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Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

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  • #16
    AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

    So, jetzt noch die neuste "Entwicklung". Mein Chef hat mir heute die Friedenspfeife angeboten. Er ist der Meinung, dass ich ihn falsch verstanden habe. Manches wie zum Beispiel die Klage über "massive Defizite", das habe er so nicht gesagt. Ich erinnere mich aber genau an diese Worte, die sich anfühlten wie ein Schlag in die Magengrube. Er schien ernsthaft willig zu sein (vermutlich auch animiert durch Herrn B), in Zukunft konstruktiver mit mir zusammenzuarbeiten.
    Prinzipiell ist es das, was ich ja wollte, worauf ich aber gar nicht zu hoffen wagte. Allerdings für den Preis, dass ich zugeben soll, überempfindlich gewesen zu sein und mir Dinge eingebildet zu haben. Meine Freude war nicht so überschwänglich, aber ich bin bereit, es noch eine Weile miteinander zu versuchen. Nebenher arbeite ich natürlich an meiner "Firma". Mir hat die Idee schon so gut gefallen!
    Aus früherer Erfahrung heraus weiß ich, dass wenn sich jemand verstellt, das nur genau zwei Wochen anhält. Mal sehen!
    Ich kann einfach nicht glauben, dass er mich ohne Grund so angeschnauzt hat. Ich bin ihm doch höllenmäßig auf den Senkel gegangen. Und ich habe mir auch nichts eingebildet, ich bin doch nicht bescheuert!
    Vielleicht ist der Grund für sein Verhalten ja weggefallen. Dann wäre ein Neuanfang möglich.
    Ich bin noch "verhalten optimistisch". Mir kommt das alles suspekt vor!

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    • #17
      AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

      Die Gretchenfrage lautet jetzt für mich: Wenn mein Chef sich ab sofort freundlich und konstruktiv verhält und wenn ich ab sofort alle Informationen bekomme, die ich für gute Arbeit brauche...
      Ist dann alles prima? Kann ich denen dann noch vertrauen?
      Und mögen die mich dann überhaupt noch oder gelte ich als überempfindlich und zickig?
      Eigentlich bin ich da ziemlich pessimistisch und würde glauben, dass ein Neuanfang nicht möglich ist.

      Hat jemand schonmal sowas erlebt, dass man neu miteinander anfangen konnte?

      Momentan habe ich das Gefühl, dass die Entscheidung "Kündigung oder nicht" von mir kommen muss.
      Die würden mich behalten, auch wenn sie mich nicht leiden können. Weil ich vielleicht doch nicht ganz so schlecht arbeite.
      Aber mal sehen, nächsten Montag ist zweistündiges Palaver mit dem Chef. So lange kann ich noch grübeln! (Und er auch!)

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      • #18
        AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

        Zitat von AudreyHepburn Beitrag anzeigen
        Hallo Martin,

        vielen Dank für Dein Rückenstärken. Ich sehe es nicht ganz so krass wie Du. Nur weil jemand bei der Arbeit kuscht, ist er nicht gleich ein Idiot. Manche Menschen müssen auf Nummer sicher gehen, weil sie eine Familie ernähren müssen, und deshalb schlucken sie mehr als sie das als Single tun würden. Vielen Menschen ist auch die Freizeit wichtiger als die Arbeit und darum nehmen sie hin, dass ein großer Teil ihres Lebens zu verlorener Zeit verkommt. Dafür klappt es mit dem Rest gut, denn ohne Moos nix los.

        Wenn jemand bei der Arbeit kuscht, dann ist er gewiss kein Idiot. Eine sehr drastische Bezeichnung die ich lieber in der Form abschwächen möchte "Fach-Idiot" in versöhnlicher Weise. Wer etwas ganz spezielles besonders gut kann und dazu noch mit hoher Wertschöpfung für den Kunden, in diesem Fall das Unternehmen, einhergeht, der muss eigentlich nicht kuschen. Er muss sich vor allem eines vor Augen führen: Sich seines Wertes selbst bewusst werden.
        Ein Spezialist ist kein Idiot sondern ein "Fach-Idiot" der all seine Konzentration und Aktivität auf genau eine Tätigkeit oder Tätigkeitsfeld lenkt. Dazu kann er gar nicht anders als die meisten Dinge um sich herum aufgeben. Man kann heute nicht mehr interdisziplinär ein Genie sein. Dazu ist der verlangte Detailgrad für Spitzenleistung einfach viel zu hoch.
        Was aber passiert ist, dass dadurch die Wahlmöglichkeiten im Umfeld natürlich schrumpfen. Ein wenig selbstbewusster Mensch wird dadurch erpressbar weil man ihm offenbar erfolgreich suggerieren kann, dass er wo anders keine Chancen mehr hat. Also schränkt man das Lob ein und kritisiert lieber destruktiv damit er eben ja kein zu grosses Selbstbewusstsein entwickelt und dem Unternehmen erhalten bleibt. Zwar mit Frust im Bauch aber was hat er denn für eine Wahl?

        Die Arbeitnehmer selbst sind es die den Aufstand nicht mehr proben, weil sie sich stets ersetzbar fühlen. Dem ist aber oft eben nicht so. So viele Menschen wären in der Position zu fordern und tun es nicht. Weil sie Angst haben etwas zu riskieren. Weil sie Verantwortung haben für ihre Familie, Hauskredite und natürlich das Auto. Und weil das Meiste eben auf Pump läuft sind sie Gefangene ihrer Selbst. Und das weiss natürlich jeder Chef, der über die Lebensumstände und natürlich deren Gehalt und damit verbundenen Möglichkeiten seiner MA somit bestens im Bilde ist. Diese Abhängigkeit verleitet eben so manchen Chef dazu die Daumenschraube anzusetzen. Deshalb sprach ich ja auch von ethisch verantwortlicher Führung die eben solche Spielchen nicht macht.


        Wobei ich am Wochenende im Park saß und den Tauben zusah und an den Jesus-Spruch dachte: "Sie säen nicht und ernten nicht und werden doch stets satt." Na gut, ich hatte nicht vor, mir mein Essen im Park zu holen, haha.

        In diesem Satz steckt tief verborgene Weisheit. Derjenige der tiefer über diese Worte nachsinnt erkennt die zugrunde liegende Botschaft von weitgehender individueller Freiheit durch Unabhängigkeit.
        Alle Mühsal und Sorge entsteht durch Abhängigkeit und die dadurch geborene Möglichkeit ausgenutzt oder gar rücksichtslos ausgebeutet zu werden.


        Aber ich denke schon, dass das, was bisher nebenberuflich funktionierte, auch hauptberuflich funktionieren würde. Und das mit Freude. Eine Bekannte meinte, ich würde ganz leuchtende Augen bekommen, wenn ich von meinen Nebenjobs erzähle.

        Ich habe mich die letzten zehn Jahre immer als Selbständige gesehen. Mein Arbeitgeber war einfach nur ein Auftraggeber für mich, nicht meine Heimat. Dazu hatte ich gleich bei meinen ersten Jobs zu schlimme Erfahrungen gemacht, da war ich einfach nur eine Sklavin oder Maschine. Darum habe ich immer zugesehen, dass ich mir nebenher noch etwas aufbaue, dass ich jemand werde, der auch ohne seinen Hauptberuf noch etwas ist. Ich mache nebenberuflich Dinge, mit denen ich jetzt schon zehn Jahre Erfahrung habe. Ich würde meine Selbständigkeit also nicht bei null anfangen und das fühlt sich gut an.

        Das ist die richtige Einstellung und der richtige Ansatz. Das ist vielleicht der Grund warum du eben immer "aneckst", weil du dich eben nicht in diese bedingungslose Abhängigkeit begeben möchtset. Das was die anderen als "zickig und überempfindlich" sehen ist für mich lediglich Ausdruck deiner autarken Persönlichkeit die sich durch leidvolle Erfahrungen der Vergangenheit, ein Glück, gebildet hat. Es hätte durchaus auch die andere Richtung nehmen können.
        Es wäre schön wenn mehr denn je Menschen wie du in beschriebener Weise die Kurve kriegen würden. Dann müsste sich mancher AG der nach Gutsherren Art sein Reich "regiert" wärmere Socken anziehen und seine Unternehmens und Menschenführung überdenken.


        Man spricht ja von der Proletarisierung der Studierten. Auch wenn man studiert hat, wird man heutzutage ausgebeutet wie vor 100 Jahren ein Fabrikarbeiter. Das Irre ist, dass die Rebellion ausbleibt. Man jammert stattdessen über einen Fachkräftemangel, der laut manchen Quellen überhaupt nicht existiert. Und dann stellt man Inder ein, die für weniger Gehalt brav arbeiten, statt irgendwelche Rechte einzufordern. Vermutlich kennen sie das deutsche Arbeitsrecht auch erstmal nicht. Und es werden ja auch junge, engagierte Leute ausgebildet. Wer braucht dann schon Fachkräfte über 35???

        Dazu müsste man erst mal näher definieren was man als Fachkraft bezeichnet. Wir haben nicht zu wenige Akademiker sondern zuwenig von den richtigen Akademikern. Es werden derart viele "Brotlose Künste" studiert, wie das mein Vater mal so treffend formulierte als ich noch klein war, dass wenn man von Fachkräften spricht heute jeden meint, der ein Examen geschafft oder gar hinterher promoviert hat. Ausser studieren hat derjenigen über das Leben und die Arbeitswelt nicht viel oder ggf. sogar überhaupt nichts gelernt.
        Wissen wird erst dann wertvoll wenn es praktischen Nutzen für das Individuum, die Menschen, die Gesellschaft zur Überwindung von deren ökonomisch, ökologischen Problemen oder zur Verbesserung der Lebensqualität der Mitglieder dieser Gesellschaft beiträgt.
        Die Wirtschaft ist nicht der Campus. Das vergessen einfach zu viele Akademiker. Da ist dann kein Staat mehr der dir Bafög zahlt oder der Daddy der immer für ein gedecktes Konto sorgt. Um das selbst zu bewerkstelligen muss man sich bewusst machen ob das was ich auf der Uni gelernt habe an irgend jemanden verkauft werden kann. So, dass es mir zum Leben reicht. Das sind dann die Gesetze der Märkte die dann mit einem Mal zuschlagen. Gnadenlos!

        Und wenn mir erst nach dem Staatsexamen bewusst wird: Uuups, das braucht ja gar keiner oder davon gibt es ja schon viel zu viele Konkurrenten oder meine Noten sind viel zu schlecht um als Star gleich ganz gross raus zu kommen. Tja dann, so vermute ich, ist schon viel früher bei den wegweisenden Entscheidungen einiges schief gelaufen.

        Und wenn wir von Fachkräftemangel sprechen, dann sind oft die Handwerkerleistungen gefragt und nicht unbedingt nur die akademischen Genies. Es braucht eben immer noch Menschen die Kopf und Fingerfertig als Tischler, Installateure, Elektriker, Schlosser und Maschinenführer usw. arbeiten die auch Fachkräfte sind aber eben durch ihre Arbeit praktische die Werte schaffen die man am Abend in Augenschein nehmen kann und für die Kunden Geld bezahlen. Aber das ist eben der "Schei..job" den keiner mehr machen will weil man am Abend eben nicht im Anzug aus dem Büro geht sondern mit dreckigen Klamotten und verschwitzt, manchmal total physisch ausgepowert den Arbeitsplatz verlässt. Mit massig Überstunden auf dem Buckel weil es eben keinen mehr gibt den der Chef einstellen könnte.


        Audrey
        Kommentar Nr.1 ;-))

        Gruss Martin

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        • #19
          AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

          Zitat von AudreyHepburn Beitrag anzeigen
          So, jetzt noch die neuste "Entwicklung". Mein Chef hat mir heute die Friedenspfeife angeboten. Er ist der Meinung, dass ich ihn falsch verstanden habe. Manches wie zum Beispiel die Klage über "massive Defizite", das habe er so nicht gesagt. Ich erinnere mich aber genau an diese Worte, die sich anfühlten wie ein Schlag in die Magengrube. Er schien ernsthaft willig zu sein (vermutlich auch animiert durch Herrn B), in Zukunft konstruktiver mit mir zusammenzuarbeiten.
          Prinzipiell ist es das, was ich ja wollte, worauf ich aber gar nicht zu hoffen wagte. Allerdings für den Preis, dass ich zugeben soll, überempfindlich gewesen zu sein und mir Dinge eingebildet zu haben.

          Ah Hahahahahahhh: Was soll denn das für eine Show sein? Bist du jetzt in einem infantilen Sandkastenspiel gelandet? Ich geb nur was zu wenn du auch was zugibst. Sonst bin ich nicht mehr gut mit dir! Ooohhhh wie goldig.
          Für mich gibt der Chef keine Sekunde bzw. auch nur einen einzigen Millimeter nach. Er gibt nur etwas zu wenn er sich deiner Selbstbezichtigung sicher sein kann. Was ist das für ein Deal? Was verspürst du ganz ehrlich wenn du ganz genau über solch eine Forderung nachdenkst?
          Welche Selbstoffenbarung steckt da dahinter? Insbesondere wenn du alles im Gesamtkontext betrachtest?


          Meine Freude war nicht so überschwänglich, aber ich bin bereit, es noch eine Weile miteinander zu versuchen. Nebenher arbeite ich natürlich an meiner "Firma". Mir hat die Idee schon so gut gefallen!
          Aus früherer Erfahrung heraus weiß ich, dass wenn sich jemand verstellt, das nur genau zwei Wochen anhält. Mal sehen!
          Ich kann einfach nicht glauben, dass er mich ohne Grund so angeschnauzt hat. Ich bin ihm doch höllenmäßig auf den Senkel gegangen. Und ich habe mir auch nichts eingebildet, ich bin doch nicht bescheuert!
          Vielleicht ist der Grund für sein Verhalten ja weggefallen. Dann wäre ein Neuanfang möglich.

          Wie sicher kannst du dir da tatsächlich sein?

          Ich bin noch "verhalten optimistisch". Mir kommt das alles suspekt vor!

          An Letzterem tust du mehr als gut aus meiner Sicht ;-))
          Gruss Martin

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          • #20
            AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

            Zitat von AudreyHepburn Beitrag anzeigen
            Die Gretchenfrage lautet jetzt für mich: Wenn mein Chef sich ab sofort freundlich und konstruktiv verhält und wenn ich ab sofort alle Informationen bekomme, die ich für gute Arbeit brauche...
            Ist dann alles prima? Kann ich denen dann noch vertrauen?
            Und mögen die mich dann überhaupt noch oder gelte ich als überempfindlich und zickig?
            Eigentlich bin ich da ziemlich pessimistisch und würde glauben, dass ein Neuanfang nicht möglich ist.

            Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ist so etwas wie ein Neuanfang so ohne weiteres nicht möglich. Was gesagt ist ist gesagt und nicht wieder rückgängig zu machen.
            Die Urteile und Vorurteile sind tief in den Köpfen verwurzelt. Selbst wenn ich selbst nicht nachtragend bin und dem Ganzen eine wirklich reelle Chance gebe, wie sicher kann ich mir sein, dass der Andere ebenso denkt.
            Schlussendlich kann solch eine Frage immer nur die Zukunft beantworten. Das Verhalten der Kontrahenten in der Realität.
            Um die Chancen zu beurteilen ist der Blick in die heutige Realtität hilfreich nach welcher Startegie die Beteiligten spielen. Lose/Lose, Win/Win, Win/Lose.
            Wobei kaum näher zu erläutern wäre, welche die einzig Erfolg versprechende sein dürfte. Spielt auch nur einer der Gegner nach einer der beiden anderen braucht man wahrscheinlich nicht lange nachdenken wie das ausgeht.


            Anmerkung als Ergänzung: Die Lose/Win Strategie habe ich gar nicht erwähnt weil eine der Gestalt komplementäre Beziehung solche Probleme wie du oder ein anderer sie haben könnte ja eigentlich gar nicht entstehen können. Weil dann hat der Chef eben, unreflektiert, immer Recht ;-)

            Hat jemand schonmal sowas erlebt, dass man neu miteinander anfangen konnte?

            Ja ich!

            Momentan habe ich das Gefühl, dass die Entscheidung "Kündigung oder nicht" von mir kommen muss.
            Die würden mich behalten, auch wenn sie mich nicht leiden können. Weil ich vielleicht doch nicht ganz so schlecht arbeite.

            Vielleicht der einzige Grund warum man sich einschmeicheln will nachdem man dir das Leben zuvor so schwer wie nur möglich gemacht hat.

            Aber mal sehen, nächsten Montag ist zweistündiges Palaver mit dem Chef.

            2 Stunden? Das kann ja wirklich nur ein Palaver sein! Was ist deine persönliche Erwartungshaltung aus diesem Gespräch?
            Gibt es schon eine Liste des Chefs über die wichtigen Themen/Zielrichtung? Wenn nein, dann stell dich schon mal auf zähe Argumentationen, Hals-Schlingen und Fussangeln "en gros" ein die unter der Überschrift stehen könnten.
            "Ich der Chef habe immer recht"
            Davon wird er dich, die "Widerspenstige", wohl noch mit Nachdruck überzeugen wollen ;-)


            So lange kann ich noch grübeln! (Und er auch!)
            Ha na dann!

            Gruss Martin
            Psychobabbel
            besonders erfahrenes Mitglied
            Zuletzt geändert von Psychobabbel; 05.11.2011, 12:06. Grund: Korrektur

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            • #21
              AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

              Hallo Audrey

              Wie ich sah warst du richtig fleissig die Tage. Nachdem ich alles aufmerksam gelesen habe möchte ich noch ein persönliches Feedback geben.

              Es entsteht in der Kommunikation mit dir bei mir der Eindruck, dass du es irgendwie immer besser weisst und eine entlarvende, direkte Art an den Tag legst die dein Gegenüber u.U. kompromittieren könnte. Ich ziehe deine Kompetenzen in keinster Weise hiermit in Zweifel. Du hast gewiss deine eigenen Erfahrungen gemacht die dich zu deiner heutigen Haltung führten. Daher aber die der anderen in Zweifel zu ziehen steht weder dir noch mir zu. Vielleicht habe ich dieses Gefühl weil wir ähnlich gestrickt sind. Jemand anders nimmt das vielleicht ganz anders wahr. Doch bei jemandem der Führungsanspruch geltend macht oder bereits besitzt kommt das ggf. nicht immer so gut an. Selbst wenn dies unbeabsichtigt ist.

              Da auch ich von dieser Eigenart nicht frei bin (;-) und mich wohl niemals ganz davon befreien kann, glaube ich mich in der Lage dir äusserst nahe nachzufühlen wie oft dieses Verhalten jemanden, wie beispielsweise mich, auch in nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten bringen kann.
              Ich verwende einen Hauptteil meiner Energie in Diskussionen oder Meetings darauf, speziell auf dieses mein "spezielles" Verhalten zu achten und bemühe mich nach Kräften Nietzsches folgendes Zitat umzusetzen.

              "Das Menschlichste ist, jemandem Scham ersparen."

              Ich überlasse es dir ob du diesem Feedback etwas abgewinnen kannst.

              Gruss Martin

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              • #22
                AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                Hallo Martin,
                vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten!
                Ja, doch, mir ist bewusst, dass ich vermutlich für meine Mitmenschen schwierig bin. Eben deshalb bin ich gerade ja auch so geknickt. Ich habe in den letzten 10 Jahren überall nur Mobbing erlebt. Also habe ich doch irgendwie versagt, kommunikationstechnisch. :-( Wobei man zu meiner Entschuldigung sagen muss, dass bei diesem und dem vorigen Job der Vorgänger auch nur ein halbes Jahr durchgehalten hat. Vermutlich stellt eine Nomadin wie mich sowieso nur noch ein Chef ein, der total verzweifelt ist. Neulich habe ich in einem Buch gelesen: "Der Neue bekommt oft die Ohrfeigen ab, die eigentlich der Vorgänger verdient hätte." In beiden Fällen scheint es ein wenig so zu sein. Es kann gut sein, dass sie mich auch darum nicht einarbeiten wollten und andere Abteilungen mir Wissen vorenthalten haben, weil sie dachten, dass den Job ja eh keiner lange macht und es sich daher nicht lohnt, sich lange mit mir zusammenzusetzen und mich einzuarbeiten.

                Was mich so traurig macht ist, dass ich mir ja bei meinen Jobs immer Mühe gegeben habe, den anderen nicht so auf Füße zu treten und öfter mal einfach den Mund zu halten. Ich habe sehr gut aufgepasst, was ich sage und wie ich es sage. Aber besser geworden ist es dadurch nicht, eher schlimmer. Wenn ich versuche, es den anderen recht zu machen und auf sie Rücksicht zu nehmen, werte ich mich anscheinend selbst ab und dann darf auch jeder auf mir herumtrampeln.

                Ich habe daher beschlossen, dass ich allein aus therapeutischen Gründen die Selbständigkeit brauche. Eine Art Auszeit, in der ich die Dinge tue, die ich gut kann und mit denen ich Erfolg habe. Das sind alles Dinge, für die ich kein Team brauche. Ich verschaffe mir selbst Erfolgserlebnisse und finde heraus, ob ich mich auch ganz aus eigener Kraft ernähren kann. Ich werde herausfinden, wer ich bin, wenn ich nicht eine Firma und einen Chef habe, die mich in ein Schema pressen im Stil von "solchen auffälligen Schmuck trägt man bei uns nicht" oder "So sprechen wir nicht mit unseren Kunden". Ich kann dann meinen eigenen Stil ausleben.

                Ich muss jetzt einfach erkennen, dass ich von Natur aus eine Einzelgängerin bin und nicht zum Gehorsam geschaffen bin. Und ich frage mich auch: Wenn ich doch die letzten zehn Jahre so viel Freizeit investiert habe, um mir etwas aufzubauen, das mich eines Tages tragen kann, warum spring ich dann nicht endlich drauf? Worauf warte ich noch, das zu tun, was ich mir lange erträume? Vollständig bekloppt ist es ja gar nicht, sondern mein Lebenslauf scheint genau darauf hinzusteuern.

                Ja, das Gespräch nächsten Montag dauert wirklich 2 Stunden. Da ich Montag viel vor habe, meinte ich noch ganz optimistisch: "Vielleicht sind wir ja nach einer Stunde schon fertig!" und mein Chef antwortete ernst: "Nein, wir werden bestimmt zwei volle Stunden brauchen." Er scheint ja viel vor zu haben. Die ersten Monate unserer Zusammenarbeit hatte ich den Eindruck, er sei ein Kommunikationskrüppel und zu vernünftiger Kommunikation gar nicht fähig, würde eben einfach das tun und sagen, was ihm gerade spontan in den Sinn kommt. Aber seit Kurzem drückt er sich immer so wohl überlegt aus und hat auch gezeigt, dass er sowohl konstruktive Kritik formulieren kann als auch eine Menge anderes. Er KANN also kommunizieren und zwar ganz professionell. Wie sich das für einen Manager wie ihn eigentlich auch gehört. Daher kann ich mich darauf gefasst machen, dass er einige lustige Überraschungen vorbereitet für Montag.

                So gesehen erscheint auch das was in den ersten Monaten passierte, in einem neuen Licht. Er wollte mich also tatsächlich klein kriegen oder los werden und hat mich absichtlich und bewusst scheiße behandelt. Woran er sich jetzt natürlich nicht mehr erinnert. Klar, ich habe kaum Zeugen. Nur zwei Mal hat er mich vor anderen gefragt: "Frau H, haben Sie das jetzt auch wieder nicht kapiert?" Aber als die anderen entsetzt reagierten, hat er das nicht mehr getan. Normalerweise kenne ich das so, dass wenn der Chef mich vor den Kollegen so beleidigt, die sich vor lauter Schadenfreude kaum noch einkriegen. Daher rechne ich es meinen Kollegen hoch an, dass sie immerhin so viel Anstand noch hatten, diese plumpe Beleidigung nicht gut zu finden. Aber das Signal, das mein Chef damit senden wollte, haben sie bestimmt empfangen und ernst genommen. :-(

                Ich glaube nicht wirklich daran, dass wir zwei - mein Chef und ich - noch wirklich richtig gut zusammenraufen können. Das wäre doch nur ein ständiger Krampf und Kampf, wo jeder befürchtet, etwas Falsches zu sagen und wo man ständig irgendwie miteinander ringt. Außerdem kann man zerbrochenes Vertrauen nicht kitten. Und wie schon gesagt, denke ich, dass so massiv respektloses Verhalten wie seines einen konkreten Grund haben muss.

                Montag will ich also nur noch klären, wie wir den Übergang machen. Welche Projekte ich noch fertig mache, wer wen kündigt und auf wann.

                Ich freue mich schon auf meinen Selbstfindungstrip! Neulich trudelte noch ein weiterer Auftrag ein. Obwohl ich bisher gar nicht so viel unternommen habe, um an Aufträge zu kommen, hab ich schon Aufträge für 4000€ in Aussicht. Die Verträge sind noch nicht da, werden aber jeden Tag erwartet. Allein das fühlt sich schon schön an. Dass ich etwas weiß und kann, wofür die Leute Geld bezahlen. Bei meinen vorigen Arbeitgebern fehlte mir dieses Gefühl komplett, ich fühlte mich oft wie eine Schmarotzerin. Gestern Abend habe ich noch meine Veröffentlichungen der letzten beiden Jahre bei der VG Wort gemeldet. Das wird alles, ich fühl mich gut dabei!

                Audrey

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                • #23
                  AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                  Hallo Martin,
                  vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten!
                  Ja, doch, mir ist bewusst, dass ich vermutlich für meine Mitmenschen schwierig bin. Eben deshalb bin ich gerade ja auch so geknickt. Ich habe in den letzten 10 Jahren überall nur Mobbing erlebt. Also habe ich doch irgendwie versagt, kommunikationstechnisch. :-( Wobei man zu meiner Entschuldigung sagen muss, dass bei diesem und dem vorigen Job der Vorgänger auch nur ein halbes Jahr durchgehalten hat. Vermutlich stellt eine Nomadin wie mich sowieso nur noch ein Chef ein, der total verzweifelt ist. Neulich habe ich in einem Buch gelesen: "Der Neue bekommt oft die Ohrfeigen ab, die eigentlich der Vorgänger verdient hätte." In beiden Fällen scheint es ein wenig so zu sein. Es kann gut sein, dass sie mich auch darum nicht einarbeiten wollten und andere Abteilungen mir Wissen vorenthalten haben, weil sie dachten, dass den Job ja eh keiner lange macht und es sich daher nicht lohnt, sich lange mit mir zusammenzusetzen und mich einzuarbeiten.

                  Was mich so traurig macht ist, dass ich mir ja bei meinen Jobs immer Mühe gegeben habe, den anderen nicht so auf Füße zu treten und öfter mal einfach den Mund zu halten. Ich habe sehr gut aufgepasst, was ich sage und wie ich es sage. Aber besser geworden ist es dadurch nicht, eher schlimmer. Wenn ich versuche, es den anderen recht zu machen und auf sie Rücksicht zu nehmen, werte ich mich anscheinend selbst ab und dann darf auch jeder auf mir herumtrampeln.

                  Ich habe daher beschlossen, dass ich allein aus therapeutischen Gründen die Selbständigkeit brauche. Eine Art Auszeit, in der ich die Dinge tue, die ich gut kann und mit denen ich Erfolg habe. Das sind alles Dinge, für die ich kein Team brauche. Ich verschaffe mir selbst Erfolgserlebnisse und finde heraus, ob ich mich auch ganz aus eigener Kraft ernähren kann. Ich werde herausfinden, wer ich bin, wenn ich nicht eine Firma und einen Chef habe, die mich in ein Schema pressen im Stil von "solchen auffälligen Schmuck trägt man bei uns nicht" oder "So sprechen wir nicht mit unseren Kunden". Ich kann dann meinen eigenen Stil ausleben.

                  Ich muss jetzt einfach erkennen, dass ich von Natur aus eine Einzelgängerin bin und nicht zum Gehorsam geschaffen bin. Und ich frage mich auch: Wenn ich doch die letzten zehn Jahre so viel Freizeit investiert habe, um mir etwas aufzubauen, das mich eines Tages tragen kann, warum spring ich dann nicht endlich drauf? Worauf warte ich noch, das zu tun, was ich mir lange erträume? Vollständig bekloppt ist es ja gar nicht, sondern mein Lebenslauf scheint genau darauf hinzusteuern.

                  Ja, das Gespräch nächsten Montag dauert wirklich 2 Stunden. Da ich Montag viel vor habe, meinte ich noch ganz optimistisch: "Vielleicht sind wir ja nach einer Stunde schon fertig!" und mein Chef antwortete ernst: "Nein, wir werden bestimmt zwei volle Stunden brauchen." Er scheint ja viel vor zu haben. Die ersten Monate unserer Zusammenarbeit hatte ich den Eindruck, er sei ein Kommunikationskrüppel und zu vernünftiger Kommunikation gar nicht fähig, würde eben einfach das tun und sagen, was ihm gerade spontan in den Sinn kommt. Aber seit Kurzem drückt er sich immer so wohl überlegt aus und hat auch gezeigt, dass er sowohl konstruktive Kritik formulieren kann als auch eine Menge anderes. Er KANN also kommunizieren und zwar ganz professionell. Wie sich das für einen Manager wie ihn eigentlich auch gehört. Daher kann ich mich darauf gefasst machen, dass er einige lustige Überraschungen vorbereitet für Montag.

                  So gesehen erscheint auch das was in den ersten Monaten passierte, in einem neuen Licht. Er wollte mich also tatsächlich klein kriegen oder los werden und hat mich absichtlich und bewusst scheiße behandelt. Woran er sich jetzt natürlich nicht mehr erinnert. Klar, ich habe kaum Zeugen. Nur zwei Mal hat er mich vor anderen gefragt: "Frau H, haben Sie das jetzt auch wieder nicht kapiert?" Aber als die anderen entsetzt reagierten, hat er das nicht mehr getan. Normalerweise kenne ich das so, dass wenn der Chef mich vor den Kollegen so beleidigt, die sich vor lauter Schadenfreude kaum noch einkriegen. Daher rechne ich es meinen Kollegen hoch an, dass sie immerhin so viel Anstand noch hatten, diese plumpe Beleidigung nicht gut zu finden. Aber das Signal, das mein Chef damit senden wollte, haben sie bestimmt empfangen und ernst genommen. :-(

                  Ich glaube nicht wirklich daran, dass wir zwei - mein Chef und ich - noch wirklich richtig gut zusammenraufen können. Das wäre doch nur ein ständiger Krampf und Kampf, wo jeder befürchtet, etwas Falsches zu sagen und wo man ständig irgendwie miteinander ringt. Außerdem kann man zerbrochenes Vertrauen nicht kitten. Und wie schon gesagt, denke ich, dass so massiv respektloses Verhalten wie seines einen konkreten Grund haben muss.

                  Montag will ich also nur noch klären, wie wir den Übergang machen. Welche Projekte ich noch fertig mache, wer wen kündigt und auf wann.

                  Ich freue mich schon auf meinen Selbstfindungstrip! Neulich trudelte noch ein weiterer Auftrag ein. Obwohl ich bisher gar nicht so viel unternommen habe, um an Aufträge zu kommen, hab ich schon Aufträge für 4000. in Aussicht. Die Verträge sind noch nicht da, werden aber jeden Tag erwartet. Allein das fühlt sich schon schön an. Dass ich etwas weiß und kann, wofür die Leute Geld bezahlen. Bei meinen vorigen Arbeitgebern fehlte mir dieses Gefühl komplett, ich fühlte mich oft wie eine Schmarotzerin. Gestern Abend habe ich noch meine Veröffentlichungen der letzten beiden Jahre bei der VG Wort gemeldet. Das wird alles, ich fühl mich gut dabei!

                  Audrey

                  Kommentar


                  • #24
                    AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                    Hallo Audrey

                    Noch zwei Dinge zum Schluss

                    1. Du kannst es nicht allen Recht machen. Wenn ich mit etwas nicht zufrieden bin im Verlauf einer Diskussion oder Themenbearbeitung übe ich nicht Kritik sondern stelle Fragen welche die Sinnhaftigkeit der bereits getroffenen oder auf dem Weg befindlichen Entscheidungen hinterfragen.
                    Das hat sich als geeignete Strategie erwiesen eben nicht auf den Mund sitzen zu müssen sondern nach einer Erklärung zu fragen wenn ich den Sinn dahinter nicht sehen kann. So oft werden faule Kompromisse geboren weil in den Gremien keiner sich exponieren will. Schon gar nicht gegen den Chef.
                    So gelang und gelingt es mir immer wieder fruchtbare Diskussionen über offensichtliche Lücken in Strategien und Konzepten anzustossen die in der Folge in Lösungen münden wo sich alle einig sind, dass die nun gemeinsam erarbeitete Lösung die bessere Variante ist als das was da vorher auf dem Papier stand.

                    2. Fall doch nicht gleich mit der Tür ins Haus wegen der Beendigung des Vertrages. Sie haben dich lange genug leiden lassen, um durchaus noch einige Zeit an der Unternehmensleistung partizipieren zu können. Da du mittlerweile genau weisst wo du hinwillst, hast du den Hebel der Macht in der Hand.
                    Ich würde ihn nicht so leichtfertig aus der Hand geben wenn dir dies einen zusätzlichen finanziellen Halt in der Übergangsphase bieten kann. Du würdest wahrhaft Geld verschenken. 4 tsd Euro sind nicht unbedingt viel Geld wenn eben nicht mehr viel mehr hinterher kommt.
                    Und solange du solide Arbeit für deinen AG als Auftraggeber/Kunde erbringst musst du dabei ja auch nicht rot werden.

                    Zu Letzterem eine kleine Anekdote:

                    Es war einmal ein Chef der sass mit seinem Abteilungsleiter und seiner Sekretärin am Mittagstisch im Restaurant. Der Kellner brachte eine alte, gute Flasche Wein und öffnete sie vor den Dreien. Da steig ein Geist aus der Flasche empor und sprach.
                    "Weil ihr mich befreit habt hat jeder von euch einen Wunsch frei."

                    Sofort sprang der Abteilungsleiter auf und sagte: "Ich möchte 10 Mio Euro und eine wunderschöne Frau auf einer Karibikinsel damit ich vor diesen fiesen Chef niemals mehr katzbuckeln muss!" Okay sagte der Geist und flupp war der Abteilungsleiter schon weg.
                    Dann sprach die Sekretärin: "ich möchte ebenfalls weit, weit weg von diesem ungeduldigen und schamlosen Menschen am Tisch und ein Sorgen freies Leben in Indien führen!" Okay sagte der Geist und schupp, war auch die Sekretärin weg.

                    Dann zuletzt fragte der Geist den Chef was er sich denn nun wünschen würde? Darauf der Chef mit einem hämischen Lächeln: "Um halb eins möchte ich die beiden Spassvögel wieder pünktlich an Schreibtisch sehen....!"

                    Und die Moral von der Geschicht: Lass immer erst denjenigen zuerst reden der am Tisch das Sagen hat ;-))

                    Viele Grüsse und viel Erfolg bei deinem Vorhaben

                    Martin

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                    • #25
                      AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                      Nein, das sehe ich nicht so, dass ich jetzt taktischerweise meinen Job behalten sollte und nebenbei weiterhin mein eigenes Zeugs aufbauen. Das mache ich doch schon seit zehn Jahren so! Immer schön die Zähne zusammengebissen, den Scheißjob gemacht und abends noch zwei Stunden an meinem eigenen Zeug gebastelt, außerdem das gesamte Wochenende.

                      Erstens mal liegt mir solche Doppelzüngigkeit nicht.

                      Zweitens würde mich mein Hauptjob ausbremsen. Ich könnte beispielsweise keine Firmenwebseite ins Netz stellen und keine Kurse anbieten, die tagsüber stattfinden. Alle meine Trainings- und Schreibtätigkeiten würden wie bisher nebenbei stattfinden und weiterhin so langsam voranschreiten.
                      Ich kann dann nur Abend- und Wochenendkurse geben und die Doppelbelastung würde mich kaputt machen. Ich kann dann einfach nicht richtig durchstarten mit meinem eigenen Dings!

                      Drittens ist die Situation ja eskaliert. Ich habe mich über meinen Chef und meine Arbeitsbedingungen massiv beschwert. Wir müssen jetzt eindeutig entscheiden, ob wir weiterhin zusammenarbeiten wollen oder nicht. Wenn wir uns für "ja" entscheiden, dann kann ich jetzt einfordern, dass ich bessere Arbeitsbedingungen bekomme, endlich eingearbeitet werde, mich an Arbeitskreisen beteiligen darf etc. All die Dinge, die ich meiner Meinung nach brauche, um gute Arbeit zu leisten. Ich würde auch weitergehende Befugnisse einfordern, denn momentan fühle ich mich eher als Sekretärin, nicht als Managerin. Da meine Chefs mir ja vieles nicht zutrauen, erledigen sie vieles selbst, was dann wiederum meine Projekte verzögert oder ganz zum Scheitern bringt. Wenn ich bleibe, müsste hier mal ein Ruck durch gehen. Ich selbst müsste dann aber auch dann mehr arbeiten! Wenn ich aber solche Forderungen stelle, verspreche ich damit auch, dass sich die Investition für meine Firma lohnt. Wenn wir aber beschließen, dass ich noch drei Monate bei ihnen arbeite, um meine Projekte ordentlich abzuschließen, können wir es alle gelassen angehen lassen. Ich mache dann einfach nur noch mein Zeugs fertig und keiner muss sich großartig mehr Gedanken machen. Einarbeitung ist dann auch keine mehr nötig, für meine aktuellen Aufgaben habe ich mir ja inzwischen alle Kenntnisse beschafft.

                      Ich sehe da wirklich keinen Nutzen drin, so weiterzumachen wie bisher, abgesehen davon, dass es ja auch gar nicht geht. Wer A sagt, muss auch B sagen. Und ich bin ganz sicher, dass wenn ich tagsüber Zeit für Schulungen habe, ich da einige einwerben KANN. Das habe ich früher auch schon gemacht, aber dafür Urlaub genommen. Ich habe aber nicht vor, meinen gesamten Urlaub mit Schulungen zu vebringen, was soll das denn? Ich denke, die Zeit ist einfach reif, aus meinen Nebenjobs einen Hauptjob zu machen.

                      Audrey

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                      • #26
                        AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                        Hallo Audrey

                        Danke! Das ist genau die Antwort die ich mir für dich gewünscht habe ;-))

                        Jetzt bin ich mir sicher, dass du es wirklich schaffen wirst. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Erfolg.

                        Melde dich doch mal hin und wieder, damit wir an deinem Erfolg teilhaben können. Das wird hier vielen helfen.

                        Viele Grüsse

                        Martin

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                        • #27
                          AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                          Hier steh ich dummer Tor und bin nicht klüger als zuvor...
                          Nach dem Gespräch war ich zwischen Weinen und Zittern, ich bin total irritiert. Ich bin ja bereit einzusehen, dass ich Kommunikationsprobleme in der Firma habe. Aber ich bin nicht wirklich bereit zuzugeben, dass es überhaupt keine gibt und ich mir das alles nur eingebildet habe! Angeblich ist das alles total normal, anderen ergeht es auch nicht anders. Aber ich habe mir doch keinen Spuk eingebildet! Allerdings fehlt mir irgendwie die Kraft zum Kämpfen.

                          Erstens mal spielen wir jetzt anscheinend verkehrte Welt. Herr B traut mir gar nichts mehr zu, während mein Chef auf ein Mal wie ausgewechselt ist. Als sei er ein paar Monate lang von seinem sadistischen Zwillingsbruder vertreten worden und wisse jetzt gar nicht, was diese Urlaubsvertretung alles angestellt hat während er selbst nicht da war. Sehr bizarr, kafkaesk. Ich zweifle an meiner eigenen geistigen Gesundheit! Ich kann mir das doch nicht eingebildet haben! Der hat mich doch monatelang wie einen Deppen runtergeputzt!
                          Zweitens: Ich habe das früher schon erlebt. In dem Moment, wo ich mich geschlagen gebe, wo ich mich fühle als habe man mich gebrochen, wo ich zugebe, an der Situation selbst schuld zu sein, in diesem Moment schwingt sich der Mobber zum freundlichen Onkel oder zur freundlichen Tante auf. Jetzt hat mein Chef - meine paranoide Einbildung! - genau da, wo er mich die ganze Zeit haben wollte. Und die Kollegen ja auch. Beim Mittagessen ging es ausnahmsweise mal in Richtung Fachgespräch, was wir ja sonst vermeiden. Ich erwähnte, unachtsam geworden, irgendwelche Fachliteratur, und schon wurde die Stimmung wieder kühl. Ok, keine Fachliteratur. Keine Fachgespräche. :-( Das erklärt jetzt auch, warum es mit meiner Einarbeitung hapert. Ich habe stets das Gefühl, dass sie Fachgespräche mit mir meiden, sobald ich etwas in diese Richtung versuche, komme ich bei ihnen wohl arrogant rüber. Ich bin froh, dass ich nächste Woche mal wieder auf eine Konferenz fahren kann, wo ich mit gleichgesinnten Experten fachsimpeln kann. Dieses penetrante Vermeiden von Gesprächen über Themen, die mich begeistern, ist ziemlich anstrengend. Ich muss sowieso dauernd aufpassen, was ich sage, damit sie es nicht mal wieder in den falschen Hals bekommen. Und alles läuft darauf hinaus, dass ich eine blöde arrogante Kuh bin. Das ist wohl das, was sie von jemandem mit meiner Qualifikation erwarten. Ich denke, das ist auch der Grund, warum man auf mir so herum hackt. Dabei vermeide ich es wirklich, irgendwie kompetent oder arrogant zu wirken. Bin sehr verunsichert, weil sie auch immer so empfindlich reagieren, wenn ich mal unachtsamerweise einen Buchtitel oder so fallen lasse. Aber wie gesagt, jetzt haben sie mich da, wo ich sein sollte. Ich habe zugegeben, dass ich ohne die Hilfe meines Chefs gar nicht arbeiten kann. Das gefällt ihm gut so, mich mit gesenktem Blick vor sich sitzen zu sehen. :-((
                          Drittens: Ich habe jede Menge Hilfe zugesagt bekommen. Alles was ich brauche. Er nimmt mich höchstpersönlich unter seine Fittiche. So hatte ich mir diesen Job nicht vorgestellt! Aber er wohl.
                          Viertens: Wenn ich jetzt dieses Angebot von ihm ausschlage, stehe ich ganz allein in der Welt. OK, das hätte ich sowieso, aber so werden weder meine Familie noch meine Freunde verstehen, warum ich diesen tollen, gut bezahlten Job hinschmeiße, wo mein Chef sich so viel Zeit genommen hat, um meinen Sorgen zuzuhören und mir jegliche Hilfe anbietet, die ich brauche. Und wenn meine Selbständigkeit dann doch nicht klappt, zeigen Dutzende schadenfroher Finger auf mich. Und dann wäre ich in keiner besseren Situation als jetzt, weil ich in jedem Gespräch sorgsam darauf achten müsste, nicht den Eindruck zu erwecken, ich sei überfordert, es liefe schlecht etc. Hätte mein Chef mich in diesem Gespräch genauso zusammengefaltet wie sonst, hätte ich wenigstens in berechtigter Empörung da rausgehen können.
                          Füntens: Donnerstag habe ich mein Gespräch beim Arbeitsamt. Mal sehen, was die sagen. Aber da geht es nur um ein paar Cent hier, ein paar Cent dort. Das ist eigentlich nicht das Hauptproblem.
                          Sechstens geht es um eine ganz grundsätzliche Frage. Um eine der großen Fragen im Leben. Wie weit will ich mich verbiegen und selbst klein machen, nur um der Sicherheit und des guten Gehalts willen? Mein Lieblingsrhetoriklehrer meinte vor zwanzig Jahren zu mir, ich sei ein Seeräuber. Aber einer, den man schon jung gebrochen hat. Und er prophezeite mir, dass man mich im Verlauf meines Lebens immer wieder zu vergiften versuchen würde. Ein weiser Mann. :-((

                          Danke fürs Zuhören. Ich muss jetzt sehr gut in mich gehen und eine Weg weisende Entscheidung treffen.

                          Audrey

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                          • #28
                            AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                            Hallo Audrey

                            Warum so geknickt? Hast du wirklich etwas anderes erwartet? Ich hatte schon einmal meine Einschätzung kund getan, dass dein Chef Mitarbeiter braucht die ihn, den Chef, bewundern und sich devot unterordnen. Du passt ganz und gar nicht als "Seeräuber" in dieses "Schema F" des bevorzugten Mitarbeiterprofils.

                            Als Seeräuber ist man selbst ein Eroberer. Sein eigener Wegbereiter. Wäre es nicht so wie es ist gäbe es diesen Konflikt nicht.

                            Ich kenne keinen Unternhemer der nicht irgendwo "strange" ja "besessen ist" von seiner Idee und dem was er tut. Sonst wären es keine Unternehmer.
                            Mit deinem Denken und Handeln wirst du immer auf Widerstand stossen. So wie ich das selbst ja auch immer erfahren habe.

                            Am Ende meiner Entwicklung steht nun die Selbständigkeit. Das ist hartes Business aber befreiend. Alles was du tust kommt direkt zu dir zurück. Ob gut oder schlecht.
                            Aber alles Gute wiegt das Schlechte bei weitem auf. Denk heute Abend an deine bereits zufriedenen Kunden die immer wieder zu dir kommen und nicht die Ware die du verkauft hast.
                            Das wird dir Kraft geben. Du tust deinen Kunden etwas Gutes.

                            Viele Grüsse

                            Martin
                            Psychobabbel
                            besonders erfahrenes Mitglied
                            Zuletzt geändert von Psychobabbel; 07.11.2011, 21:23.

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                            • #29
                              AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                              Hallo Matrin,

                              vielen Dank. Mir geht´s gerade ganz übel.
                              Eine Stimme in mir (der innere Schweinehund vermutlich!) sagt das, was meine Familie und die meisten Freunde sagen würden: "Siehste, alles nur halb so wild. Dein Chef will dich ja unterstützen und will, dass Du gute Arbeit leisten kannst. Du hättest weniger empfindlich sein sollen und viel mehr vertrauen."
                              Und die andere Stimme (vermutlich der Seeräuber) ruft: "Aber ich bin doch nicht bekloppt! Er hat mich doch wie einen Deppen behandelt und jetzt hat er mich sogar so weit, dass ich mich selbst für einen Deppen halte!"

                              Und so sitze ich hier, weine vor mich hin und frage mich, ob ich nicht ein Fall für die geschlossene Anstalt bin.
                              Vermutlich wäre die Selbständigkeit aber genau die richtige "Therapie" für mich.

                              Ja, ich glaube auch, dass es meine Seeräuberseele ist, die dazu führt, dass ich immer wieder gemobbt werde. Blöderweise sieht man mir meine Seeräuberart nicht auf den ersten Blick an, so dass sie beim Bewerbungsgespräch immer denken, sie würden ein braves Mädchen einstellen. Und dann die Enttäuschung und dieser ganze Ärger, das Mädchen mühsam brechen zu müssen!

                              Ach, mir geht es ganz bescheiden. Aber mal sehen, was die nächsten Tage bringen. Der Job selbst macht mir ja Freude. Und dann warte ich mal, ob der liebe Chef sein Theaterspiel lange durchhält. Ich werde ihn jedenfalls nicht provozieren, habe das bisher auch nicht so wirklich getan, jedenfalls nicht absichtlich.

                              Audrey

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                              • #30
                                AW: Mobbing oder einfach nur überempfindlich?

                                Hallo Audrey

                                Du bist ein Seeräuber. Was dich gebrochen hat ist, dass man dir dein Schiff weggenommen hat. Ein Seeräuber auf dem Trockenen ist eine "Landratte" die sich in allen möglichen Löchern verstecken muss. Und eben nehmen müssen was andere wegwerfen.

                                Was dir fehlt und warum du im Zweifel bist sind Menschen die an dich glauben. Du bist im Begriff dich an den Planken hinauf wieder auf dein Schiff zu ziehen. Jetzt fehlt nur noch die Flut, um wieder Wasser vor den Kiel zu bekommen und dasSchiff aus dem Trockendock auf die See zurück zu führen. Da wo es hingehört.

                                Ich glaube an deine Fähigkeit und deine Fertigkeiten das zu schaffen. Das Einzige was noch fehlt ist die Routine deren Fehlen dir als grösste Barriere im Weg steht. Die fehlende Sicherheit. Aber an die gewöhnt man sich genauso wie ihr Dasein.
                                Man macht es nur anders. Man sorgt selbst für die Sicherheit statt sie anderen zu überlassen. Und das gibt mir persönlich die Sicherheit mein Leben selbst im Griff zu haben und nicht anderen überantworten zu müssen.
                                Eben das Mass an Freiheit zu einem Kunden auch mal "Nein" zu sagen, wenn es nicht passt, ohne dadurch in seiner Existenz wie als Angestellter bei einem AG gefährdet zu sein. Ja ich muss es sogar tun.
                                Weil allen Leuten recht getan ist eine Kunst die niemand kann!

                                Du kannst dir vielleicht noch nicht vorstellen was dies für ein Gefühl ist. Das grösstmögliche Mass an Freiheit und Selbstbestimmung.

                                Später werden alle die jetzt zweifeln sagen: "I hab's ja scho immer g'wusst!"

                                Hör dir mal das Lied an von der Ertsen Allgemeinen Verunsicherung: "Go Karli Go".
                                Die Jungs sind echt spitze und obendrein sehr sympathisch.

                                Viele Grüsse
                                Martin

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