenn sie sagt, dass du andere ins Vertrauen ziehst. Wenn du einen Anfall bekommst und es weiß niemand Bescheid, ist das von Nachteil für dich.
                Versuche bitte, dir nicht durch deine Krankheit dein Leben diktieren zu lassen. Hab ein bisschen mehr Vertrauen in dich selbst. Du kannst doch was und daran ändert auch die Epilepsie nichts.
                Vielleicht ist ein Arbeitsplatzwechsel aber auch in dieser Hinsicht eine gute Gelegenheit, nochmal in Ruhe neu anzufangen. Ich drücke dir auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass du die Stelle bekommst. Eine Teilzeitstelle verschafft dir auch ein bisschen Luft, dich auch wieder ein wenig zu erholen und zu sammeln.
                Und wenn es nicht diese Stelle, ist es eine andere. Du schaffst das!

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                • #53
                  AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

                  Danke für eure Antworten!

                  @ Anjin

                  Bevor ich mich zwangsläufig mit dem Thema Epilepsie auseinandersetzen musste, dachte ich auch, dass es eine Krankheit wie Asthma, Arthrose, Diabetes, etc. ist.
                  Ich leide auch seit ca. 20 Jahren an Bronchialasthma und für mich war es nie ein Problem, darüber zu sprechen. Manchmal habe ich es einfach erwähnt, ohne Mitleid oder besondere Rücksichtnahme haben zu wollen. Diese Erkrankung konnte ich akzeptieren, vor allem nachdem ich in einer Reha schwerere Fälle als mich gesehen hatte.

                  Doch Epilepsie ist eine Hirnfunktionsstörung und viele Menschen denken in dem Zusammenhang immer noch an eine geistige Einschränkung!
                  Wahrscheinlich habe ich kaum eine Seite im Internet über Epilepsie ausgelassen zu lesen. Mir kommen ganz oft die Tränen, wenn ich lese, dass noch vor 30 Jahren die Epilepsie der Kinder von Eltern totgeschwiegen wurde, um die Familie zu schützen! Kinder wurden angehalten, in der Schule zu sagen, dass sie wieder Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme hatten, nur um dieses schreckliche Wort nicht auszusprechen!
                  Vor ein paar Tagen habe ich in einem Forum gelesen, dass eine Frau schrieb, ihre Mutter sei nie darüber hinweggekommen, dass die Tochter unter Epilepsie leidet. Da habe ich geweint, weil ich an meine Eltern denken musste, denen es genauso ergangen wäre.

                  Es belastet mich auch sehr, dass meine Eltern nichts davon wissen dürfen. Dass mit mir etwas nicht stimmt, ahnen sie sicherlich seit langem. Denn laut Neurologe hatte ich die Erkrankung wahrscheinlich schon in meiner Kindheit. Ich war immer sehr verträumt und es passierte ganz häufig, dass ich "einfach so" vom Rad stürzte, vom Pferd oder eine Treppe runterfiel. Sie haben es sich mit Ungeschicktheit erklärt, vielleicht auch, um der Konfrontation mit etwas Schlimmen aus dem Weg zu gehen.

                  @ Trauerweide

                  Es tut mir leid für dich, dass du wegen deiner Körperbehinderung so negative Erfahrungen im Berufsleben machen musstest! Leider ist es so, dass behinderte Menschen immer noch stark diskriminiert werden.

                  Natürlich hast du Recht, dass wir mit unseren Einschränkungen nicht weniger liebenswert sind als gesunde Menschen. In meinem Fall sehe ich nur das Problem, dass ich eh nicht besonders gschätzt und oft nicht richtig ernst genommen werde. Wenn ich jetzt auch noch offen dazu stehen würde, dass ich unter Epilepsie leide, würde sich das Urteil, das andere sich über mich gebildet haben, wohl noch mehr zum Negativen verändern. Nach dem Motto: wir haben ja schon oft gedacht, dass mit der etwas nicht stimmt.

                  Das Medikament, das ich nehme, heißt Lamotrigin.
                  Ich habe eine generalisierte Epilepsie mit Abscenen und Anfällen, die zum Glück nur im Schlaf auftreten.
                  Normalerweise könnte man sagen, besteht überhaupt kein Anlass, Kollegen darüber zu informieren, weil sie meine Absencen nicht mitbekommen. Andererseits war ich schon oft in der unangenehmen Situation, dass ich Teile von Erklärungen oder Anordungen nicht mitbekommen habe. Dann hieß es ganz verärgert: "Habe ich doch gerade gesagt", "Habe ich Ihnen doch erklärt". Indem ich Kollegen informieren würde, könnte ich natürlich weiterem Ärger aus dem Weg gehen.
                  Wenn es mir nur nicht so schwer fallen würde...

                  @ Ilythia

                  Danke auch für deine mutmachenden Worte!

                  Ich arbeite daran, mir von der Krankheit nicht mehr mein Leben diktieren zu lassen. Vertrauen in mich muss ich erst wieder neu aufbauen, denn das war auch vor der Diagnose schon stark angekratzt. Jetzt ist so gut wie keins mehr vorhanden. Aus dem Grund zieht mich auch jede blöde Bemerkung meines Chefs so runter.

                  Ich hoffe immer noch sehr, dass es mit der Stelle klappen wird, auf die ich mich beworben habe.
                  Du hast schon Recht, ein Arbeitsplatzwechsel zu einem Teilzeitjob wäre jetzt genau das Richtige, um den alten Ballast hinter mich zu lassen und etwas zur Ruhe zu kommen.
                  Cindra
                  Erfahrenes Forumsmitglied
                  Zuletzt geändert von Cindra; 17.08.2017, 16:18.

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                  • #54
                    AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

                    Cindra, hast Du einen sog. "Notknopf" für den Fall, dass nachts ein Anfall eintritt?

                    Kommentar


                    • #55
                      AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

                      Zitat von Trauerweide Beitrag anzeigen
                      Cindra, hast Du einen sog. "Notknopf" für den Fall, dass nachts ein Anfall eintritt?
                      Nein, ich habe keinen "Notknopf".
                      Er würde mir nichts nützen, weil ich nicht mitbekomme, wenn ich nachts einen Anfall habe. Das ist ja das fatale an den generalisierten Anfällen: man ist bewusstlos. Ich bemerke erst morgens an den Bissen in die Zunge oder Lippe, dass etwas stattgefunden hat. Ich bin dann auch wie gerädert.

                      Zuerst habe ich dem Neurologen gar nicht geglaubt, dass ich Anfälle in der Nacht habe. Ich habe die Verletzungen im Mund immer auf psychischen Stress geschoben. Seit ich weiß, was dahintersteckt, habe ich manchmal Angst vor dem Einschlafen.

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                      • #56
                        AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

                        Ich wollte dir mit meinem Beitrag auf keinen Fall eines auf den Deckel geben. Wenn das so rüber kam, tut es mir leid! Ok, ich drücke mich manchmal etwas schroff aus.
                        Natürlich kann ich nachfühlen, dass das alles zusammengenommen nicht einfach für dich ist. Da kommt eine ganze Menge auf einmal zusammen. Dein Sebstwertgefühl und das Vertrauen in andere fehlen dir inzwischen völlig und das wieder zu "reparieren" ist schwer, wenn man selbst kein Land sieht.
                        Ich finde es aber gut, dass du dich hier wenigstens öffnest. (Auch, wenn die gute Anjin dann einen Beitrag schreibt, der härter klingt als er gemeint ist...)
                        Wobei ich nach wie vor dazu stehe, wenn ich sage, dass du dich für nichts zu schämen brauchst.
                        Ich stimme auch mit Trauerweide und Ilythia überein, dass du dich in der Hinsicht mehr trauen solltest und deine Umgebung informierst. Ich verstehe deine Angst, in die "geistige" Ecke geschoben zu werden schon. Aber die kleinen Aussetzer (hattest du ja beschrieben), die du bei der Arbeit hast, führen natürlich auch zu Missverständnissen, die nicht sein müssten/sollten. Wobei ich mir vorstellen kann, dass diese Momente auch passieren, weil du dich selbst zu sehr unter Druck setzt. Epileptische Anfälle und kleine Aussetzer sind auch viel eine Stress - Sache.
                        Eine andere Stelle zu suchen, halte ich daher auch für vernünftig und auch notwendig. Ein normaler Vorgesetzter, ja, auch weniger Stunden am Tag, in denen du zu viel Stress ausgesetzt bist, täten dir gut.
                        Ich schließe mich daher dem allgemeinen Daumendrücken an!

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                        • #57
                          AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

                          Du weißt, dass Du einen sehr guten Grund hast, Dir eine Auszeit in Form einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu nehmen.
                          Es gibt auch sehr gute Reha-Kliniken, die auf Epilepsie-Patienten spezialisiert sind. Falls Du am Arbeitsplatz wieder bedrückende Situationen erlebst, solltest Du überlegen,
                          ob so ein Reha-Aufenthalt eine Option für Dich ist. Wenn Dein Neurologe zusätzlich Facharzt für Psychiatrie ist, wird er Dir auch wegen der psychischen Anspannung einen Rat erteilen können. Mein Neurologe, den ich wegen meines Meningeoms (gutartiger Tumor an der Hirnhaut) aufsuche, hat diese Zusatzqualifikation, was für mich zeitweise sehr wichtig und hilfreich war. Wie ich lese, bist Du eine gut informierte Patientin und auch so machst Du einen geistig fitten Eindruck. Also, keine Angst, dass man Dich wegen der Epilepsie-Erkrankung irgendwie für geistig eingeschränkt halten könnte. Das ist absolut nicht so nach meinem Eindruck.

                          Hoffentlich klappt es mit der Stelle, dann hätte sich der Fall mit dem Chef erledigt.

                          Kommentar


                          • #58
                            AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

                            Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, dass ich nicht mehr geschrieben habe.
                            Leider ist einiges negative passiert und mir geht es jetzt so richtig schlecht!

                            Zunächst einmal: ich habe die Stelle, auf die ich mich beworben hatte, leider nicht bekommen. Es hat nicht einmal mehr ein Gespräch mit der Geschäftsleitung gegeben.
                            Natürlich war ich sehr enttäuscht.

                            Vorletzte Woche ist dann noch ein Streit zwischen meinen Eltern eskaliert. Ich habe jetzt wirklich große Sorge um meinen Vater, der jeden Tag von meiner Mutter angeschrien und aufs übelste beschimpft wird. Er ist 75 und ich habe Angst, dass er das nicht verkraftet. In Stresssituationen hat er schon zweimal einen Hörsturz gehabt.
                            Meine Mutter ist herzkrank, hat die Erkrankung mit Medikamenten aber gut unter Kontrolle. Doch sie nutzt jetzt jede Gelegenheit, meinen Vater damit fertig zu machen, dass sie angeblich schwere Herzrhythmusstörungen hat. Sie war angeblich beim Kardiologen, was leider gelogen war. Mein Vater hat in der Praxis angerufen und meine Mutter ist gar nicht da gewesen.

                            Für mich ist das sehr schwer, weil ich fast täglich am Telefon damit konfontiert werde!
                            Daher bin ich letzten Dienstag zu meinem Hausarzt gegangen und habe ihm erzählt, dass ich beruflich so unter Druck stehe. Habe ihn gebeten, mich krankzuschreiben. Doch er war nur bereit, mich bis einschließlich gestern krankzuschreiben.
                            Er meinte, ich solle es danach erst einmal wieder versuchen.

                            Heute war ich also wieder arbeiten.
                            Wie ich finde, ist das Gespräch mit meinem Chef wieder mal etwas außer Kontrolle geraten!

                            Er fragte mich, wie es mir gehe. Ich antwortete, dass es besser sein könnte. Es gebe jede Menge Ärger.
                            Diese Information hätte ich gar nicht geben dürfen, denn er fing sofort an, nachzubohren. Er fragte, ob es zu Hause Ärger gebe, was ich bejahte. Er wunderte sich, weil ich doch keine Kinder und keinen Mann habe. Ich sagte, dass es auch noch Eltern gebe und damit wollte ich das Gespräch abschließen. Er ließ aber nicht locker und fragte, ob die Eltern krank seien. Ich sagte nur "unter anderem". Er fagte dann tatsächlich, ob mein Papa im Sterben liege! Ich gab zur Antwort, dass es so schlimm nicht sei, aber meine Mutter herzkrank sei. Er kommentierte das mit, das sei aber doch kein Ärger, sondern das seien Sorgen.
                            Ich bereue es so sehr, diese privaten Auskünfte gegeben zu haben!

                            Dann wollte er wohl witzig erscheinen und sagte, wenn ich wolle, könne ich mich ja gern mal hinter dem Haus im Garten in die Sonne legen. Er würde auch weggucken. Schließllich würde er einer nackten Frau nicht beim Sonnen zuschauen. Ergänzte noch: "Es sei denn..." Das machte mich schon wieder wütend und ich fragte herausfordernd, was er damit meinte. Er guckte weg und sagte, er sei doch anständig.

                            Es kam noch, dass er froh sei, die beiden Auszubildenden los zu sein, der er zuletzt rausgeworfen hat. Die beiden Dicken, die aber eine Figur wie Heidi Klum haben wollten. Wie kann man in dem Alter schon so dick sein? (Was schamlos übertrieben war!) Er musterte mich und meinte: "Nicht so wie Sie!" Ich sagte nur ausweichend, dass ich auch nicht superschlank sei. Er: "Ach was, Sie sind dünn und passen durch jeden Abfluss!"
                            Abschließend klagte er noch darüber, dass er 7 kg abgenommen habe, da er bei der Arbeit überhaupt keine Freude mehr habe.

                            Was soll ich noch schreiben?
                            Ihr könnt euch sicherlich denken, wie ich mich jetzt nach einem Arbeitstag schon wieder fühle!

                            Was wäre die Lösung?
                            Was ist, wenn ich wieder zum Arzt gehe und der mich nicht wieder krankschreibt?

                            Ich bin sehr verzweifelt!

                            Liebe Grüße,
                            Cindra
                            Cindra
                            Erfahrenes Forumsmitglied
                            Zuletzt geändert von Cindra; 30.08.2017, 19:12.

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                            • #59
                              AW: Chef behandelt mich respektlos. Ist das schon Bossing?

                              Liebe Cindra,

                              dass Dich jetzt noch die Sorgen um die Eltern quälen, ist eine zusätzliche Belastung. Ich kenne die Situation von meinen Großeltern, die sich in späten Jahren das Leben gegenseitig sehr schwer gemacht haben. Es sind erwachsene Menschen. Glaube mir, sie können auch nicht ohne einander. Du kannst versuchen, sie zur Vernunft zu bringen, dass sie den Lebensabend doch genießen sollen und auf sich achten müssen.

                              Die neue Konversation mit dem Chef möchte ich eigentlich nicht kommentieren. Es ist ein ewiger Kreislauf, er schafft es immer wieder, Dich gesprächig zu bekommen, um Dich dann zu demütigen. Und Du spielst Deine gewohnte Rolle, fällst ins bekannte Verhaltensmuster und bist wieder am Ende. "Ich mag jetzt nicht darüber sprechen, bitte haben Sie Verständnis, vielleicht später" wäre eine mögliche Antwort gewesen, um nicht zu viel preiszugeben.

                              Bitte versuche einen Termin bei einem Neurologen mit Zusatzqualifikation Psychiatrie zu bekommen. Ich hatte das wohl schon an anderer Stelle geraten.
                              Dort kannst Du von den Belastungen berichten, die Dich fertig machen. Erzähle ihm, welche gesundheitlichen Beschwerden vorliegen, psychisch und physisch.
                              Da muss man sich nicht schämen hinzugehen, diese Fachärzte kennen viele Fälle von Mobbing und Burn-out.

                              Wenn dann etwas Ruhe eingekehrt ist, bewirb Dich weiter. Ein Treffer bei der ersten Bewerbung ist eher selten, also sei nicht enttäuscht. Manche schreiben 30, 50 Bewerbungen und noch viel mehr, bis es endlich klappt.

                              Bis dann...melde Dich bitte wieder
                              Liebe Grüße
                              Trauerweide

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