Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Ist das Mobbing und wenn ja, was mache ich jetzt?

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Ist das Mobbing und wenn ja, was mache ich jetzt?

    Hallo,

    Ich habe ein Problem mit einem Kollegen und noch so bisschen einer Kollegin.
    Zuerst mal kurz zur Umgebung, ich arbeite in einer sehr kleinen Firma, außer einer Halbzeitkraft, alle männlich (im Gegensatz zu mir) und jeder könnte problemlos mein Vater sein. Es ist mein erster Job nach dem Studium, die Herren hier gehen die nächsten 5-10 Jahre in Rente. Chef ist der Firmengründer, der Kollege mit dem ich das Problem habe der langjährigste Mitarbeiter, der auch die Firma mit aufgebaut hat.
    Das Betriebsklima ist unter der Oberfläche mieserabel, ein richtiger Kindergarten, man neidet sich alles, gönnt dem anderen nichts, jeder lästert über jeden (und es heißt immer Frauen wären da schlimm...) und da die alten Herren ja auch lauter sprechen müssen um zu kommunizieren schlussfolgere ich nicht nur, dass über mich genauso gelästert wird, sondern weiß es.

    So, soweit so schlecht. Nur sind da ein paar Kleinigkeiten, die gar nicht mehr so klein sind. Anfangs ging es los mit "Späßen" ob ich eingeschlafen bin usw. Ich bin wirklich nicht empfindlich was dumme Sprüche angeht, ich frötzel mich auch mit dem Kollegen mit dem ich ein Büro teile, durchgehend, kein Problem. Aber irgendwie hat sich das bei dem Kollegen von Anfang an nicht wie unschuldiger Spaß angehört, aber gut, ist wahrscheinlich Einbildung, er ist eh komisch, also habe ich das einfach ins Leere laufen lassen und mir nicht viel dabei gedacht.
    Jedenfalls kommen besagte Sprüche mittlerweile zB auch wenn mein Kollege etwas fallen lässt oder wenn ich sehr ruhig bin (weil am rotieren und richtig was zu tun) aus dem Nebenbüro... aber immer auf mich, nie mein Bürokollege.

    Auch kritisiert er mich wahnsinnig gern. Es ist auch nicht immer ungerechtfertigt, ich will nicht behaupten ich wäre perfekt oder so, aber es war immer unfair. Zum einen kritisiert er Dinge an mir die hier alle machen/nicht machen, er inklusive, aber nur von mir verlangt er da scheinbar korrekter zu sein als überhaupt nützlich ist. Auf der anderen Seite war er der einzige der sich geweigert hat mir anfangs was zu zeigen, mir die Arbeit sehr gönnerhaft lieber abgenommen hat als mir einmal zu erklären was wieso warum (nein, es sind nicht Dinge von denen man hätte erwarten können, dass ich das weiß). Alles was er mir "beigebracht" hat lief über meckern was ich schon wieder falsch gemacht habe.
    Das ging alles noch irgendwie, unfair aber gut man kommt nicht mit jedem aus, wir haben wenig Berührungspunkte, mir egal.

    Seit ein paar Monaten wird es aber schlimmer. Es ging los, dass er bei einem wichtigen Kunden, nachdem ich mit ihm was geklärt hatte und gesagt hatte, dass ich mich da jetzt kümmere, zeitgleich auch eine Mail mit selbigem Inhalt geschickt hat. Das ging ein paarmal so.

    Der Punkt bei dem mir das erste Mal mobbing durch den Kopf ging ist, dass er mir im Endeffekt seit einer Weile meine Arbeit sabotiert. Ich bin für den technischen Service zuständig. Zuständig für den Zentraleingang Mail und Telefon, ist aber der Kollege oder besagte Halbtagskraft, wenn er gerade nicht am Platz ist. So, diese Anfragen werden mittlerweile alle zum Chef weitergeleitet, nicht zu mir. Damit fallen locker 2/3 meiner Arbeit weg. Und gerade seitdem bekommen die "Witze" zum Thema nichts tun noch ein ganz anderes G'schmäkle. Die einzige Arbeit die er mir dieses Jahr zugeschanzt hat war eine wirklich dämliche, simple Frage die ich für ihn bei einem Zulieferer erfragen sollte, mit dem er wegen genau diesem Projekt eh in Kontakt war, nur um mich ein paar Tage später dumm anzumachen, weil ich nicht in der Datenbank eingetragen habe, dass ich mich darum kümmere (solche Eintragungen habe ich noch nie gesehen, macht niemand, hat auch vor meiner Zeit niemand gemacht und solcher unwichtiger Kleinkram steht generell nicht drin).

    So ganz frisch heute habe ich Ärger mit einem anderen Kollegen bekommen, weil ich was vergessen hatte. Der Kollege mit dem ich ein Problem habe, hat gesagt er macht es. Hat er wohl nicht...
    Und es fehlt eine Kundenmappe die ich nirgends finde...

    Ich frage mich nun schon eine Weile, ist das Mobbing? Übertreibe ich? Ich habe den Punkt mit der "Arbeitsverteilung" auch schonmal angesprochen, allerdings warum er das gerade eben nicht an mich gegeben habe. Ups, ein Versehen, er hat nicht daran gedacht und das wäre ja auch wahrscheinlich total kompliziert.

    Ich bin unsicher wie ich jetzt am besten fortfahre. Ich kann es natürlich nochmal explizit ansprechen was der ganze Mist soll, ich erwarte da allerdings nur große unschuldige runde Augen, zumindest wenn es Dritte hören können. Allein, ja kann ich auch, nur lässt der sich von mir garantiert nichts sagen und ich fürchte das würde es eher schlimmer machen, wenn wir uns erstmal wirklich gestritten haben.
    Es wird auch geraden mit Kollegen zu reden und sich deren Unterstützung zu sichern, nur ist der eine unbeteiligte sein Sandkastenkumpel und der andere wird sich, wie aus allem, raushalten um nicht selbst Ziel zu werden.
    Bliebe nur noch der Chef. Ich habe auch keine Zweifel, dass er zumindest die Tatsache, dass Unfrieden herrscht ernst nehmen wird und das ansprechen wird. Aber wenn eine Aussprache nichts bringt... er wird seinem alten Freund nichts tun. Tja und dann?

  • #2
    AW: Ist das Mobbing und wenn ja, was mache ich jetzt?

    Hallo Quasar,

    Erst einmal zur Situationsanalyse wo Du da tatsächlich gelandet bist.

    In einer kleinen Firma sind die Beziehungen, und mögen sie nach aussen noch so abstrus erscheinen, ggf. über Jahrzehnte gewachsen. Hat sich eine ganz eigene "Kultur" und Hackordnung entwickelt und etabliert die für jeden der neu dazu kommt, wie Du z.B., sozusagen vollkommen strange erscheint.
    Alle anderen, die schon lange dabei sind, haben mit der Kultur letztendlich kein Problem. Sie haben sich damit in irgend einer Form arrangiert. Im Guten wie im Schlechten.

    Du bist jung und ambitioniert, während diese Kultur mehr dazu angetan ist den "Status Quo" zu erhalten und auch weiterhin zu kultivieren.
    Ich gehe mutmasslich mal davon aus, dass auch der Chef in dieselbe Altersklasse gehört wie die "netten" Kollegen.
    Da der von Dir als Kern des Problems benannte Kollege als Mitgründer und Spezi des Chefs eine Schlüsselrolle spielt wird es schwierig werden hier Land, bzw. Respekt für Dich zu gewinnen.

    Jeder Versuch Deinerseits tiefer in die Materie und Beziehungen zu den Kunden und Partnern vorzudringen, wird als Einmischung empfunden oder gar noch mehr als das: Als unerwünschte Konkurrenz die in seinem Teich fischt.
    Daher versucht er, aus Arroganz, Neid, Angst über die Gefahr verdrängt zu werden oder was sonst noch, jeden Versuch Deinerseits zu torpedieren in der Firma Fuss zu fassen.
    Einerseits vielleicht irgendwie menschlich und verständlich, andererseits den Interessen des Unternehmens zuwider, wenn es darum geht wenn dieses über das Ausscheiden des Firmengründers hinaus, noch Bestand haben soll.

    Das wäre aus meiner Sicht meine Frage an den Chef/Firmengründer, ob er gedenkt oder besser sich wünscht, dass das Unternehmen, das er mit vielen Opfern und Aufwand aufgebaut hat, nach seinem Ausscheiden weitergeführt werden soll. Und wie er es sich vorstellt den Generationenwechsel erfolgreich zu vollziehen?

    Seine bestehende Mannschaft rekrutiert sich wohl vornehmlich aus den Leuten der ersten Stunde. Die gehören quasi schon mit zum Inventar. Das allerdings hat schon reichlich Staub angesetzt und benötigt eine Verjüngung wenn er irgendwann an einen Nachfolger übergeben, oder wahrscheinlicher verkaufen will. Ich gehe davon aus, dass dieser Plan auch im Sinne der persönlichen Altersvorsorge des Gründers vielleicht besteht.
    Aber vielleicht will er gar nicht weitermachen oder verkaufen sondern die Tore irgendwann für immer schliessen?

    Das zu wissen ist auch für Dich essenziell, denn wenn das in einigen Jahren (5-10) passiert, dann bist Du, selbst wenn Du bleiben solltest, Deinen Job los.
    Das, während die Kollegen sich zusammen mit dem Chef, verdient oder nicht, in den Ruhestand verabschieden.

    Das ganze Theater spiegelt aus meiner Sicht den stümperhaften bis absehbar gescheiterten Versuch die Mannschaft so zu verjüngen, dass eine lohnende Veräusserung möglich wird.
    Wäre es anders, so würde er sich keine junge dynamische Kraft wie Dich ins Haus holen, sondern einen Mitarbeiter, der besser in die Altersklasse und auch Läster-"Kultur" hineinpassen würde.
    Da er allerdings Dich erkoren hat, denke ich, hat er eigentlich etwas anderes vor.

    Die Gesamtsituation ist natürlich aus der Ferne und ohne zu wissen was der Chef tatsächlich für langfristige Pläne hat, bzw. mit dem Unternehmen beabsichtigt, nur schwer zu beurteilen.

    Für mich klingen Deine Schilderungen als ob der Chef

    1. selbst nicht weiss wo er eigentlich steht u./o. noch hin will
    2. von Nachfolgeregelungen, das Unternehmen für den Verkauf/Übergabe an einen externen Nachfolger vorzubereiten, keine Ahnung hat. (es sei denn er plant, dass ein Familienmitglied ihn beerbt und die Firma weiterführt)
    3. von Personalführung und Entwicklung auch nicht gerade viel Ahnung hat. Weil er Dich im Stich lässt und Laisser Faire Führung praktiziert obwohl er als Chef mehr als sonst gefordert ist.

    Vielleicht fehlt ihm auch die Kraft und auch die Zeit. Er ist wohl mehr ein Selbständiger geblieben, der selbst und ständig arbeitet, und hat daher den Sprung zur Unternehmerschaft nicht geschafft oder vollzogen.
    Denn ein Selbständiger arbeitet immer noch aktiv im Unternehmen mit während ein Unternehmer vielmehr am Unternehmen arbeitet.

    Daher empfehle ich Dir: Nicht den Konflikt mit dem Kollegen anzusprechen oder zu thematisieren, denn der ist nur als ein Symptom des allgemeinen Firmenzustandes zu betrachten.
    Den Konflikt zu thematisieren wird Dir auch nichts bringen, ausser eher zusätzlichen Ärger mit dem Chef, der wahrscheinlich eher den Darstellungen seiner "alten Garde" beipflichten bzw. glauben wird als Dir zuzuhören.

    Wenn Du mit dem Chef ein Gespräch vereinbarst, dann versuche zu ergründen warum er Dich eingestellt hat, was er sich von Deiner Mitarbeit erhofft/verspricht, und nicht einen bereits älteren Mitarbeiter, der kulturell und altersbedingt vielleicht besser ins Team (wenn man das überhaupt so nennen darf) gepasst hätte.
    Dabei auch vielleicht ein wenig danach bohren was er mit dem Unternehmen noch vor hat.

    In diesem Gespräch wirst Du ggf. viel darüber erfahren ob es für Dich in diesem Unternehmen tatsächlich eine nachhaltige Zukunft gibt welche Deinen Ambitionen langfristig gerecht wird.
    Stell ihm intelligente Fragen über die Zukunft des Unternehmens statt ihm Vorwürfe in den Raum zu stellen oder gar bei ihm im Büro seine alte Garde zu diskreditieren, die ihm bislang ggf. zu geschäftlichem Erfolg und Wohlstand verholfen hat. Zeig ihm dass Du intelligent bist und weiter denken kannst als nur im eigenen Rahmen Deiner Befindlichkeiten.

    So schaffst Du es auch eher den Chef als Verbündeten für Deine Anliegen und Bedürfnisse zu gewinnen anstatt ihm den Spiegel vorzuhalten, mit dem unterschwelligen Vorwurf, dass er den Laden und seine Mitarbeiter offenbar nicht im Griff hat. Gepaart mit seinem Mangel an Kompetenz steigert ein diesbezüglicher Vorstoss nur seinen Cortisol und Adrenalinspiegel auf das Maximum (Fight or Flight) Welches von beidem dabei herauskommt muss ich Dir, glaube ich, nicht erklären.
    Gäbe es eine bessere Methode seinen Unmut und Zorn Dir gegenüber zu wecken? Vielleicht nur noch die absolute Steigerung, ihm direkt ins Gesicht zu sagen er sei unfähig oder gar ein Idiot.....

    Immerhin gibt es den Laden schon länger. Irgendwas muss dort ja auch ganz gut laufen, denn sonst hätte man Dich nicht einstellen können, könnte er Dir kein Gehalt bezahlen.

    Schau einmal ganz genau hin, bei allem was vielleicht, fachlich wie personell, suboptimal bis schlecht läuft, was auch wirklich gut läuft. Was ist die Stärke des Unternehmens?
    Denn wäre dem nicht so, gäbe es diese Stärke nicht, so gäbe es das Unternehmen nicht mehr, wäre in Konkurs gegangen.

    Frage auch Dich selbst: Warum hast Du die Stelle überhaupt angenommen? Was war Dein Ziel? Nur ein Broterwerb oder eine Aufgabe?

    Wenn Du letzteres suchst, eine Aufgabe die Dir Erfüllung und Lebensglück bereitet, so frage Dich ob Du dort wo Du jetzt stehst ernsthaft Chancen siehst das auch zu finden.
    Das beurteile allerdings erst nach dem Gespräch mit dem Chef ;-) Triff dann Deine wohl überlegte Entscheidung.
    Und ich wünsche mir für Dich es möchte eine weise sein :-)

    Bedenke stets: Du hast nur ein Leben!

    Dieses Juwel, mitsamt Deiner wertvollen, unwiederbringlichen Lebenszeit und Energie solltest Du besser nicht verschwenden an Menschen oder Unternehmen, die das nicht zu schätzen wissen, sprich versenke Dein kostbares Leben, Deine Stärken und Deine Liebe nicht in einem "Fass ohne Boden".

    Lass das erst mal sacken und ich freue mich schon jetzt auf Deine Gedanken zu meinen Gedanken..... ;-)

    Viele Grüsse
    Compliance

    (Dein Nickname "Quasar" gehört zu den hellsten, spannendsten und geheimnisvollsten Punkten aber zugleich auch zu den zerstörerischsten Kräften im uns bekannten Universum: Ich hoffe daher letztere ist nicht Programm ;-))
    Compliance
    besonders erfahrenes Mitglied
    Zuletzt geändert von Compliance; 29.02.2020, 18:28. Grund: Ergänzung

    Kommentar


    • #3
      natürlich ist das Mobbing

      Kommentar


      • #4
        Hallo lieber Gast, schön dass Du Dir die Mühe gemacht hast ein fachlich fundiertes Urteil ab zu geben.
        Ich grüße Euch !
        Je vous salue !
        Greetings to you !

        Kommentar


        • #5
          hat mir auch Spass geamacht

          Kommentar


          • #6
            Prima Idee, dass man hier schreiben ohne sich anzumelden.

            Kommentar


            • #7
              kleine Firmen - große Probleme ? Das kann sehr familiär zu gehen und wirklich gut laufen. Aber wehe, wenn es Zoff gibt. Es gibt keine Möglichkeit auszuweichen, ausser Kündigung. In einem Großbetrieb kann man die Abteilung wechseln, oder wenn es ganz schlimm kommt, dann vielleicht sogar in einer andere Filiale - in einer anderen Stadt !

              Kommentar


              • #8
                Jajaja so geht das

                Kommentar


                • #9
                  familienbetriebe sind immer ein problem. Nicht die Person mit der höchsten Qualifikation wird Chef, sondern der Sohn oder die Tochter. Bei anderen Gelegenheiten dasselbe. Wer einen gewissen Anspruch an seien Arbeit hat, sollte sich lieber einen größeren Betrieb aussuchen, bevor ihm der Schwiegersohn vor die Nase gesetzt wird und ihn mobbt.

                  Kommentar

                  Lädt...
                  X